Nach den ersten zwei Trainings ist am Freitagabend bei Mercedes wieder Tiefstapeln angesagt. Nichts wollen die Dominatoren der ersten zwei Formel-1-Wochenenden wissen von einer klaren Favoritenrolle. Dass man knapp an der Tages-Bestzeit scheiterte, nehmen George Russell und Co. gleich einmal als Anlass, um die Konkurrenz maximal stark zu reden.
"Es war etwas überraschend, die Pace von McLaren zu sehen, aber es gibt keinen Grund davon auszugehen, dass sie nicht echt ist", meint Russell gleich mit Blick auf das Ergebnis. Oscar Piastri hatte sich 0,092 Sekunden vor Kimi Antonelli und 0,205 Sekunden vor Russell die Tages-Bestzeit gesichert.
"Oscar war von der ersten Runde raus aus der Box dabei", meint Russell. Vollends überraschend sollte es eigentlich aber auch nicht sein. Denn beim ersten Wochenende in Australien war es ebenfalls Piastri gewesen, der die Bestzeit geholt hatte. Die Geschwindigkeits-Daten zeigten unverhältnismäßig hohe McLaren-Topspeeds, wohl mehr eingesetzte Elektro-Leistung. Und McLaren fährt traditionell seit Jahren am Freitag mit mehr Power als die Konkurrenz.
Ferrari & McLaren kaufen Mercedes-Prognosen nicht
Nüchtern betrachtet scheint es also äußerst unwahrscheinlich, dass der Freitag in Suzuka auf eine Änderung am Kräfteverhältnis hindeutet. Auch bei der Konkurrenz geht man immer noch davon aus, dass Mercedes dann im Qualifying auch wieder potenziell mehrere Zehntel vorne liegen wird, wenn alle die Hosen runterlassen. "Die Lücke ist das, was wir erwartet haben, sie entspricht den ersten Rennen", lässt Ferrari-Ingenieur Diego Ioverno wissen.
Genauso klingt McLaren-Rennleiter Randy Singh: "Die Hackordnung sieht generell so ziemlich gleich aus." McLaren ging sogar so weit, seine freitägliche Presseaussendung mit "Oscar P1, aber das Wettbewerbs-Bild scheint unverändert" zu betiteln. Die wahre Mercedes-Überlegenheit zeigte sich auch schon wieder in den Longruns, wo es schwieriger ist, sich zu verstecken. Prompt enteilten Russell und Antonelli. Ferrari fehlten im Schnitt über vier, McLaren über sieben Zehntel. Mehr dazu in der Analyse:
Mercedes möchte jedoch lieber die Konkurrenz starkreden. Das gilt genauso für Chefingenieur Andrew Shovlin: "Wir scheinen in Sachen Pace gut aufgestellt, auch wenn sowohl McLaren als auch Ferrari im Laufe des Tages beeindruckende Rundenzeiten gezeigt haben, also sehen wir nichts als garantiert an." Besonders Ferrari scheint da nicht recht reinzupassen. Charles Leclerc fehlten wie angesprochen vier Zehntel im Renntrimm, und über eine halbe Sekunde im Qualifying-Trimm. Beeindruckend war die Scuderia am Freitag nicht.
George Russells fehlerhafte Trainings-Runde: Sonst sowieso P1?
"Wir haben ganz klar Arbeit über Nacht vor uns, wenn wir sie herausfordern wollen", will Russell zumindest McLaren als Pole-Kontrahenten sehen. Wenngleich er am Freitagabend auch schließlich verrät, wie viel ihm ein Problem mit dem Energie-Management in seiner Qualifying-Simulation gekostet hat: "Zwei bis drei Zehntel. Wahrscheinlich einfach zu lösen."
Russell hatte in der langen Spoon-Kurve mit dem Gaspedal ein paar Dinge wohl ausprobiert, dabei war er aus dem optimalen Energie-Fenster gefallen und hatte am Ende seiner besten Qualifying-Simulation verfrüht das Energie-Limit erreicht. Als er kurz darauf mit alten Reifen es noch einmal probierte, sah es schon besser aus.
Wenn es nur etwas mehr als zwei Zehntel kostete, so lässt sich wohl sagen, dass Russell am Freitag in Wahrheit im schnellsten Auto saß. Das untermauert auch seine Leistung in den S-Kurven im ersten Sektor. Dort war er eindeutig der Schnellste gewesen. Für das Japan-Qualifying gegen Mercedes zu wetten scheint verlorenes Geld.
McLaren setzt währenddessen immer klarer den Fokus auf das eigene Chassis, wenn es um den Rückstand zum Werksteam geht, und kehrt ab von den Beschwerden über fehlendes Verständnis der neuen Power Unit. Mehr dazu gibt es hier:



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