Formel 1

Formel 1, McLaren-Boss erklärt Neuaufbau: Waren zu verkniffen

Das Aus Eric Boulliers bei McLaren hat eine Neuorganisation der Teamstruktur zur Folge. Zak Brown erklärt wie alte Probleme endlich angepackt werden sollen.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - McLaren reagiert auf die auch mit Renault-Motoren anhaltende sportliche Talfahrt in der Formel 1 und baut die Führungsriege seines Formel-1-Rennteams um. Synchron mit dem verkündeten, freiwilligen Aus des langjährigen Renndirektors Eric Boullier gab CEO Zak Brawn am Mittwoch die neue Aufstellung grob per Aussendung bekannt. Nun liefert der Amerikaner nähere Details, spricht zudem über die Gründe der Misere und bekannt sich klar zur Formel 1.

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"Wir waren alle unter Druck. Wir haben nicht so performt wie wir es in Anbetracht all der tollen Leute, die wir hier haben, der Infrastrukturen und Technologien und unserer Geschichte, sollten", erklärt Brown bei Sky Sports News UK zunächst den Boulliexit. "Eric war für fünf Jahre hier und hat dem Team viel gegeben. Er liebt McLaren. Unter dem Strich war er der Meinung, dass der beste Weg für das Team, nach vorne zu kommen, ist, wenn er zurücktritt. Ich wünsche ihm nur da Beste. Er wird sicher irgendwo anders zurück auf die Siegerstraße finden", verabschiedet Brown seinen bisherigen Renndirektor.

Zak Brown: Problem nicht das Auto, sondern wie es gebaut wird

Dessen Posten wird nun nicht 1:1 ersetzt. Stattdessen baut McLaren groß um. McLaren-COO Simon Roberts für die Produktion, Ex-Ferrari-Mann und Alonso-Intimus Andrea Stella für die Performance an der Strecke steigen intern auf, Gil de Ferran wird als neuer Sportdirektor von extern ernannt. "Das ist aber nur der Anfang des Prozesses. Wir sind weit davon entfernt, fertig zu sein", stellt Brown klar.

Denn passieren müsse bei McLaren viel. Endlich einmal. "Wir müssen eine schnellere Organisation werden und besser kommunizieren. Der Grund, warum das Auto auf der Strecke nicht performt, ist, weil wir als Team nicht performen. Wie ich es sehe, reagieren wir zu langsam. Wir müssen die Dinge vereinfachen. Wir müssen auch wie ein Rennteam operieren. Wir sind etwas zu langsam, zu verkniffen. Und das ist nicht der Fehler eines einzelnen", stellt Brown klar. Kein Nachtreten gegen Boullier also.

So funktioniert das neue McLaren-Dreigestirn

Vielmehr müsse McLaren schlicht die angestaubten Routinen und Abläufe über Bord werfen. Womit Brown keine Entlassungen meint. "Ich denke, dass wir hier tolle Leute haben. Ich weiß das. Es geht um die Arbeitsweise, die wir ändern müssen. Mein Job ist, dass all 700, 800 Leute so schnell wie möglich in richtige Richtung rudern, gut kommunizieren. Denn es sind dieses Leute, die das Rennauto bauen. Wir mögen ein Problem mit dem Rennauto haben, aber eigentlich ist das Problem, wie wir dieses Rennauto bauen", erklärt Brown den Kern des Problems aus seiner Sicht.

Den ersten Schritt auf diesem Weg soll nun also das Trio Stella/Roberts/de Ferran beschreiten. "Stella wird zum Performance-Direktor erhoben. Er ist am Ende dafür verantwortlich, dass wir am Rennwochenende auch das Maximum aus dem Auto holen. Simon wird das technische Team leiten und an mich berichten. Er wird sicherstellen, dass wir ein wirklich schnelles Rennauto haben", erklärt Brown die neuen Verantwortlichkeiten näher.

Brown: McLaren-Treuebekenntnis zur Formel 1

Und dann gibt es eben noch US-Legende Gil de Ferran. "Er wird der Sportdirektor und direkt mit dem Team und den Fahrern arbeiten. Er stellt sicher, dass wir die Performance dann auch abrufen. Die drei werden am Ende dafür verantwortlich zeichnen, dass wir wieder gewinnen. Aber es ist eben nur der Anfang", so Brown. Speziell die Verpflichtung der Indy500- und ChampCar-Größe de Ferran lässt jedoch auf den ersten Blick Zweifel an McLarens Bestreben, in der Formel 1 wieder eine Hausnummer zu werden, aufkommen.

Zuletzt hatte McLaren immerhin mehrfach mit einem größeren Engagement im US-Sport geliebäugelt. Doch Brown stellt klar: "Die Formel 1 ist auf jeden Fall unsere Priorität. Sie war es immer und wir haben auch immer gesagt, dass sie immer unsere Nummer eins bleiben wird. Wir machen keinen Rückzieher! Gil arbeitet auch an der F1 und darauf konzentrieren wir uns. Alles, was wir sonst noch ansehen, hat keine Priorität. Wir müssen unser F1-Team wieder hinbekommen. Gil war immer ein großer Fan vom Racer-Instinkt und mit ihm haben wir ein paar frische Augen in der Garage."

McLaren: Final klarer Cut zur Ära Ron Dennis

Insgesamt wird somit offensichtlich: Brown will McLaren nun final zu seinem 'Baby' machen, einmal mit voller Kraft auf den Reset-Knopf drücken, final den klaren Cut zur Ära Ron Dennis ziehen und die unrühmlichen letzten Jahre vergessen machen. Das werde bei McLaren auch endlich einmal Zeit. "Wir sind jetzt sieben, acht Jahre destabilisiert", poltert Brown. "Die Probleme sind nicht über Nacht entstanden. Also kann man sie auch nicht über Nacht beheben", warnt er zugleich. "Wir reagieren also nicht auf eine spezifische Situation. Wir waren einfach auf Jahre destabilisiert als Organisation. Konstant hat sich alles verändert. Jetzt schaffen wir eine gute Basis, auf die ich aufbauen will."

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Besonders deutlich wird der geplante Brown'sche Neuanstrich McLaren mit Blick auf ein besonderes Faible des Rennstalls: Übertriebene Ansagen, ein Relikt der Ära Ron Dennis – Stichwort "zukünftige Dominanz" -, das sich bis in die Gegenwart gehalten hat, denkt man nur an die McLaren-Aussagen in der Saison 2017, man verfüge klar ersichtlich über das beste Chassis. Das gehe aus den GPS-Daten hervor. Im Paddock unter manchen Beobachter längst eine gerne bemühter Scherz …

Mit Zak Brown will nun ausgerechnet ein US-Amerikaner diese Zeiten der Großspurigkeit beenden: "Nein, wir haben nicht das beste Chassis. Ganz sicher nicht dieses Jahr. Letztes Jahr war es gut. Aber wir haben einen Fehler mit ein paar Statements und Vorhersagen gemacht, die wir getätigt haben. Das ist immer so gefährlich im Leben. Es gab ein paar Dinge, die wir etwas anders hätten machen sollen mit unseren Aussagen vor ein zwei Jahren. Aber wenn du Fehler machst, musst du daraus lernen und sie nicht zweimal machen."


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