Er hat es geschafft. Superbike-Star Toprak Razgatlioglu erfüllt sich seinen Traum von der MotoGP und startet ab 2026 bei Pramac-Yamaha. Der neue Boss des japanischen Herstellers ist vollends überzeugt vom Türken und traf dafür sogar die Entscheidung, dass einer aus dem aktuellen Duo von Jack Miller und Miguel Oliveira gehen muss. Doch wen wird es erwischen?
Paolo Pavesio: MotoGP-Angebot an Razgatlioglu musste kommen
"Die Ankündigung wurde lang erwartet und wir sind glücklich, dass wir es nun endlich fixiert haben", meinte Yamaha-Boss Paolo Pavesio im Interview bei MotoGP.com zur Verpflichtung Razgatlioglus. Da die Fahrer von Kundenteam Pramac direkt beim Hersteller unter Vertrag stehen, führte der Italiener selbst die Verhandlungen.
Für den Nachfolger von Lin Jarvis war es eine klare Sache. Er hatte bereits in Yamahas Superbike-Team mit Razgatlioglu zusammengearbeitet und wollte den verlorenen Sohn unbedingt zurückgewinnen: "Für mich war das eine natürliche Entscheidung. Er begann seine Reise mit Yamaha bereits vor Jahren. Dann kam eine Unterbrechung, die für Toprak [mit BMW, Anm. d. Red.] sehr erfolgreich ist. Für uns wurde dann aber klar: Sobald er es möchte, werden wir ihm die Möglichkeit in der MotoGP anbieten."
Miller oder doch Oliveira? Keine Entscheidung für Pramac gefallen
Für die aufsehenerregende Verpflichtung muss einer der aktuellen Stammfahrer bei Pramac weichen. Bei beiden ist dies machbar. Jack Miller hat ohnehin nur bis zum Ende der Saison 2025 Vertrag. Miguel Oliveira hingegen hat eigentlich auch für 2026 unterschrieben. Eine Klausel soll allerdings eine frühzeitige Entlassung ermöglichen, falls der Portugiese der am schlechtesten platzierte Pilot im Hause Yamaha ist. Nach erneutem Verletzungspech zu Beginn der Saison ist die momentan der Fall. Miller hingegen liegt derzeit in der Fahrer-WM sogar punktgleich mit Werkspilot Alex Rins.

Für viele im Paddock gilt das Aus von Oliveira daher fast schon als beschlossene Sache, zumal Miller auch noch mit einem Extra-Engagement bei den acht Stunden von Suzuka Pluspunkte sammelt. Doch ganz sicher ist es offenbar noch nicht. "Nein, wir haben noch keine Entscheidung getroffen. Es ist natürlich eine heikle Entscheidung", weist Pavesio vorschnelle Meldungen zurück.
"Wir haben zwei Fahrer, die wir ausgewählt haben und denen wir alle Möglichkeiten geben wollen, dass sie in den nächsten Rennen ihre Fähigkeiten zeigen können. Dann werden wir natürlich eine Entscheidung treffen müssen", gibt er an. Also eine Art Shootout über die nächsten Rennwochenenden? Ein logischer Zeitraum dafür wären die nächsten vier Grand Prix bis Brünn. Danach steht die Sommerpause an, in welcher normalerweise die wichtigen Fahrerentscheidungen getroffen werden. Miller darf bis dahin nicht nachlassen und Oliveira braucht dringend eine Steigerung.
Yamaha: Kein Leistungsdruck für MotoGP-Neuling Toprak Razgatlioglu
Es herrscht also Leistungsdruck bei Pramac. Dieser wird aber für MotoGP-Neuling Toprak Razgatlioglu in seiner Debütsaison erstmal nicht gelten. Pavesio sichert ihm eine Eingewöhnungszeit zu: "Wir haben gesehen, dass sich Toprak an verschiedene Maschinen anpassen kann. Er hat ja auch mit anderen Herstellern [Kawasaki und BMW, Anm. d. Red.] gewonnen. Er wird eine Anpassung brauchen. Das ist uns bewusst und Toprak ist das auch klar. Wir werden keine sofortige Erwartungshaltung aufbauen. Wir wissen, dass es eine Lernkurve geben wird." Warum Razgatlioglu selbst für diese Aufgabe bereit ist und nicht auf das neue Reglement von 2027 wartet, lest ihr hier:
Von welchem Teamkollegen er dann im Umgang mit der M1 etwas lernen kann, wird sich in den nächsten Wochen auf der Rennstrecke entscheiden. Auf diese wird auch Razgatlioglu mit der Pramac-Yamaha bereits 2025 ausrücken. "Es gibt mit Sicherheit die Möglichkeit auf den Test in Valencia [nach dem Saisonfinale, Anm. d. Red.], das wissen wir bereits", gibt Pavesio an. BMW legt seinem Star also keine vertraglichen Steine in den Weg. Eventuell könnte er sogar bereits früher testen, aber "natürlich nach der Superbike-Weltmeisterschaft". Diese endet am 19. Oktober in Jerez.
Vor Raztaglioglu gab es schon lange keinen Fahrer mehr, der aus der Superbike-WM in die MotoGP ging. Dabei hatten einige Wechsler früher beachtlichen Erfolg. Wir blicken zurück auf die Vorgänger von 'El Turco':



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