Formel 1

Formel 1 Brasilien: Toro Rosso schon wieder im Motoren-Debakel

Toro Rosso macht in Brasilien weiter, wo das Formel-1-Team in Mexiko aufgehört hat. Schon wieder plagen die Motoren Pierre Gasly und Brendon Hartley.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Die Motoren-Posse rund um Renault und insbesondere Toro Rosso nimmt auch in Brasilien ihren Lauf. Nachdem das vergangene Formel-1-Wochenende in Mexiko schon von Problemen mit den Power Units nur so gespickt war - Helmut Marko bereits dort zu Motorsport-Magazin.com: "Es ist nicht akzeptabel, was sich dort abspielt!" - geht es nun in Sao Paulo ganz genauso weiter.

Schon vor dem ersten F1-Training kam die erste Hiobsbotschaft: Beide Toro Rosso, on top auch noch Red Bulls Daniel Ricciardo, kassieren in Brasilien zehn Strafplätze, weil - kurioserweise allesamt - ihre bereits achte MGU-H der Saison einbauen mussten. Erlaubt sind insgesamt nur vier.

FP1 Brasilien: Hartley nach zwei, Gasly nach fünf Runden out

Doch damit nicht genug. Bei Toro Rosso nahm das Übel im ersten Training sofort seinen Lauf. Pierre Gasly musste den SRT12 nach nur fünf Runden schon wieder in der Garage abstellen, Brendon Hartley kam an seinem Geburtstag nicht einmal so weit, rollte mit rauchendem Heck nach zwei Runden aus, bevor er überhaupt eine Zeit gesetzt hatte.

Beim Franzosen war recht schnell klar, wo das Problem lag: Schon wieder war es die gerade erst neu verbaute MGU-H. "Wir sind schon in dem Wissen hierher gekommen, dass wir einige Motorenstrafen wegen der MGU-Hs bekommen werden. Leider ist die neue MGU-H in Pierres Auto schon früh kaputt gegangen", klagt Toro Rossos Chef-Renningenieur Jonathan Eddolls.

Toro Rosso: Neue MGU-H quittiert Dienst sofort

Die Folge: Vor dem FP2 bekam Gasly MGU-H Nummer neun verpasst, noch dazu einen siebten Turbo, sodass somit bei insgesamt 25 Strafplätzen steht. "Nach einem harten Start in den Tag war es noch ein guter Nachmittag. Der Morgen war mit dem Motor-Problem natürlich nicht besonders toll für uns. Ich hatte nur eine gezeitete Runde und Brendon keine, sodass wir nicht viel gelernt haben. Das war nicht ideal. Immerhin habe ich es geschafft, dann im FP2 viele Runden zu drehen", resümiert der Franzose nach P16 und 44 Runden am Nachmittag.

Und Brendon Hartley? Auch der Neuseeländer und WEC-Meister mit Porsche schaffte am Nachmittag den Turnaround. "Am Nachmittag habe ich aber erst ein paar Runden gebraucht, weil ich jetzt für ein paar Wochenenden am Stück jedes Mal ein anderes Auto fahre. Immerhin konnte ich dann aber noch viele Runden fahren - im FP2 waren es sogar die meisten von allen", berichtet Hartley, P17, 54 Runden.

Hartley-Rauchschwaden halb so wild

Dass er überhaupt fahren konnte, erschien manch einem fast schon als kleines Wunder. Eddolls: "Beide Autos sind im FP2 ziemlich direkt zurück auf die Strecke, was ein fantastischer Job der Mechaniker war, da es einen ganzen Motorwechsel und einen Neuaufbau am anderen Auto gab. Wegen der verlorenen Zeit sind wir jetzt natürlich etwas im Hintertreffen."

Warum Toro Rosso es so schnell geschafft hat? Trotz der recht großen Rauchentwicklung handelte es sich bei Hartleys Defekt um einen weniger dramatischen. Zunächst rätselte das Team noch, ob es überhaupt ein Motoren- oder eher Ölsystem-Problem gewesen war. Doch dann war recht schnell klar: Der Turbo sorgte für den Defekt. Aber keinen so dramatischen, dass er gewechselt werden musste. Eine weitere Strafe gibt es für Hartley bislang somit nicht.

"Das Problem sah katastrophaler aus, als es war. Es war etwas recht simples im Motor, was es übel rauchen lassen hat, was dann jeder gesehen hat. Aber wir konnten es ohne weitere Probleme reparieren", schildert Eddolls. Sonderlich begeistert zeigt sich Hartley selbst angesichts dessen jedoch nicht: "Ein schwieriger Start in den Tag und das Wochenende ... Wir haben das FP1 wegen eines Motoren-Problems völlig verpasst."

Dieser Frust ist kein großes Wunder, verläuft Hartleys Formel-1-Start bislang doch fast vollständig holprig. In Mexiko quälte ihn die Technik erst im Qualifying, sorgte dann im Rennen für einen Ausfall. Ähnlich erging es Gasly, der vor dem Grand Prix lediglich zwölf Runden in Mexiko absolviert hatte, im Qualifying sogar gänzlich passen musste. Sein Rennergebnis: Letzter - damit aber immerhin zweitbester Fahrer mit Renault-Power hinter Sieger Max Verstappen. Alle anderen waren ausgefallen.

Warum immer Toro Rosso, weniger Renault / Red Bull?

Warum ausgerechnet Toro Rosso zuletzt so besonders hart von Defekten geplagt wird, weiß auch Renault nicht recht zu erklären. Ein Rolle spielen könnte bei den Renault-Defekten generell die Höhe - Brasilien liegt noch immer hoch, wenngleich nicht so hoch wie das höchst gelegene Saisonrennen in Mexiko. Schon nach Mexiko hatte Renault gestanden, womöglich zu sehr auf Performance, zu wenig auf Zuverlässigkeit geachtet zu haben. Warum Toro Rosso das größere Opfer ist als das Werksteam oder Red Bull erklärt das jedoch nicht.


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