MotoGP

MotoGP: Warum Jorge Lorenzo nicht über Repsol Honda reden darf

Jorge Lorenzos Wechsel von Ducati zu Repsol Honda ist der große Aufreger des MotoGP-Winters. Auf Aussagen von JL99 müssen wir aber verzichten. Der Grund.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Es war der Moment, auf den Fans, Journalisten und Gegner gleichermaßen gewartet hatten: Jorge Lorenzo ging um kurz vor 13 Uhr Ortszeit am Dienstag erstmals mit einer MotoGP-Honda auf eine Rennstrecke. Mehr als die Zahl und Zeit seiner Runden an den zwei Tagen in Valencia und den zwei Tagen in der kommenden Woche in Jerez werden wir bis Jahresende 2018 aber nicht von Lorenzo erfahren.

Normalerweise spricht jeder MotoGP-Pilot am Ende eines Tages - ganz egal ob an einem Rennwochenende oder bei offiziellen Testfahrten - zur versammelten MotoGP-Presse. Nicht so Jorge Lorenzo bei den Wintertests 2018. Der Grund: Lorenzo ist bis 23:59 Uhr am 31. Dezember 2018 immer noch Angestellter von Ducati, da die Fahrerverträge in der MotoGP immer auf Basis von Kalenderjahren und nicht Saisons abgeschlossen werden.

Somit könnte ein Hersteller einem gewechselten Fahrer bis zum Jahresende sämtliche Testfahrten für seinen neuen Arbeitgeber verbieten. Das geschah in der Vergangenheit bereits bei Valentino Rossis Wechsel von Honda zu Yamaha oder in abgeschwächter Form vor zwei Jahren mit Lorenzo, als der von Yamaha zu Ducati ging. Damals durfte er zwar am offiziellen Test in Valencia teilnehmen, für einen Privattest in Jerez erhielt er aber keine Freigabe.

Ducati erlaubt Lorenzo Testfahrten

Ducati zeigt sich dieses Mal großzügiger. Lorenzo darf sowohl in Valencia als auch in Jerez testen, allerdings nur unter gewissen Bedingungen. Seine Honda sowie Lederkombi und Helm müssen vollkommen ohne Logos des Motorradherstellers oder etwaiger Sponsoren auskommen, lediglich die Emblems von Reifenlieferant Michelin sowie seiner Ausstatter Alpinestars und Shark sind zu sehen. Und: Lorenzo darf nicht öffentlich über seine Arbeit mit Honda sprechen.

Schwarz und Rot statt Repsol-Orange für Jorge Lorenzo - Foto: MotoGP

Hier geht Ducati aktuell am striktesten vor. Suzuki etwa erlaubte dem zu Aprilia abgewanderten Andrea Iannone Medientermine, auch wenn es generell üblich, dass die Fahrer keine direkten Vergleiche zwischen altem und neuem Motorrad ziehen dürfen. Keine Probleme gibt es etwa beim Wechsel von Johann Zarco zu KTM. Er war vertraglich nicht an Hersteller Yamaha, sondern an das Team Tech 3 gebunden. Somit herrscht kein Interessenskonflikt.

MotoGP-Verträge: Werbewert dominiert

Doch warum werden die Verträge überhaupt auf Jahres- und nicht auf Saisonbasis abgeschlossen. Zum einen hat das praktische, rechtliche Gründe. Vor allem geht es den Herstellern zufolge aber darum, dass man im Falle eines großen Erfolges durch einen abgewanderten Piloten diesen nicht nutzen könnte. Hätte etwa Jorge Lorenzo am Sonntag in Valencia den MotoGP-Weltmeistertitel gewonnen, wären Ducati ziemlich genau neun Stunden geblieben, um diesen Erfolg werbe- und marketingtechnisch zu verwerten - ein wirtschaftliches Desaster.


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