Für Miguel Oliveira geht die Zeit als MotoGP-Stammfahrer vorerst zu Ende. Der Portugiese hat zwar eigentlich Vertrag bei Pramac-Yamaha für 2026, doch eine Leistungsklausel macht dessen Auflösung für den japanischen Hersteller möglich. Der fünfmalige MotoGP-Sieger muss sich nun vermutlich mit einem anderen Job abfinden. Ein Hersteller hat bereits angefragt - und hätte den erfahrenen Mann dringend nötig.

Kein MotoGP-Stammplatz mehr: Zähneknirschender Oliveira ist 'für alles offen'

Zwar ist es noch nicht offiziell, doch wird Jack Miller aller Voraussicht nach bald seinen Verbleib bei Pramac bestätigt bekommen. Superbike-Star Toprak Razgatlioglu stand seit Monaten als Neuzugang fest. Oliveira ist sich dessen bewusst. "Nächste Woche wird es Neuigkeiten geben und dann sehen wir weiter", meinte er am Sonntag in Ungarn. Die Jobsuche läuft.

Da auch ein anderer Stammplatz in der Königsklasse nicht mehr verfügbar ist, gibt es nurmehr zwei Optionen. Eine wäre die Superbike-WM, wo der attraktive Stammplatz bei Ducati allerdings bereits vergeben ist. Die andere Möglichkeit wäre ein Schritt in die zweite Reihe, als Test- und Ersatzfahrer. Gegen letzteren Gedanken sträubt sich Oliveira aber noch. "Nicht wirklich. Ich will Rennen fahren. Aber natürlich bin ich für alles offen", antwortete er auf die Frage nach einem möglichen Engagement als Testpilot.

Aprilias schwerwiegende Kaderlücke: Miguel Oliveira die perfekte Lösung?

Klar ist mittlerweile, dass ihm diese Tür offensteht. Nach übereinstimmenden Medienberichten ist Aprilia an ihn herangetreten. Das Werk aus Noale braucht dringend einen weiteren Mann im Fahrerkader. Lorenzo Savadori befand sich durch Jorge Martins lange Verletzungspause im Dauereinsatz als Ersatzpilot und konnte so kaum seinen Testpflichten nachkommen. Als sich dann auch noch Ai Ogura verletzte, standen in Aragon gar nur drei Aprilias am Start, da es schlichtweg keinen weiteren Ersatzmann mehr gab. Die anderen Hersteller haben da für weitere Optionen gesorgt.

Lorenzo Savadori ist einziger Testfahrer bei Aprilia, Foto: Aprilia Media
Lorenzo Savadori ist einziger Testfahrer bei Aprilia, Foto: Aprilia Media

Miguel Oliveira will Rennen fahren: Wie sieht der Plan für Wildcards aus?

Oliveira würde dieses Problem in vielfacher Hinsicht lösen. Zum einen ist er als Ersatz sicherlich konkurrenzfähiger als Savadori, dessen Testarbeit bei Aprilia sehr geschätzt wird, der aber nicht den Speed für Punkte aus eigener Kraft hat. Zum anderen kennt der Mann mit der Nummer 88 die RS-GP bereits aus seinen zwei Jahren beim Satellitenteam (2023 bei RNF, 2024 bei Trackhouse).

Zumindest Gedanken über das Angebot scheint er sich schon gemacht zu haben. Er äußert aber Zweifel: "Die Sache ist die: Du weißt nicht wirklich, wie der Entwicklungsplan und der Plan für die Wildcards für nächste Saison aussehen wird." Für ihn ist klar: Er will sich in MotoGP-Rennen wieder für einen Stammplatz empfehlen. Einsätze als Ersatzfahrer sind in der heutigen Zeit leider wahrscheinlich, aber nicht garantiert. Zumal kein Fahrer seinen Kollegen eine Verletzung wünscht. Es müssten also Wildcard-Starts geboten sein.

Entwicklungsressourcen für 2027 oder konkurrenzfähiger Testfahrer? Aprilia muss sich entscheiden

Rein vom Reglement her kein Problem. Aktuell stünden Aprilia bis zu sechs Einsätze zu. Selbst wenn das Duo aus Martin und Bezzecchi noch richtig stark punktet, wären auch beim Aufstieg in den Concessions-Rang 'B' noch drei Einsätze möglich. Doch der Portugiese bezweifelt, ob diese zustande kämen: "Wo liegt der Sinn in einer Wildcard, wenn die Motorräder im nächsten Jahr [mit der Regelrevolution von 2027, Anm. d. Red.] komplett anders sein werden? Ich weiß es nicht. Es ist ein bisschen ein Schuss ins Blaue."

Aprilia-Racing-Boss Massimo Rivola
Massimo Rivola sucht nach einem Testfahrer, Foto: IMAGO / Icon Sportswire

Letztlich würde Aprilia wohl die Wildcards vertraglich zusichern müssen, selbst wenn sie in Sachen Entwicklung für 2027 keinen Nutzen bringen sollten. Ein anderes Argument sollte hier aber auch gewichtig sein. Wildcards helfen dem Fahrer auf Touren zu bleiben. Ein Testfahrer, der sein Motorrad am Limit bewegen kann, ist wertvoller als ein Fahrer, der nicht das absolute Spitzenniveau hat. Pol Espargaro wies KTM zuletzt eindrücklich darauf hin. Es wäre also durchaus in Aprilias Interesse, Oliveira bei einer Verpflichtung als Testfahrer auch regelmäßig zum Einsatz zu bringen. Die Frage ist wohl, ob Massimo Rivola die dazu nötigen finanziellen und technischen Ressourcen bereitstellen kann beziehungsweise will.

Da Pol Espargaro bei KTM keine Wildcards bekommt, sieht er sich wohl aktuell in einem anderen Paddock um. Mehr dazu hier: