MotoGP

MotoGP Test Valencia - Johann Zarco vergleicht KTM und Yamaha

Johann Zarco hat seinen ersten Arbeitstag als KTM-Pilot hinter sich. Er verrät die Stärken und Schwächen seiner RC16 gegenüber der Yamaha M1.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Nach zwei Jahren in der MotoGP auf der Yamaha M1 ist Johann Zarco am Dienstag in Valencia erstmals eine KTM RC16 gefahren. Zarco ging als erster Pilot überhaupt auf die noch leicht feuchte Strecke, spulte insgesamt 36 Runden ab und landete mit 1,4 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit von Maverick Vinales auf dem 17. Rang der Zeitenliste.

"Mein erstes Fazit fällt gemischt aus", erklärte Zarco am Dienstagabend. "Es ist toll, das ganze Werk hinter mir zu haben. Ich spüre die Unterstützung und sehe Potenzial, um hier Großes zu schaffen. Etwas gedämpft wird diese Freude aber durch meine Rundenzeit, die nicht einfach gekommen ist."

Zarco gab allerdings zu bedenken, dass der Testtag durch die feuchten Flecken am Morgen und einsetzenden Regen am Nachmittag recht kurz ausfiel: "Wenn es trocken geblieben wäre, hätte ich sicherlich eine bessere Position belegt. Wir mussten zunächst einige Dinge am Motorrad ändern, um eine vernünftige Basis zu finden. Das ist am ersten Tag aber normal, vor allem wenn man von einem Motorrad mit ganz anderer Philosophie kommt."

Starker Kontrast zwischen Yamaha und KTM

Die Yamaha M1, die Zarco in den vergangenen zwei Saisons bei Tech 3 fuhr, unterscheidet sich tatsächlich grundlegend von der KTM RC16. Yamaha setzt auf eine Alurahmen, KTM auf Stahl. Yamaha verwendet einen Reihenvierzylinder, KTM einen V4. Yamaha arbeitet mit Dämpfern von Öhlins, KTM bezieht die Teile aus dem hauseigenen Subunternehmen WP Suspension.

Zarco strahlte an seinem ersten Tag als KTM-Pilot über beide Ohren - Foto: Tobias Linke

Doch wie schneidet die RC16 im Vergleich mit der M1, auf der Zarco sechs Podien und vier Pole Positions holen konnte, ab? "Valencia ist eine enge und verwinkelte Strecke, auf der du dich am Kurveneingang sehr wohlfühlen musst, um wirklich schnell zu sein. Da lag heute der Schwachpunkt des Motorrads", erklärt Zarco. "Im Gegenzug hatte ich aber überhaupt keine Probleme mit dem Grip und Verschleiß am Hinterrad."

Zarcos Beschreibung der KTM klingt beinahe wie das exakte Gegenteil dessen, was die Yamaha-Fahrer in den letzten Jahren über ihr Motorrad erzählten. Die M1 soll am Kurveneingang überragend sein, die Gripprobleme und der hohe Reifenverschleiß am Hinterrad sind hingegen ein bekanntes Problem.

Espargaro: Zarco noch in Eingewöhnungsphase

Für Teamkollege Pol Espargaro, der am Sonntag in Valencia KTMs erstes MotoGP-Podium geholt und den Test-Dienstag als Neunter beendet hatte, sind Zarcos Probleme am Dienstag daher normal: "Johann ist in der Eingewöhnungsphase. Er kommt von der Yamaha, die in diesem Bereich verglichen zu allen anderen Bikes unglaublich gut ist. Da haben wir auf jeden Fall eine Schwäche an unserem Motorrad. Es ist aber gut für uns, dass er diese Schwäche sofort identifiziert hat, mir fällt so etwas nach zwei Jahren auf diesem Motorrad schon schwer. Wir müssen also sehr gut auf Johann hören, so lange er diesen direkten Vergleich mit der Yamaha noch hat. Das wird uns helfen, schneller vorwärts zu kommen."

Pol Espargaro ist bereits seit Ende 2016 Teil von KTMs MotoGP-Projekt - Foto: Tobias Linke

Zarco selbst zweifelt nicht daran, dass er die Entwicklung der KTM RC16 weiter vorantreiben kann. "In einem MotoGP-Bike steckt unglaublich viel Technik. Wenn man erfolgreich sein will, braucht man Leute, die jedes Detail kontrollieren können. Wenn ich mir ansehe, wie viele Menschen sich hier um mich versammeln, dann weiß ich, dass wir diese Leute haben und das ist ein tolles Gefühl. Es liegt alles in unseren Händen."


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