Ungarn hatte schon vorab wie ein guter Kandidat für einen richtigen positiven Ausreißer im ersten Formel-1-Jahr von Audi gewirkt. Am Freitag unterstreichen Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto diesen Eindruck mit zwei sehr starken Trainings in Sichtweite der Spitze. Viel wichtiger als Träume von einer Sensation ist aber erst einmal der anhaltende Fight mit den Racing Bulls.

Diese zwei Teams hatten sich im 2. Freien Training mit Nachdruck an der Spitze des F1-Mittelfeldes und in den Top-10 etabliert. In FP1 hatte noch Bortoleto auf einem starken sechsten Rang die Vierergruppe angeführt, am Nachmittag schlug jedoch Liam Lawson mit P7 zurück. Damit hatte er mit Oscar Piastri sogar einen McLaren schlagen können.

Nico Hülkenberg wollte sich aber nicht abschütteln lassen. 84 Tausendstel hinter Lawson belegte er den neunten Rang. Eine weitere Zehntel hinter ihm folgte der zweite Racing Bull von Arvid Lindblad, zwei weitere Zehntel dahinter der zweite Audi von Bortoleto. In den Qualifying-Simulationen war die Sachlage im Kampf um die Mittelfeld-Spitze also schon einmal klar.

Beide Teams ließen als einzige aus dem Mittelfeld am Freitag auch nicht komplett von den Top-Teams ab. Bortoleto und Lawson waren im schwierigen letzten Sektor, wo den meisten Autos in Ungarn die Reifen im Qualifying-Trimm in die Knie gehen, beide fast gleich schnell, und vor allem auch praktisch gleich schnell wie McLaren, Red Bull und Mercedes.

Audi kämpft mit Qualifying-Runden: Ungarn noch nicht optimiert

Über die ganze Runde mögen die beiden zwar nicht mit den großen Namen mithalten, aber bei schwierigen Bedingungen und wenig Grip in Ungarn sind sie am Freitag nah genug dran, um eventuelle Nachzügler zu bestrafen. Dabei hat man auf Audi-Seite ebenfalls mit dem Qualifying-Programm noch zu kämpfen.

"FP1 war ein guter Start, am Nachmittag haben wir etwas an Boden verloren", urteilt Audi-Cheftechniker James Key. "Gabi hat seine Runde nicht zusammenbekommen, und Nico erst etwas später im Lebenszyklus seines Soft." Beide Fahrer schafften es nicht, sofort das Maximum zu extrahieren, als sie für Qualifying-Simulationen neue Soft-Reifen aufgezogen bekamen.

"Mit dem Soft war alles irgendwas, da war ich mit der Balance nicht happy", bestätigt Bortoleto. Key mahnt: "Das müssen wir uns anschauen, wie wir das für das Qualifying verbessern." Denn grundsätzlich beweist der Audi in Ungarn in den Kurven, wie stark das Chassis ist: "Fundamental sind wir in den Top-10 und klopfen an der Tür der Top-4-Teams. Aber du kannst die anderen Mittelfeld-Teams dicht bei uns sehen, wie erwartet die Racing Bulls."

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Liam Lawson erstmals mit Update - und sofort schneller

Diese Racing Bulls haben nach ihren starken Auftritten auf den letzten Power-Strecken keine Zweifel daran gelassen, dass ihre jüngsten Updates auch auf einer langsamen und kurvigen Strecke wie Ungarn abliefern können. Die jüngsten neuen Teile, welche durch eine verkleinerte Airbox und damit eine leicht veränderte Crash-Struktur auffallen, fährt in Budapest erstmals auch Lawson, nachdem in Spa zuerst nur Arvid Lindblad sie bekommen hatte.

Lawson wurde mit den neuen Teilen sofort warm. Auch wenn es dem Team diesmal nicht so locker von der Hand ging. "Es hat etwas länger gedauert, wir mussten mehr ändern als üblich zwischen P1 und P2", sagt Teamchef Alan Permane. Lawson änderte während FP2 das Setup vor den Qualifying-Simulationen erneut - und schien damit einen Volltreffer zu landen, mit dem er sich vor beide Audis und vor Oscar Piastri platzierte.

"Das hat dem Heck geholfen", unterstreicht Permane. Dieses unter Kontrolle zu halten ist in Ungarn besonders kritisch, um das Überhitzen und Rutschen im letzten Sektor vorzubeugen. "Arvid hat diese Änderungen nicht vorgenommen. Jetzt müssen wir uns das anschauen."

Lawsons nicht minder beeindruckende Longrun-Performance gibt seinem Setup nur noch mehr recht. Obwohl er länger fuhr als Bortoleto, war er auf einem sonst vergleichbaren Reifen im Schnitt dreieinhalb Zehntel schneller als der Audi, und acht Zehntel schneller als Lindblad. So sieht es nach dem ersten Tag und einiges an harter Arbeit ziemlich gut aus für die Racing Bulls. Bei Audi ist man aber optimistisch, dagegenhalten zu können, meint James Key: "Wenn wir uns gut qualifizieren, können wir die Position denke ich halten."