Formel 1

Formel 1 Ungarn, Räikkönen-Hitzehorror: Ferrari vergisst Wasser

Kimi Räikkönen fährt in Ungarn 2018 zum fünften Mal in Folge auf das Podium. Doch das Rennen artet in Stress pur aus. Start-Pech, kein Getränk, Extra-Stopp.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Kimi Räikkönen wird noch zum Mr. Konstanz der Formel 1. Beim Ungarn GP fährt der Ferrari-Pilot in der F1-Saison 2018 sein fünftes Podium in Folge ein, insgesamt das achte der Saison. Auf dem Hungaroring insgesamt ist es bereits das neunte für den Routinier, mit Blick auf seine gesamte Karriere wird es zur Statistik-Schnapszahl: 99 Podestplätze jetzt in der Formel 1 für Kimi Räikkönen.

Apropos Schnaps - nach dem hätte es den Iceman im Rennen sicher auch fast gelüstet. Oder zumindest nach ganz simplen Wasser. Für Räikkönen wurde der Ungarn GP bei 34 Grad Außentemperatur in praller Puszta-Sonne nämlich zur besonderen Hitzetortur: Ferrari hatte es doch tatsächlich geschafft, das Befüllen seiner Trinkflasche zu vergessen. Und das ausgerechnet beim ältesten Piloten im Feld.

Kimi Räikkönen: Kein Wasser am Ende halb so wild

Räikkönen also kurz vor der Dehydrierung? Manch einer litt während des Rennens mit dem Finnen. "Es war sehr heiß, körperlich sehr belastend", berichtet Lewis Hamilton. Doch für Räikkönen selbst - trotz eines zunächst aufgeregten Funkspruchs an Ferrari - gar kein großes Thema. "Es ist nicht so schön ohne etwas zu Trinken. Es ist ein Problem. Aber es ist passiert und am Ende keine große Sache. Es ging schon", gibt sich Räikkönen locker.

Weniger entspannt sieht der Ferrari-Pilot das sportliche Ergebnis. Nach Start von Platz drei auch Dritter im Ziel? Zu wenig für Kimi Räikkönen. "Aber das war das Beste, auf das wir heute hoffen konnten", sagt Räikkönen mit Blick auf den überholfeindlichen Hungaroring nach dem Regen- und Verkehrspech im Qualifying am Tag zuvor.

Räikkönen setzt Strategie-Switch von Ferrari perfekt um

Doch im Rennen schien es dann zunächst sogar noch hinten gehen. Räikkönen kam zwar genauso gut weg wie alle anderen in den Top vier. Doch vor Kurve zwei geriert er in ein bitteres Problem. Räikkönen wurde auf der Innenbahn so arg hinter Bottas ausgebremst, dass außen Teamkollege Sebastian Vettel durchging.

"Der Start war weit von entfernt von ideal. Das hätte heute leichter gehen müssen, wir müssen das verbessern", kommentiert Räikkönen. Daraufhin sei es aber ganz gut gelaufen. "Ich habe Bottas nach dem ersten Stopp eingeholt, hatte zu diesem Zeitpunkt aber keine Chance, ihn auch zu überholen. Deshalb hatten wir die Idee, nochmal zu stoppen, um es erneut zu probieren", schildert Räikkönen seinen überraschenden zweiten Stopp in Runde 39. Dabei hatte Ferrari dem Finnen das Leben schon zuvor schwerer gemacht als nötig. Nicht nur die Trinkflaschen-Füllung verpatzte die Scuderia. Auch beim ersten Stopp stand Räikkönen gefühlte Ewigkeiten, geschlagene 5,18 Sekunden.

Bottas vs. Vettel: Räikkönen profitiert von Unfall

Der zweite Stopp warf Räikkönen dann fast 20 Sekunden hinter seine Vorderleute zurück. Mit gebrauchten Softs gelang es Räikkönen, die Lücke mit diversen schnellsten Rennrunden nicht nur langsam zu schließen, sondern sogar komplett zuzufahren. Und das, ohne die Reifen zu zerstören. Ferrari überlegte deshalb gar, einen Positionstausch mit Vettel anzuordnen, der sich rundenlang an Bottas die Zähne ausbiss. Räikkönen schien die bessere Pace für einen Angriff zu haben.

"Wir mussten früher stoppen als wir wollten, weil wir Kimi covern mussten", erklärt Bottas seinen Einbruch am Ende. "Meine Reifen begannen einfach zu sterben. Ich habe versucht, mich so gut es ging zu verteidigen, so aggressiv wie ich konnte."

Gutes Stichwort. Ehe die Überlegungen am Boxenfunk bei Ferrari dann nämlich überhaupt konkret wurden, in die Tat umgesetzt werden konnten, attackierte Vettel dann doch den immer mehr rutschenden Mercedes. Und es krachte! Räikkönen staubte ab, war vorbei an Bottas und auf Podiumskurs. "Immerhin habe ich so einen Platz zurückbekommen", freut er sich darüber.

"Trotzdem ist das Endresultat andere als ideal. Es fühlte sich nicht wie ein ganz tolles Rennen an. Es ist nur Platz drei. Der Speed war gut heute, aber wir mussten nach gestern einfach zu viel gutmachen. Es ging noch okay aus. Für das Team sind es natürlich tolle Punkte. Ich will aber weiter vorne abschneiden. Es ist kein Desaster, dürfte aber gerne besser sein."


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