Formel 1

Formel 1 - McLaren krempelt um: Fernando Alonso war involviert

Zak Brown greift durch bei McLaren: Auto schlechter als 2017, Situation inakzeptabel! Eric Boullier ging freiwillig, Fernando Alonso an Umbau beteiligt.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Das McLaren-Beben geht auch in Silverstone weiter. Nach der am Mittwoch publik gemachten Umstrukturierung der Teamführung samt Abschied des bisherigen Renndirektors Eric Boullier ist der versuchte Neustart beim Traditionsteam aus Woking am großen Pressetag vor dem Heimrennen des Rennstalls in Großbritannien natürlich noch immer das große Thema im Fahrerlager.

Formel 1 2018: Wer rettet McLaren vor dem Untergang?: (06:09 Min.)

McLaren selbst stellt sich der Situation offen, lädt gleich zwei Mal zur Pressekonferenz mit CEO Zak Brown, erst dürfen die schreibenden Journalisten ran, auch Motorsport-Magazin.com ist geladen, dann die TV-Crews. Noch dazu sitzt Brown auch am Freitag noch in der offiziellen Teamchef-PK der FIA. Das stand allerdings schon vorher fest.

McLaren-Boss: Situation ist einfach inakzeptabel

Erste Gelegenheiten also, direkt beim CEO nachzubohren. Wie genau stellt er sich denn nun die Zukunft Mclaren vor? Wie schnell kann McLaren jetzt heilen? Wer war beteiligt am großen Entscheidungsprozess? Und nicht zuletzt: Welche Folgen hat der große Umbau auf das ewige Thema Fernando Alonso und seine mögliche Vertragsverlängerung?

Zunächst jedoch schilderte Brown noch einmal die Gründe für die Umbaumaßnahmen und das Boullier-Aus in einem langen Monolog. Den Großteil der Inhalten ersparen wir an dieser Stelle, Brown wiederholte im Grunde nur 1:1 seine Worte der Vortags (nachzulesen in den beiden oben verlinkten Artikeln).

Entscheidend ist sowieso nur ein Satz in diesem Teil. Brown: "Wenn wir ansehen, wo wir heute sind: In einer nicht konkurrenzfähigen, inakzeptablen Situation. So etwas liegt nicht an einem Einzelnen." Eric Boullier also nicht der Alleinschuldige und einfach alles schlecht bei McLaren. Alles schlecht? Mit Abstrichen. Brown betont: Potential ist durchaus vorhanden, wird nur nicht ausgeschöpft. Weil die Teamorganisation eben nicht stimmte.

"Die Struktur erlaubt uns nicht und manchen Individuen bei uns nicht, so unternehmerisch zu sein, wie ich es gerne hätte. Wir haben tolle Talente, die wir aber entfesseln müssen. Das ist im gegenwärtigen Umfeld nicht gelungen", so Brown, der kritischen Nachfragen, manche Posten seien vielleicht auch schlicht personell nicht ideal besetzt somit geschickt ausweicht.

McLaren. Überhaupt noch Chancen gegen Mercedes, Ferrari, Red Bull?

Doch gibt Brown auch zu: Externes Know-how muss zusätzlich her, soll her. Mit Gil de Ferran ist der erste bereits an Bord. Noch dazu profitiere McLaren aber ohnehin schon von anderen Teilen des Gesamtunternehmens, sprich dem Automotive-Sektor und McLaren Applied Technologies. Doch reicht das? Reicht das in der gegenwärtigen Formel 1? Eine F1 bestimmt von Giganten wie Ferrari, Mercedes und Red Bull? Hat McLaren überhaupt noch eine Chance, je wieder alten Glanz zu erreichen?

Formel 1 2018: Brennpunkte vor dem Großbritannien GP: (06:58 Min.)

"Wenn man nur Mercedes und Ferrari ansieht - die haben 200, 300 Leute mehr. Wir müssen also produktiver, effizienter sein. Das ist wichtig und wird es mit einer Budgetgrenzen sowieso zunehmend", so Brown über die für 2021 seitens Liberty Media geplante Innovation. McLaren begrüße den angedachten Schritt, so Brown.

Der McLaren-CEO erklärt Motorsport-Magazin.com: "Die gegenwärtige Richtung der F1 ist ein schwieriges Umfeld für unabhängige Rennteams wenn das nicht geändert wird. Du hast Mercedes und Ferrari, die noch zu zwei anderen Teams Beziehungen unterhalten. Und da ist sehr beeindrucken, was Haas mit seinen Ressourcen und seinem Personal anstellt. Wenn der Sport den Weg unbegrenzten Budgets weitergeht, dann brauchst du sowas einfach, um konkurrenzfähig zu sein. Zum Glück ändert Liberty Media diesen Weg, was uns für die Zukunft jede Menge Optimismus gibt."

Die Gegenwart jedoch sieht weiter düster aus. Eine Wunderheilung erwartet selbst der McLaren-Boss nicht mehr. "Es wird Zeit brauchen, das zu beheben. Wir sind Jahre hinterher. Zwei? Zehn? Nein, irgendwo dazwischen. Ich will aber keine Prognosen mehr abgeben, wir müssen realistisch und ehrlich mit uns und den Fans sein", ergänzt Brown, entsagt damit den aus Woking so gut bekannten großspurigen Ansagen vergangener Tage abermals.

McLaren lernt: Keine Prognosen mehr, nur noch Ziele

Ganz kurzfristig gehe ohnehin nichts. "Wir hatten im letzten Rennen ein gutes Ergebnis wenn man anschaut von wo wir nach dem Qualifying kamen. Aber wir waren nicht konkurrenzfähig. Alle müssen beginnen, nicht mehr so hohe Erwartungen zu haben, auch nicht in Silverstone. Es sind nur fünf, sechs Tage vergangen", mahnt Brown.

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"Wir sind in ziemlich großen Kampf um P4, P5, P6, P7 - die Teams da sind alle sehr eng zusammen. Aber ich will keine Prognosen mehr abgeben, das hat uns in der Vergangenheit in Probleme gestürzt. Diesen Fehler will ich nicht wiederholen. Was wir aber machen werden, ist, wie verrückt um P4 in der WM zu kämpfen", so Brown. Das sei aber ein Ziel, keine Ansage, stellt er klar. Und das werde schwierig genug.

Brown: Haben 2018 weniger Downforce als 2017

"In Australien hätte man noch gesagt, Platz vier in der WM ist greifbar. Jetzt sitzen wir aber hier und sind im Punktestand zurückgefallen", erklärt Brown die neue Skepsis. Die zeige sich ohnehin auch an anderen Zahlen als denen im WM-Stand. "Wir haben nicht denselben Level an Downforce dieses Jahr, den wir letztes Jahr noch hatten", gibt Brown zu. "In diesem Bereich ist unser diesjähriges Auto schwächer als im Vorjahr. Aber wir hatten letztes Jahr auch definitiv nicht das beste Chassis", rudert Brown zurück.

Im letzten Honda-Jahr war das gerne die McLaren-Ausrede gewesen. Man sei ja nur wegen der Power Unit so schwach. Allen voran Eric Boullier war bei diesen Aussagen immer vorne dabei, doch auch Fernando Alonso war dem nicht abgeneigt. Jener Alonso, der nun auch am großen McLaren-Umbau beteiligt war, wie Brown enthüllt.

Alonso und Vandoorne in Umbau involviert

"Ich habe mit allen Fahrern gesprochen. Alonso hat jede Menge Erfahrung, er ist zweimal für uns gefahren, war bei Ferrari, Renault und ist jemand, von dem ich glaube, dass er einen guten Instinkt hat. Er war im Zentrum großer Rennteams, also wäre es ein Fehler, sein Wissen nicht anzuzapfen", berichtet Brown.

"Auch bei Stoffel, wenngleich er nicht so große Erfahrungen hat und nur für uns gefahren ist. Aber er ist großartig. Auf der Strecke, aber auch abseits davon. Das sieht man von außerhalb nicht so, aber er ist einer der Leader im Team. Er mag das McLaren-Umfeld und glaubt natürlich an uns. Er hätte ja gehen können, aber er hat dieses Jahr entschieden zu bleiben."

Alonso: Mit 18 Jahren Erfahrung sieht du eben andere Dinge

Fernando Alonso selbst über seine Rolle: "Ein Teil des Feedbacks und Inputs, den du mit 18 Jahren Erfahrung mehr als andere Leute, die jünger sind, einbringen kannst, ist eben anders. So war es doch immer und überall. In jedem Team, in dem ich war, waren sie nach zwei, drei Jahren begeistert, ich war bis auf 2007 ja immer langfristig unter Vertrag."

Zudem pflege er einen besonders engen Kontakt zu Zak Brown. "Er ist ein Racer und versteht Racing - er wird ein guter Leader für die Zukunft McLarens sein. Ich vertraue ihm - auch wenn er selbst das Auto nicht konzipiert. Auch Flavio hat ja nicht das Auto designt, er war der Leader."

Ob seine Ratschläge auch Personal beinhalten. Der Stella-Aufstieg spricht dafür. Doch Alonso negiert. "Ich habe keine Ahnung von Personal. Ich kann nur Fahrer vorschlagen, weil sie die einzigen sind, die ich auf der Strecke treffe. Aber ich werde Zak keine vorschlagen, denn wir haben schon die beiden besten."


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