Die Regeln mögen 2026 revolutionär sein und - ob man die Art und Weise gut findet oder nicht - bisweilen sehr viele Überholmanöver provoziert haben. Doch vor Monaco ist sich die Formel 1 einig: In diesem Leitplankenkanal wird sich nichts ändern. Hier wird auch 2026 nicht überholt. Kimi Antonelli hat mit seiner Pole schon den Grundstein für den Sieg gelegt. Doch es gibt noch einen anderen Faktor. Und zwei spektakuläre Statistiken fordern sich da heraus.

Erst einmal müssen wir in unserem Favoritencheck aber der Realität ins Auge sehen: Bei einem geregelten Rennverlauf ohne Chaos ist nach der Abschaffung der kuriosen Zweistopp-Pflicht aus dem Vorjahr wieder mit einer konservativen Einstopp-Strategie zu rechnen. Denn selbst wenn einem hier die Reifen eingehen, so ist die Strecke einfach viel zu eng für seriöse Überholversuche. Klar, die 2026er-Autos sind kleiner, aber in Monaco bräuchte es schon Go-Karts zum Überholen.

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Regen ist für das Rennen Stand Samstagabend keiner in Sicht. Rote Flaggen und Safety Cars lassen sich nicht berechnen - wenn sie kommen, hat zwangsweise irgendjemand Glück und irgendjemand Pech, aber wer, das wissen wir erst, wenn es passiert. Ansonsten müsste man sich schon strategisch sehr ungeschickt anstellen, um Positionen auf der Strecke zu verlieren. Außer ... der Start.

Formel-1-Geschichte: Pole verlieren in Monaco fast unmöglich

Die Monaco-Statistik spricht auch gegen Action am Start. Es heißt weit, weit zurückblättern in den Geschichtsbüchern der Formel 1, nämlich bis 2002, um einen Start zu finden, den der Pole-Mann verloren hat. Damals beschleunigte McLaren-Pilot David Coulthard auf den ersten Metern Williams-Pilot und Polesitter Juan-Pablo Montoya aus, übernahm noch vor Kurve 1 die Führung und gewann das Rennen.

Der Grund ist einfach. Die Pole liegt in Monaco rechts. Dort ist die reguläre Ideallinie und damit mehr Grip. Zugleich wird die rechte Seite für die erste Kurve zur Innenbahn. Der Weg zu dieser ersten Kurve ist nur 159 Meter lang. Da sollten die folgenden Pole-Statistiken nicht weniger verwundern.

JahrErste RundeSiegreicher Startplatz
2025Top-11 unverändertPole
2024Top-10 unverändertPole
2023Top-13 unverändertPole
2022Top-17 unverändert3
2021Top-10 unverändert *Pole *
2019Top-4 unverändertPole
2018Top-11 unverändertPole
2017Top-8 unverändert2
2016Top-7 unverändert3
2015Top-3 unverändert2
2014Top-2 unverändertPole
2013Top-7 unverändertPole
2012Top-3 unverändertPole
2011Top-2 unverändertPole
2010Polemann bleibt vornPole
2009Polemann bleibt vornPole
2008Polemann bleibt vorn3
2007Top-4 unverändertPole
2006Top-5 unverändertPole
2005Top-2 unverändertPole
2004Polemann bleibt vornPole
2003Polemann bleibt vorn3
2002Coulthard überholt Montoya2

2021 *: Charles Leclerc wäre von Pole gestartet, konnte aber das Rennen aufgrund eines Antriebswellenschadens auf den Sichtungsrunden nicht bestreiten. Der erste Startplatz blieb leer. Der von P2 losfahrende Max Verstappen war der De-facto-Polesitter und gewann auch das Rennen.

Tatsächlich suggerieren die Statistiken der ersten Runde zumindest, dass kleinere Autos generell für etwas mehr Action im Feld sorgen. Mit der Einführung der breiteren 2017er-Generation lässt sich ein Trend zu besonders statischen ersten Runden erkennen. Trotzdem - der Polemann bleibt davon meist unbeeindruckt. Und in 16 Fällen fuhr er seit 2004 von da an weiter zum Sieg.

Pole behalten in der Formel 1 2026 tatsächlich unmöglich

Dieser Monaco-Realität tritt heute am Start die Realität der neuen 2026er-Power-Units entgegen. Die Starts waren an den ersten fünf Wochenenden turbulent. Probleme gehen vor allem zurück auf große Turbolöcher, die man nicht mehr von Beginn an mit der Elektro-Komponente der Hybrid-Motoren stopfen kann. Teams und Hersteller hatten bisweilen in unterschiedlichen Umfängen Probleme.

RennenAntonellis verlorene Plätze
Australien6
China-Sprint6
China1
Japan5
Miami-Sprint2
Miami1
Kanada-Sprint0
Kanada0

Niemand hat 2026 bisher seine Pole in die zweite Runde gerettet. Und kaum einer ist so schlecht darin wie Kimi Antonelli, der in Monaco erneut auf Pole steht. 21 Plätze hat er in den acht bisherigen Starts (5 GPs, 3 Sprints) in der ersten Runde verloren. In den letzten Rennen nicht weiter schlimm, mit dem überlegenen Mercedes konnte er schnell überholen. Aber in Monaco ist das etwas anderes.

Kimi Antonellis Start-Probleme: Gerade rechtzeitig für Monaco gelöst?

Nur ist die Gesamtzahl das eine. Auf der anderen Seite kann sich Antonelli wiederum rühmen, dass er in Kanada sowohl im Sprint als auch im Grand Prix zweimal seinen zweiten Platz durch die erste Runde retten hatte können. Mercedes hatte sowohl an seiner Software gearbeitet als auch an Antonellis Kupplungshebel am Lenkrad, um ihm entgegenzukommen.

Ebenso hilfreich für Antonelli: Neben ihm steht Max Verstappen. Er wurde dieses Jahr ebenfalls durch schlechte Starts auffällig. Die Ferraris von Lewis Hamilton und Charles Leclerc mit ihren Raketenstarts landeten im Qualifying etwas enttäuscht in Reihe zwei. Sie hatten sich mehr ausgerechnet, doch die Ferrari-Balance entglitt ihnen am Samstag.

Weil die Strecke eben eng ist, ist es mehr als ambitioniert, zu dritt nebeneinander zur ersten Kurve zu fahren. Antonelli und Verstappen halten also alle Trümpfe in der Hand. Und besonders Antonelli, wenn man der Statistik glaubt. Auch sollte man die dramatischen Start-Zahlen der ersten Rennen nicht mehr zu ernst nehmen. Inzwischen haben die Teams viele (Probe-)Starts hinter sich. Die meisten sind zuversichtlich, ihre Systeme verbessert und Konstanz hineingebracht zu haben.

Damit verbleibt für heute leider wieder nur ein Fazit: Die übliche Monaco-Prozession ist wahrscheinlich. Trotzdem, es ist Monaco. Kein Spielraum für Fehler, wer weiß, was passiert. Und außerdem sieht die Formel 1 hier immer noch superb aus.