Formel 1

Formel 1, Spa-Startcrash: Lebensretter Halo?

Charles Leclerc hatte beim Horrorcrash in Spa einen Schutzengel - oder Halo. Rettete der Cockpitschutz dem Formel-1-Piloten das Leben? Die FIA untersucht.
von Christian Menath
Spa 2018: Rettete der Halo Leclerc das Leben?: (04:51 Min.)

Toto Wolff wollte bei der Präsentation des aktuellen Silberpfeils den Cockpitschutz Halo noch mit der Kettensäge abtrennen, Kevin Magnussen fand den Titanbügel 'einfach peinlich'. Nach dem Belgien GP 2018 in Spa hat sich die Zahl der Halo-Gegner drastisch reduziert.

Grund dafür ist der Startcrash, ausgelöst von Nico Hülkenberg, bei dem Fernando Alonso über den Sauber von Charles Leclerc flog. Der rechte Vorderreifen von Alonsos McLaren schlug dabei auf den Halo auf, die Aufhängung brach, der herumfliegende Formel-1-Bolide wurde von Leclercs Kopf weggeleitet.

Leclerc selbst wurde erst später bewusst, wie viel Glück er beim Unfall hatte. Erst ärgerte er sich über den Ausfall, sprach von Pech. Später, mit etwas Distanz sprach auch er von Glück. "Ich war nie ein Fan von Halo, aber hier war ich froh, dass er drauf war", sagte der Ferrari-Nachwuchs.

Technik erklärt: Formel-1-Cockpitschutz Halo im Detail: (23:34 Min.)

Man kann sich die TV-Bilder wieder und wieder ansehen, aus allen verschiedenen Perspektiven. Ganz klar lässt sich nicht sagen, wie der Unfall ohne Halo ausgegangen wäre. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als wäre Alonso auch ohne Halo am Kopf vorbeigeflogen. Auf den zweiten Blick sieht man erst, wie die Radaufhängung dem Halo nachgibt.

Der FIA genügen die Spekulationen freilich nicht. "Wir haben sehr viele Fotos vom Halo gemacht", erklärte Rennleiter Charlie Whiting nach dem Rennen. Auf dem Titanbügel sind deutliche Kampfspuren zu sehen. Darauf ist auch gut zu erkennen, dass der Reifen nicht nur auf die vertikale Strebe traf, sondern länger mit dem Bügel in Kontakt war.

Die Onboard-Aufnahmen konnten leider nicht für Aufklärung sorgen. Austretendes Kühlwasser von Alonsos Boliden sprühte direkt vor die Linse. Die Highspeed-Kamera der FIA muss erst noch ausgewertet werden. Allerdings richtet sich die von vorne direkt auf den Helm des Fahrers. Ob darauf der McLaren überhaupt zu sehen sein wird, ist fraglich.

Dennoch wird die FIA den Unfall genau rekonstruieren. Der Automobilweltverband, der für die Entscheidung, den Cockpitschutz zur Formel-1-Saison 2018 einzuführen, von vielen Seiten hart kritisiert wurde, wird sich auch mit Sauber zusammensetzen und den getroffenen Halo sowie das Chassis genau untersuchen.

Hat sich der Halo verzogen? Wie sieht es mit den Befestigungspunkten auf dem Chassis aus? Die Antworten sollen dabei helfen, den Halo in Zukunft weiter zu verbessern. Die Entwicklung geht im Hintergrund längst weiter.

Die Reifenabdrücke sprechen für sich - Foto: Sutton

Auch ohne eingehende Analyse, eine erste Meinung hat Rennleiter Charlie Whiting zum Unfall schon. "Es ist spekulativ zu sagen, dass Halo Leclerc das Leben gerettet hat. Aber man kann sich gut vorstellen, dass die Reifenabdrücke ohne Halo auf dem Helm gewesen wären. Es würde fast einem Wunder gleichen, wenn nicht. Die Abdrücke sind mehr als deutlich."

Auch wenn der Halo äußerlich nicht beschädigt scheint, das Bauteil hat seine Formel-1-Zeit hinter sich. Der rund 15.000 Euro teure Titanbügel muss ausgetauscht werden. "Wie bei den Gurten nach einem Unfall ist das Pflicht", erklärt Whiting.

Auch FIA-Präsident Jean Todt meldete sich auf Twitter zum Unfall zu Wort. "Sicherheit geht vor. Darum haben wir den Halo eingeführt", schrieb der Halo-Befürworter zu dem Video des Startunfalls. Nico Rosberg schrieb: "Wir können die Halo-Diskussion nun beenden. Er wird Leben retten!" Felipe Massa meint in Anbetracht der Reifenspuren auf dem Halo: "Nachdem wir das gesehen haben, können wir sagen: Halo ist wunderschön!"

Der Startcrash in Spa war übrigens nicht der erste Unfall, bei dem Halo eine zentrale Rolle spielte. Beim Formel-2-Rennen in Spanien war es Tadasuke Makinom der froh war, den Bügel auf dem Auto gehabt zu haben.


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