MotoGP

Brünn-Chaos: Wo blieben die Dashboard-Nachrichten?

Nach teils gefährlichen Flag-to-Flag-Rennen wurden in der MotoGP Textnachrichten an die Fahrer erlaubt. Warum davon im Tschechien-GP nichts zu sehen war:
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Der Aufschrei war groß, als im Vorjahr nach dem Chaosrennen am Sachsenring erstmals in der MotoGP laut über zusätzliche Kommunikationsmittel nachgedacht wurde. Seit es Motorradrennen gibt, beschränkte sich der Austausch zwischen Fahrer und Box ja auf die guten alten Pitboards. Nun sollten von den Teams auch kurze Textnachrichten auf die Dashboards - die Displays am Lenker der MotoGP-Maschinen - geschickt werden können. Das war bislang nur der Rennleitung als Hinweis auf Strafen oder ähnliches erlaubt. Das Fahrerlager spaltete sich in zwei Lager: Pro und Contra Dashboard-Nachrichten.

Mittlerweile sind die Textnachrichten erlaubt, im Flag-to-Flag-Chaos von Brünn hätten sie erstmals von großer Hilfe sein können. Warum aber ging es bei den Boxenstopps dennoch drunter und drüber, wenn man doch die Möglichkeit zur Kommunikation hatte? Die Gründe sind unterschiedlich:

Yamaha und Honda verzichten auf Nachrichten

Die ersten vier Ränge im Grand Prix von Tschechien gingen an Marc Marquez, Dani Pedrosa, Maverick Vinales und Valentino Rossi, also die Werksteams von Honda und Yamaha. Interessant: Keiner der Top-Vier-Piloten nutzte im Rennen die Kommunikation via Dashboard. Honda verwendet das System zwar bereits in Trainings, für Rennen muss es aber vorab homologiert werden. Diesen Schritt hat man noch nicht gemacht. Sieger Marquez, in den letzten Jahren der König der Flag-to-Flag-Rennen, stört sich daran aber nicht: "Ich mag es, die Entscheidung selbst zu treffen."

Marquez zieht alle ab: Die Highlights aus Brünn 2017: (01:32 Min.)

Etwas anders sieht die Situation im Lager von Yamaha, vor allem bei Valentino Rossi aus. Auch hier ist man mit der Entwicklung des Nachrichtensystems noch nicht fertig. Im Gegensatz zu Marquez und Honda verabsäumte es Rossi aber wieder einmal, rechtzeitig an die Box zu kommen. Er hatte im Vorhinein mit seinem Team vereinbart, auf Signale am Pitboard sofort zu reagieren. Das kam aber etwas zu spät raus und Rossi blieb zu lange mit Regenreifen auf der Strecke. Mit den Dashboard-Nachrichten wäre man hier wohl wesentlich schneller und flexibler gewesen. "Ja, das hätte uns heute helfen können", musste auch Rossi selbst feststellen. Wann man bei Yamaha so weit ist, weiß man noch nicht. "Bald", glaubt Rossi.

Ducati textet, aber falsch

Als einziger der drei Spitzenhersteller setzte im Rennen von Brünn somit Ducati auf das neue Nachrichtensystem. Dass das nicht unbedingt die bessere Idee war, zeigte das Chaos beim Boxenstopp von Jorge Lorenzo. Er bekam in Runde vier, wenige Kurven vor der Boxeneinfahrt, das Signal zum Motorradwechsel auf sein Dashboard. Lorenzo kam an die Box, doch der Umbau des Motorrads von Regenabstimmung auf Trocken-Setup war noch nicht abgeschlossen, die Crew hatte sich ganz klar verspekuliert. "Wenn ich das Signal bekommen, fahre ich an die Box", sah Lorenzo zurecht keine Schuld bei sich. Er musste somit lange warten, verlor viel Zeit. Bei falscher Nutzung können die Dashboard-Nachrichten also auch zum Nachteil werden.

Lorenzo war der große Verlierer der Boxenstopps - Foto: Ducati

Ab 2018 muss auf jeden Fall jedes Motorrad im MotoGP-Grid mit dem neuen Kommunikationssystem ausgerüstet werden, 2019 gilt das auch für die Moto2 und Moto3. Ob und in welchem Umfang die Nachrichten genutzt werden, steht Teams und Fahrern aber natürlich frei.


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