Formel 1

F1, Red Bull traut Renault-Motor nicht: Russland-Strafe droht

Red Bull fehlt nach Singapur das Vertrauen in den aktuellen Formel-1-Motor von Renault. Max Verstappen und Daniel Ricciardo in Russland wieder mit B-Spec.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Max Verstappens zweiter Platz beim Formel-1-Rennen in Singapur war die seit langem stärkste Vorstellung Red Bulls in der laufenden Saison. Das Wochenende war für den Niederländer und Teamkollege Daniel Ricciardo trotzdem ein wahrer Spießrutenlauf. Die C-Spezifikation der Renault-Power-Unit sorgte für allerlei Probleme. Für Russland plant das Team deshalb einen Schritt zurück.

"Wir haben für das nächste Rennen die vorherige Spezifikation. Sochi wird also ein hartes Wochenende für uns", so Red-Bull-Teamchef Christian Horner, der die letzte Ausbaustufe Renaults in Monza erstmals bei Ricciardo und Verstappen einsetzen ließ. In Italien gab es zunächst keine großen Auffälligkeiten. Zwei Wochen später machte die C-Spezifikation Singapur für Red Bull zu einem wahren Drahtseilakt in Sachen Zuverlässigkeit.

"Wir haben die Risiken akzeptiert als wir auf diesen Motor setzten", so Horner, dessen Erwartungen trotz positiver Tendenzen nicht erfüllt wurden: "Sie hat etwas mehr Leistung, hat aber auch ihre Ecken und Kanten." In Singapur kämpften beide Piloten mit dem Motormapping. Sowohl im Qualifying als auch im Rennen gab es Aussetzer und Fehlzündungen.

Red Bull rettete Singapur: Guten Job gemacht, das Mapping auszusortieren

"Die Probleme die wir mit dem Motor haben, waren ärgerlich. Ich war so froh als das Safety Car weg war, denn ich wäre fast stehengeblieben. Auch beim Boxenstopp war es kritisch", klagte Verstappen trotz seiner Fahrt aufs Podest. Im Zeittraining hatten die Probleme ihn auf seiner schnellsten Runde heimgesucht, bei der er im Mittelsektor in Schlagdistanz zum späteren Pole-Sitter Lewis Hamilton lag.

"Ich denke, dass sie [die Red-Bull-Mechaniker] wirklich einen guten Job gemacht haben, das Mapping mit ihren Möglichkeiten so gut es ging auszusortieren. Mit mehr Zeit und einigen Optimierungen wird es noch besser", sagt Horner. Die zwei Wochen zwischen Singapur und Sochi reichten dafür aber offenbar nicht aus.

Sollte es Punkte fürs Qualifying geben? - Formel 1 2018: (19:04 Min.)

Ricciardo und Verstappen drohen in Russland Strafen

Der Wechsel zurück auf die B-Spezifikation könnte Strafen für Ricciardo und Verstappen bedeuten. Ricciardo ist bei allen sechs Power-Unit-Elementen bereits beim vierten Bauteil angelangt. Die erste Grid Penalty gab es für den Australier in Hockenheim für Nummer drei von MGU-K, Steuereinheit und Batterie. In Monza war dann im Zuge der C-Spezifikation von allen Elementen das vierte Bauteil an der Reihe.

Sollte Ricciardo für den Wechsel zurück auf die B-Spec nicht auf Alt-Teile aus der ersten Saisonhälfte zurückgreifen können, wäre es für ihn die dritte Strafversetzung innerhalb der letzten sechs Rennwochenenden. Einziger Trost für den 29-Jährigen: Die vielen Motorwechsel könnten für die Entwicklung des Aggregats nützlich sein, welches er ab 2019 als Renault-Werksfahrer im Heck haben wird.

"In meiner Zeit mit Renault-Power-Units hatten wir ein paar Updates die funktionierten und ein paar, die es nicht taten. Das ist die Realität. Letztere können frustrierend oder demoralisierend sein, wenn du mehr erwartest, als du bekommst. Aber die C-Spec zeigte als ihr letzter Schritt Positives und Fortschritte. Das ist für den Rest des Jahres ermutigend, und auch für meine Zukunft", so Ricciardo.

Verstappen hingegen hatte in diesem Jahr erst eine Grid Penalty. In Monaco musste er nach einem Crash im FP3 eine neue MGU-K einsetzen. Vor Sochi steht der Niederländer bei Nummer drei von Verbrennungsmotor, Turbolader und MGU-H. Von MGU-K, Batterie und Steuereinheit hat er 2018 bereits je zwei Stück eingesetzt. Somit ist der 20-Jährige bei allen Elementen am Limit. Jeder Einbau eines Neuteils würde also zur Startplatzstrafe führen.

Grid Penalty in Sochi: Opfert Red Bull Russland für Rest der Saison?

Der Griff zu Neuteilen würde durchaus Sinn machen, um bei den übrigen Rennen auf frisches Material zurückgreifen zu können. Russland bietet sich für eine Strafe regelrecht an, denn Sochi zählte im vergangenen Jahre zu einer der schwächsten Rennstrecken für Red Bull. Im Qualifying verloren die Piloten deutlich über eine Sekunde auf Mercedes und Ferrari, im Rennen fehlte beim Zieleinlauf eine ganze Minute.

In Anbetracht dessen, dass sich das Team bei den sechs ausstehenden Rennen ohnehin nur vereinzelt Siegchancen ausrechnet, dürften Grid Penalties in Russland zu verschmerzen sein. "Realistisch betrachtet wird Mexiko dieses Jahr wahrscheinlich noch unsere einzige Chance sein, unter normalen Umständen", geht Horner mit Verstappen d'accord, der seine Siegambitionen bereits in Singapur auf das Rennen in Mexiko City eingrenzte - und selbst das mit Einschränkungen. "Ich erwarte nicht, dass es da wie letztes Jahr sein wird", so der Niederländer.


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