Der Mythos Ferrari ist natürlich in der Formel 1 unantastbar, aber abgesehen von der Scuderia ist kein Team so sehr mit der Königsklasse verwurzelt wie McLaren. Die Papaya-Mannschaft ist in allen Statistiken die zweite Kraft hinter den berühmten Italienern: Rennsiege, Pole Positionen, Schnellste Runden, Podien…

An diesem Wochenende ist McLaren auch das zweite Team, das die magische Marke von 1000 Grand-Prix-Teilnahmen erreicht. Und das pünktlich nur kurz nach dem 60-Jahre-Jubiläum des ersten Rennstarts. Für Motorsport-Magazin.com also gleich zwei Gründe, um auf die bedeutendsten Momente der Team-Geschichte zurückzublicken.

Monaco 1966: Erster Formel-1-Start von McLaren

Als Rennteam begann die Geschichte von McLaren schon 1964 in der Tasman Series, einer australisch-neuseeländischen Wintermeisterschaft, in der zahlreiche F1-Stars der Zeit an den Start gingen. Bruce McLaren persönlich sicherte sich dort den Titel. In der Formel 1 fuhr McLaren erstmals 1966 mit seinem eigenen Team.

Der McLaren M2B feierte sein Debüt gleichzeitig als Filmstar als auch als Rennauto. Denn beim ersten Rennen des Teams ging McLaren beim Monaco-GP mit einer weiß-grünen Lackierung an den Start, um für den legendären Film 'Grand Prix' als Double des fiktiven Yamura-Teams aufzutreten und realistische Rennszenen zu liefern. Das Debüt dauerte für Bruce McLaren aber nur neun Runden, ehe ein Ölleck ihn zum Aufgeben zwang.

Belgien 1968: Der erste Formel-1-Sieg

1968 konnte McLaren erstmals an allen Rennen der Formel-1-Saison an den Start gehen, und das auch mit zwei Fahrern. In den beiden Jahren zuvor hatte McLaren als Einzelkämpfer immer nur eine Auswahl an Grands Prix bestritten. Im zweiten Rennen des Jahres gelang dem Neuzugang und amtierenden Weltmeister Denny Hulme das erste Podium für das britische Team.

Beim vierten Saisonlauf sicherte Bruce McLaren höchstpersönlich auf dem berüchtigten damals noch über 14 Kilometer langen Circuit de Spa-Francorchamps dem Team seinen ersten Rennsieg. McLaren profitierte dabei davon, dass dem in Führung liegenden Jackie Stewart auf der letzten Runde der Sprit ausging. Belgien sollte der einzige Grand-Prix-Erfolg des Teamgründers bleiben. Im restlichen Saisonverlauf sorgte Hulme für zwei weitere McLaren-Siege.

Goodwood 1970: Bruce McLaren stirbt

Am 2. Juni 1970 schlug das Schicksal hart zu. Bei einem Test von Bruce McLaren mit einem Sportwagen auf dem Goodwood Circuit erlitt dieser einen Defekt an der Karosserie und drehte sich unkontrollierbar bei hoher Geschwindigkeit von der Strecke. Das Auto traf einen betonierten Marshall-Posten. McLaren war sofort tot. Nach dem tödlichen Unfall des Gründers übernahm der US-Amerikaner Teddy Mayer das Team. Er hatte schon vor dem Einstieg in die Königsklasse mit McLaren zusammengearbeitet.

McLaren-Teamgründer Bruce McLaren
Foto: Imago / Heritage Images

Indianapolis 500 1974: McLaren gewinnt das Indy 500

McLaren war schon früh in seiner Geschichte über die Formel 1 hinaus erfolgreich. Wenige Tage vor dem tödlichen Unfall von Bruce McLaren hatte man 1970 erstmals an den 500 Meilen von Indianapolis teilgenommen. In den folgenden Jahren ging McLaren regelmäßig in der USAC (Vorläufer-Serie der heutigen IndyCar) an den Start. 1974 gelang dann der große Wurf. Johnny Rutherford triumphierte mit dem McLaren M16C/D beim Indy 500. Zwei Jahre später wiederholte Rutherford in einer weiteren Ausbaustufe jenes Boliden diesen Erfolg.

USA 1974: McLaren wird Formel-1-Weltmeister

1974 war allgemein ein höchst erfolgreiches Jahr für McLaren. In der Formel 1 war der McLaren M23B zwar nicht der schnellste Bolide, aber er war weniger defektanfällig als Ferrari oder Tyrrell. Emerson Fittipaldi reichte nach Siegen in Brasilien, Belgien und Kanada ein vierter Platz beim letzten Rennen in Watkins Glen (USA) zum WM-Titel.

Doch nicht nur das. Da damals für die Konstrukteurs-Meisterschaft pro Rennen jeweils nur das beste Ergebnis eines Teams in die Wertung einfloss, sicherte sich McLaren auch den Internationalen Cup für F1-Hersteller, gleichbedeutend mit der heutigen Konstrukteurs-WM. Neun weitere Konstrukteurs-Titel sollten folgen, sowie zwölf weitere Fahrer-Weltmeisterschaften.

Monaco 1984: Der erste Sieg im Fürstentum

Es dauerte 18 Jahre nach dem Debüt von McLaren, ehe das britische Team erstmals auf dem Straßenkurs von Monaco gewinnen konnte. Zuvor war Monte Carlo historisch gesehen ein Problemkurs für die Briten gewesen. Mehrmals konnten sich McLaren-Fahrer (darunter John Watson, Niki Laude oder Jacques Laffite) für das Rennen nicht einmal qualifizieren, da sie zu langsam waren.

Der Sieg 1984 kam trotzdem unter kontroversen Umständen. Denn bevor das Rennen in Runde 32 abgewunken wurde, war McLaren-Fahrer Alain Prost von Ayrton Senna im unterlegenen Toleman überholt worden. Doch aufgrund des Abbruchs wurde der Endstand aus der vorherigen Runde herangezogen. Seitdem gewann McLaren den Monaco-GP 15 weitere Male und ist der erfolgreichste Hersteller im Fürstentum.

Alain Prost (McLaren) beim Monaco-GP 1984
Foto: Imago / Capital Pictures

Japan 1989: Senna vs. Prost eskaliert

Die Kapitel Ayrton Senna und Alain Prost bei McLaren verdienen sich mindestens einen eigenen Artikel. Sie sind bis heute die erfolgreichsten Fahrer des Teams überhaupt (35 Siege Senna, 30 Siege Prost) und gewannen jeweils drei WM-Titel für die Mannschaft aus Woking.

Alle Formel-1-Sieger von McLaren

  • Ayrton Senna – 35 Siege
  • Alain Prost – 30 Siege
  • Lewis Hamilton – 21 Siege
  • Mika Häkkinen – 20 Siege
  • David Coulthard – 12 Siege
  • Lando Norris – 11 Siege
  • James Hunt – 9 Siege
  • Kimi Räikkönen – 9 Siege
  • Oscar Piastri – 9 Siege
  • Niki Lauda – 8 Siege
  • Jenson Button – 8 Siege
  • Denny Hulme – 6 Siege
  • Emerson Fittipaldi – 5 Siege
  • John Watson – 4 Siege
  • Fernando Alonso – 4 Siege
  • Gerhard Berger – 3 Siege
  • Juan Pablo Montoya – 3 Siege
  • Peter Revson – 2 Siege
  • Bruce McLaren – 1 Sieg
  • Jochen Mass – 1 Sieg
  • Heikki Kovalainen – 1 Sieg
  • Daniel Ricciardo – 1 Sieg

Der wohl berühmteste McLaren-Moment aus dieser Ära ist auch einer der bekanntesten überhaupt in der Formel-1-Geschichte. Beim vorletzten Saisonrennen 1989 kollidierten Prost und Senna in Japan im Kampf um die Führung und damit um den WM-Titel. Während der Franzose, der für die Kollision verantwortlich war, aus dem Auto ausstieg, fuhr Senna weiter und gewann das Rennen ursprünglich. Er wurde anschließend aber disqualifiziert. Prost war damit Weltmeister. Ein Jahr später revanchierte sich Senna ebenfalls in Japan in Kurve 1 mit einem absichtlichen Unfall, der diesmal wiederum ihm den Titel brachte.

Alain Prost und Ayrton Senna (McLaren) kollidieren beim Japan-GP 1989
Foto: Imago / ZUMA Press Wire

Le Mans 1995: McLaren gewinnt das 24h-Rennen

Wiederum abseits der Formel 1 gelang McLaren 1995 etwas, das es in der Geschichte des Motorsports einzigartig macht. Mit dem McLaren F1 GTR triumphierte nämlich Lanzante Motorsport mit den Fahrern Yannick Dalmas, JJ Lehto und Masanori Sekiya bei den 24 Stunden von Le Mans - McLarens erster und bisher einziger Sieg beim 24h-Klassiker. Nach Indianapolis und Monaco machte das McLaren zum ersten und bisher einzigen Hersteller, der die Triple Crown des Motorsports sein Eigen nennen kann.

Abu Dhabi 2024: Erster WM-Titel seit 16 Jahren

Für alle 23 WM-Titel und alle 203 Rennsiege fehlt in diesem Artikel leider der Platz, auch wenn jeder einzelne Titel eine Erwähnung verdient hätte. So der Last-Minute-Triumph von Lewis Hamilton 2008 oder die beiden Weltmeisterschaften von Mika Häkkinen. Nicht zu vergessen auch James Hunts geschichtsträchtiger WM-Triumph im Regen von Fuji 1976 oder Niki Laudas dritter Meistertitel 1984.

McLaren feiert den Gewinn der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft in Abu Dhabi 2024
Foto: Imago / ZUMA Press Wire

Wie auch immer: Eine so lange Dürreperiode wie zwischen 2008 und 2024 machte das Team Zeit seiner Existenz nicht mit. Inklusive eines Niedergangs in die Bedeutungslosigkeit des Mittelfelds. Umso befreiender war für McLaren der Wiederaufstieg in den frühen 2020er-Jahren, der schließlich mit dem Gewinn der Konstrukteurs-Krone 2024 gekrönt wurde - ganze 26 Jahre nach dem letzten Sieg in der Team-WM. 2025 folgte der Doppelschlag mit dem Konstrukteurs-Titel und der Fahrer-Meisterschaft von Lando Norris.