Für Francesco Bagnaia begann die Rückkehr der MotoGP nach Brünn eigentlich sehr vielversprechend. Überraschend sicherte sich der Italiener im Qualifying die erste Pole-Position der Saison, mit ein wenig Hilfe seines stürzenden Teamkollegen Marc Marquez. Doch das blieb das einzige Highlight am Wochenende. Ein Defekt im Rummel der Reifendruckfarce des Samstags ruinierte seinen Sprint. Am Sonntag gab es keine solchen Probleme und dennoch war der zweifache MotoGP-Weltmeister wehrlos gegen seine Gegner. Ausgerechnet seine alte Stärke ist ihm in dieser Saison komplett abhandengekommen.

Francesco Bagnaia: Vom Bremsmonster zum wehrlosen Opfer

"In der Vergangenheit war ich immer einer von denen, die am schwierigsten zu überholen waren. Ich war immer einer der stärksten auf der Bremse. Jetzt bin ich da sehr langsam. Alle sind besser als ich und sie überholen mich auf der Bremse, als wäre es leicht" berichtete ein abermals geknickter Bagnaia nach dem vierten Platz im Grand Prix. Marc Marquez, Marco Bezzecchi und Pedro Acosta waren allesamt an ihm vorbeigegangen. Er hingegen konnte nicht mehr überholen, obwohl er gegen Rennende sogar wieder schneller als der KTM-Pilot auf Rang drei war.

Strafe nach Crash! Brünn-Desaster für Alex Marquez (07:44 Min.)

In den letzten Jahren war die Frage nach 'Peccos' großer Stärke immer schnell beantwortet. Die anderen Ducati-Piloten zeigten sich stets beeindruck, was für ein Tier der Turiner auf der Bremse ist. Dementsprechend legte Bagnaia seine Fahrweise auch in der Saison 2025 darauf aus: "Ich habe immer mein Augenmerk auf das Bremsen gelegt, weil ich wusste, dass meine Leistungsfähigkeit von dort kam. Jetzt bin ich da langsam. Wir müssen das verbessern. Es ist seit dem ersten Rennen so und hat sich nicht geändert. Wir versuchen, es zu lösen."

Seit dem Wechsel auf die Desmosedici GP25 besteht das Problem. Bagnaia tüftelt und tüftelt, aber findet keine Lösung. Abermals kann er sein Problem nur beschreiben: "Ich habe eine Menge Bewegung und blockierende Bremsen. Es ist schwierig, so zu bremsen, wie ich das möchte. Letztes Jahr bremste ich immer sehr hart und erzeugte viel Rutschen, aber das Motorrad bremste trotzdem stark ab. Dieses Jahr muss ich sehr präzise sein und muss sehr gerade fahren im Moment des Bremsvorgangs. Ich kann mir keinen Rutscher mehr erlauben, denn das Heck hilft nicht mit beim Bremsen. Es ist schwierig, wenn du mit dem gleichen Motorrad ein komplett anderes Bremsverhalten hast."

Bagnaia musste die Konkurrenz passieren lassen, Foto: Ducati Media
Bagnaia musste die Konkurrenz passieren lassen, Foto: Ducati Media

Bagnaia verzweifelt: Selbst bei guter Pace keine Chance auf gutes MotoGP-Ergebnis

Selbst wenn er mit schwachem Bremsverhalten doch noch gute Pace findet, bringt es in den Rennen nichts ein: "Gestern [im Brünn-Sprint] und heute [im Grand Prix] hatte ich Chancen, ebenso wie in Assen und Mugello. Es war genug Pace da für ein gutes Ergebnis, aber ich kann diesen Vorteil nicht nutzen."

Francesco Bagnaia (Ducati Lenovo Team) in der Box
Francesco Bagnaia weiß momentan nicht weiter, Foto: Tobias Linke

Sobald Bagnaia von einem Konkurrenten geschluckt wird, ist es aus. Nur ein perfekter Start und anschließendes Wegfahren könnte im Moment funktionieren, aber natürlich nicht, wenn dir ein Marc Marquez in Überform im Heck hängt. Sobald der Spanier angriff, bekamen auch noch Bezzecchi und Acosta ihre Chance. Erst hinter dem Quartett ging eine Lücke auf. Damit war der vierte Rang für Bagnaia besiegelt. Der Ducati-Pilot kann nur hoffen, dass die Analyse in der Sommerpause etwas hervorbringt, sonst wird er weitere frustrierende Rennen erleben.

Auf der anderen Garagenseite hingegen herrscht das Kontrastprogramm. Marc Marquez zeigt eine Galavorstellung nach der anderen. Geholfen hat im dabei ein alter Förderer aus seiner Jugend. Hier erfahrt ihr mehr: