Red Bull und Max Verstappen haben zwei schwierige Formel-1-Wochenenden hinter sich und nach dem Freitag in Japan deuten alle Zeichen auf ein drittes in Folge hin. Bei den Freien Trainings in Suzuka traten die gleichen Probleme auf, von denen die Bullen bereits seit dem Saisonstart geplagt werden. Auch das Update-Paket konnte keine Besserung verschaffen.

"Es war nicht gut, um ehrlich zu sein. Kein guter Tag", bilanzierte Verstappen nach dem FP2, das er über 1,3 Sekunden hinter der Bestzeit von Oscar Piastri auf Platz zehn beendete. In Suzuka fehlte es ihm nicht nur an Grip, sondern besonders an Balance. Er hatte in den zwei Sessions mit Extremen zu kämpfen: zuerst Übersteuern, dann Untersteuern. "Wir haben es nie in Einklang gebracht. Wir sind von einem Extrem ins nächste gegangen. Wenn wir versucht haben, ein Problem zu lösen, haben wir ein anderes bekommen. Das kostet viel Rundenzeit", klagte der amtierende Vizeweltmeister.

Seit 2022 ist Verstappen in Japan ungeschlagen, im Qualifying wie im Rennen. Derzeit sieht es unmöglich aus, dass er diese Serie fortsetzt. Vor allem weil man bei Red Bull ratlos ist, wo man genau ansetzen muss. "Wir müssen noch viel Arbeit reinstecken, um zu verstehen, warum wir diese Probleme haben", erklärte Verstappen pessimistisch. "Wir haben Ideen, aber gleichzeitig sind die Lösungen schwierig. Ich erwarte keine Wunder über Nacht."

Problemzone Sektor 1: Highspeed-Kurven sind Red Bulls Stolperstein

Vor allem der erste Sektor mit den fließenden Highspeed-Esses war im Training ein Knackpunkt für den RB22, wie Verstappen erklärte: "Wir sind dort weit abgeschlagen, in den mittelschnellen und schnellen Kurven, und wir verstehen nicht, warum. Ich glaube nicht, dass wir das über Nacht hinbekommen werden." Seine schnellste Zeit im ersten Sektor war langsamer als die von Oliver Bearman und Nico Hülkenberg. Allein bis zur achten Kurve verlor Verstappen über sechs Zehntel auf Oscar Piastri.

Auch Red Bulls Chefingenieur Paul Monaghan ist der Start der Runde ein Dorn im Auge: "Der erste Sektor besteht aus vielen Kurven und in dem Bereich müssen wir uns noch verbessern. Dann wird der Rest mitziehen. Wenn wir die Balance besser hinbekommen, dann geht es auch mit den Kurven und den Geraden aufwärts. Das ist unsere Aufgabe für den Abend." Ob sich dadurch über eine Sekunde finden lässt, ist fraglich. Selbst Monaghan gibt zu: "Die Rundenzeit ist nicht sehr gut."

War Red Bulls Japan-Update ein Reinfall?

Zufrieden ist mit der Performance derzeit keiner bei Red Bull. "Das ist nicht der Standard, den wir uns selbst setzen und den Max uns setzt. Wir haben ein paar Dinge identifiziert, die falsch laufen. Die Frage ist jetzt, ob wir das gut genug verstehen, um es bis morgen zu lösen", stellte Monaghan in den Raum.

Dabei haben die Bullen eigentlich ein ganzes Update-Paket mit nach Japan gebracht. Der Seitenkasten wurde überarbeitet, der RB22 hat nun neue Lufteinlässe. Dafür wurden auch der Unterboden und die Motorabdeckung angepasst. Am Heck ist im Bereich der Bremskühlschächte gearbeitet worden, dieses Update ist aber streckenspezifisch.

"Geometrisch sind es große Änderungen", erklärte der Chefingenieur. "Wenn wir die heutige Performance richtig deuten, dann funktioniert das auch so, wie es soll." Viel Verbesserung brachten die neuen Teile aber nicht – also eigentlich gar nicht. Red Bull befindet sich am Japan-Freitag immer noch im oberen Mittelfeld mit Haas, Alpine und Audi. Ist das Update also ein Reinfall?

"Es sind andere Aspekte des Autos, die derzeit nicht gut funktionieren. Wir werden versuchen, diese bis morgen zu korrigieren", versicherte Monaghan. Max Verstappen kann es nur hoffen, denn sollte es im Rennen schlechter als ein fünfter Platz werden, dann erlebt der vierfache Weltmeister seinen schlechtesten Start ins Jahr seit seiner Rookie-Saison 2015.

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