Sie zählt zu den ikonischsten und anspruchsvollsten Kurven der Formel 1: Suzukas 130R. In den letzten Jahren jagten die Piloten meist mit Vollgas, also mit rund 310 km/h bei einer Querbeschleunigung von rund 6G durch die schnelle Linkskurve.
Nicht zuletzt wegen Hochgeschwindigkeitskurven wie dieser und dem Old-School-Layout gilt der Suzuka International Racing Course unter den Piloten als eine der besten Strecken im Rennkalender. Das aktuelle Reglement, in dem das Energiemanagement eine entscheidende Rolle spielt, könnte jedoch dazu führen, dass die Fahrer die anspruchsvollen Kurven nicht mehr am Limit von Grip und fahrerischem Können durchfahren.
Offensichtliche Stellen, an denen man im Qualifying Lift and Coast oder extremes Abkürzen der Ideallinie sehen könnte, sind die Kurven am Ende langer Geraden wie durch die Esses, Spoon oder 130R. Auch die Degner-Kurven drohen massiv entschärft zu werden. Bislang ließ die Anfahrt auf Degner 1 mit einem gnadenlosen Innenkerb und strengen Track Limits am Kurvenausgang keinen Raum für Fehler.
Leclerc: Degner & Co. keine echten Kurven mehr
Wer dort patzte, zahlte einen hohen Preis. Denn wie gut man diese Passage traf, bestimmte maßgeblich die Anfahrt, bevor man für Degner 2 hart in die Eisen stieg. Im Simulator stellten die Piloten jedoch fest, dass sie durch ein extremes Abkürzen in Degner 1 so stark verlangsamten, dass sie die Kurve anschließend sogar voll fahren konnten.
"Die Degner-Kurven und andere waren eigentlich keine echten Kurven mehr, in denen wir noch wirklich ans Limit gegangen sind, sondern es ging vielmehr ums Energiemanagement. Das ist wirklich schade", erzählte Charles Leclerc. Ähnlich klang es aus dem Mund seines Ferrari-Teamkollegen Lewis Hamilton, der in Japan bereits viermal gewann. "Wir mussten im Simulator sehr viel lupfen und rollen lassen. Das macht auf einer Qualifying-Runde wirklich keinen Spaß."
| Streckenlänge | 5,807 km |
|---|---|
| Kurvenanzahl | 18 (8 Links-, 10 Rechtskurven) |
| Bremsvorgänge (unter 2G) | 4 |
| Bremsenergie | mittel | Straight-Line-Mode Zone | Start-Ziel und Turn 14/15 |
| Top-Speed (erwartet | 326 km/h |
F1-Qualifying: Energiemanagement statt Herausforderung
Aufgrund des sehr schnellen, flüssigen Streckencharakters und der daraus resultierenden kurzen Kurvenzeiten ist in Japan mit einem hohen Maß an Super-Clipping zu rechnen. Was damit gemeint ist, erfährst du hier:
Dass der Japan GP dadurch an seiner Strahlkraft verlieren könnte, will Lando Norris nicht gelten lassen. "Ich glaube nicht, dass man diese Strecke jemals ruinieren kann." Dennoch räumt er ein, dass sie vermutlich nicht mehr so spektakulär sein wird. "Es wird definitiv einige Stellen geben, an denen sie einfach nicht mehr ganz so spektakulär sein wird. Man wird anfangen, in Spoon zu clippen. Das ist eine der schnellsten Kurven, in die man mit enorm hohem Tempo einlenkt. Vergangenes Jahr habe ich beim Einlenken in Spoon nicht einmal gebremst."
An das Gefühl, im Qualifying mit Vollgas durch die langgezogene Doppelkurve zu jagen, erinnert sich der amtierende F1-Weltmeister noch genau: "Es brauchte schon Mut, an diesen Punkt zu kommen. Aber wenn du so ans Limit gehst, fühlt es sich unglaublich an." Solche Hochgefühle werden die Fahrer 2026 wohl nicht mehr erleben.
Die FIA scheint erkannt zu haben, dass das Energiemanagement speziell im Qualifying wohl einen Schritt zu weit vom traditionellen Flat-out-Ansatz entfernt ist. Um die Balance zwischen fahrerischer Herausforderung und Energierückgewinnung besser auszutarieren, wurde kurzfristig eine Änderung für das Japan-Qualifying vorgenommen.
Weniger Energie soll im Japan-Qualifying nun für mehr Vollgas sorgen. Wie soll das funktionieren? Die Details gibt's hier:
Leclerc befürwortet diese Richtung. "Ich hoffe, dass wir dadurch den Charakter dieser Kurven zurückbekommen. Denn genau das macht Suzuka so besonders. Das dürfen wir nicht verlieren - besonders nicht im Qualifying, wenn man das Auto wirklich ans Limit bringt."
Während einige davon ausgehen, dass die Reduzierung der Energiemenge von 9MJ auf 8MJ den Bedarf an extremem Clipping um bis zu vier Sekunden pro Runde verringert, erwartet Vorjahressieger Max Verstappen keine grundlegenden Veränderungen im Qualifying.
Russell: Schlechtes Qualifying, spannendes Rennen?
"Der Schritt auf 8 MJ hilft vielleicht ein kleines Bisschen, aber in den Grundzügen bleibt alles gleich. Du bewegst dich zwar am Limit dessen, was dir das Auto erlaubt, aber was die Leistung betrifft, bist du an manchen Stellen eben nicht am Limit", so Verstappen. George Russell kann der aktuellen Situation hingegen einiges abgewinnen - auch wenn das Qualifying in Suzuka nicht mehr den Reiz der Vorjahre hat.
"Die Autos der vorherigen Generation waren perfekt für eine Strecke wie Suzuka, weil sie sehr viel Abtrieb in den schnellen Kurven hatten. Die Rundenzeiten, die wir hier im Vorjahr gesehen haben, waren die schnellsten, die wir in Suzuka je gefahren sind. Trotzdem war das Rennen super langweilig. Dieses Jahr werden wir in Kurven wie den Esses langsamer sein, aber wie in China – das wie Japan 2025 ein Ein-Stopp-Rennen war – könnten wir ein sehr spannendes Rennen erleben."
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