"Ich bin sehr langsam, weil ich überhaupt kein Vertrauen ins Auto habe." Auf diesen Funkspruch von Lewis Hamilton hätte Ferrari im FP2 wohl gern verzichtet. In Japan konnte das bislang in den Kurven so starke Ferrari-Chassis nicht überzeugen.
"Suzuka ist eine enorm anspruchsvolle Formel 1-Strecke. Sie ist fantastisch zu fahren, aber hier die richtige Balance zu finden, ist extrem schwierig. Man muss sich auf das Heck verlassen können - aber heute hatte ich diese Ausbrüche", so Hamilton.
Während der 60-minütigen Session kämpfte er sichtlich mit Übersteuern und tat sich schwer, drei fehlerfreie Sektoren aneinander zu reihen. Die Folge: Im FP2 lag er acht Zehntel hinter dem schnellsten Mann Oscar Piastri zurück.
Ferrari-Duo kämpft mit Übersteuern
"Interessanterweise liegt es an der Art, wie das Auto abgestimmt ist. Es gibt einige Ähnlichkeiten zu dem, was ich schon im vergangenen Jahr gespürt habe", verriet Hamilton. Genau wie sein Ferrari-Teamkollege kämpfte auch Charles Leclerc auf dem Suzuka International Racing Course mit einem übersteuernden SF-26.
Besonders durch die schnellen Esses erlebte der Monegasse einige heikle Momente. Auf den Onboard-Aufnahmen ist zu sehen, wie er sichtbar mit dem Lenkrad seines Ferrari ringt. Auf seiner schnellen Runde fehlten ihm nach einem leichten Drift aus der letzten Kurve sieben Zehntel auf Oscar Piastri.
"Es war ein schwieriger Tag", räumte Leclerc ein. Doch es geht nicht nur um die Fahrzeugbalance. Lewis Hamilton deutete an, dass Ferrari allein auf dem Weg zu Kurve 1 vier Zehntel auf McLaren verliert. Unsere Top-Speed-Grafik zeigt, dass Hamilton auf der Start-Ziel-Geraden tatsächlich 17 km/h auf McLarens Top-Speed fehlen.
Das legt nahe, dass Ferrari auch bei der Energierückgewinnung und -abgabe des Hybridsystems noch Nachholbedarf hat. "Die Energiebereitstellung spielt dabei sicher eine Rolle. Ich bin überzeugt, dass wir da noch einen besseren Job machen können. Außerdem steckt noch mehr Performance im Auto, wenn wir das Setup richtig hinbekommen", ist Hamilton überzeugt.
Hamilton glaubt an Ferrari-Sprung bis zum Quali
Über Nacht heißt es daher, fleißig Daten zu studieren und Runden im Simulator zu drehen. "Ich habe das Gefühl, dass ich einen groben Orientierungspunkt habe. Es geht nur darum, wie wir dorthin kommen. Das versuche ich jetzt herauszufinden", so Hamilton. Sieht man sich die Daten an, fällt auf, dass Ferrari auf dem Medium-Reifen zunächst gut aussah.
Doch sobald Ferrari die Soft-Reifen aufzog, brachten beide Piloten keine gute Rundenzeit mehr zustande. Während die Konkurrenten rund um Ferrari zwischen den Reifenmischungen fast eine ganze Sekunde fanden, konnte Leclerc vom Medium auf den Soft lediglich zwei Zehntel zulegen.
"Wir tun, was wir tun können: Wir analysieren die Daten und versuchen, kleinere Probleme im Fahrzeugmanagement zu beheben. Die Strecke ist schwierig, dazu kommt der neue Asphalt im zweiten Teil. Der Schlüsselfaktor wird sein, sicherzustellen, dass die Reifen bereits ab der ersten Runde richtig arbeiten", meinte Ferrari-Sportdirektor Diego Ioverno.
Suzukas schnelle Kurven standen bislang für Mut. Doch wegen des Energiemanagements in der Formel 1 werden die Piloten im Qualifying wohl ausgerechnet in diesen Passagen vom Gas gehen.



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