1. Warum konnte Alex Albon in China nicht starten?

"Vier Autos haben heute den Start nicht geschafft. Das ist wohl die übelste Show, die du haben kannst", kommentiert Fernando Alonso eine wahre Ausfall-Orgie der Formel 1 in China. Etwas unter ging einer der vier am Start Gescheiterten. Alex Albon hätte ohnehin nur aus der Box starten dürfen, weil Williams unter Parc ferme das Aufhängungs-Setup geändert hatte. Doch auf den Sichtungsrunden trat ein separates Hydraulik-Problem auf, welches das Team in den 30 Minuten vor dem Start nicht beheben konnte. Damit war Albon Nummer eins von vier.

2. Warum konnten beide McLaren nicht starten?

In China blieb aber auch die gesamte dritte Startreihe leer. Aus dieser hätten eigentlich Lando Norris und Oscar Piastri losfahren sollen. Doch beide McLaren-Fahrer ereilte noch vor dem Rennstart ein Defekt. Bei Norris wurde ein elektrisches Problem am Motor festgestellt, als er für die Sichtungsrunden aus der Garage fahren sollte. Da die Zeit nicht mehr reichte, die betroffene Komponente zu tauschen, versuchte McLaren in deren Umfeld potenzielle Fehlerherde zu beheben und wechselte unter anderem die ECU. Alles blieb ohne Erfolg und letztendlich ging den McLaren-Mechanikern vor dem Rennstart die Zeit aus.

Der Wagen von Oscar Piastri funktionierte beim Losfahren noch einwandfrei und schaffte es ohne Probleme bis in die Startaufstellung. Dort sprang er allerdings wenige Minuten vor dem Start dann nicht mehr an. Auch bei ihm wurde ein elektrisches Problem am Mercedes-Motor festgestellt. Allerdings ein anderes als noch bei Teamkollege Norris, wie Teamchef Andrea Stella betonte. Die Diagnose gelang zwar schneller, aber mit nur wenigen Minuten reichte die Zeit auch hier nicht mehr, um das Auto nochmal fit zu bekommen.

Ein Zusammenhang zwischen den beiden Defekten soll laut ersten Analysen der Mercedes-HPP-Leute, auf die sich Stella berief, nicht bestehen. Um die "Grundursache" (root cause) der beiden Defekte zu klären, sind laut Stella noch genauere Untersuchungen notwendig. Er vermutet, dass das Chassis keine Rolle dabei gespielt habe. Zitat: "Es sieht so aus." Aber auch in diesem Fall sind eingehendere Analysen noch ausständig.

3. Warum konnte Gabriel Bortoleto nicht starten?

Wie schon in Australien schaffte auch in China nur ein Audi die Teilnahme am Rennen. Diesmal war es Gabriel Bortoleto, der nur Minuten vor dem Start aus der Startaufstellung zurück in die Box geschoben werden musste und nicht mehr auftauchte. Genaue Details zur Natur des Defektes will Audi nicht verraten. Teamchef Jonathan Wheatley vermutet allerdings ein ähnliches Problem wie jenes, das Nico Hülkenbergs Start in Australien verhinderte.

Gabriel Bortoletos defekter Audi wird vor dem Start in China in die Box geschoben
Gabriel Bortoletos Audi wird aus der Startaufstellung entfernt, Foto: IMAGO / PsnewZ

4. Warum fiel Nico Hülkenberg plötzlich so weit zurück?

Nico Hülkenberg schien in China jedoch - erst recht mit den vielen Defekten - absolut in der Lage, um die letzten Punkte mitzukämpfen. Auf harten Reifen gestartet, fuhr er mit Alternativ-Strategie bis Runde 35, um dann auf Medium ins Ziel zu sprinten. Zu diesem Zeitpunkt lag er im gleichen Bereich wie der Alpine von Franco Colapinto. Aber Colapinto kam trotz kurz darauf folgendem Unfall und Schaden 8,7 Sekunden vor Hülkenberg ins Ziel.

Denn bei Hülkenberg streikte ein Schlagschrauber beim Boxenstopp. 16,16 Sekunden stand er vor der Audi-Garage, damit wurden gute 13 Sekunden verschenkt. Ohne dem Schlagschrauber-Problem "können wir ohne Weiteres denken, dass Nico locker in den Punkten gelandet wäre", glaubt Wheatley.

5. Wofür erhielt Esteban Ocon eine Strafe?

Im vorderen Mittelfeld gab es ab Runde 16 über längere Zeit einen harten Kampf, in dessen Zentrum die beiden Alpine- und Haas-Fahrer standen. Bis zum Rennende hatten sich die vier Streithähne dann aber doch wieder auseinandersortiert. Esteban Ocon, zwischenzeitlich sogar Dritter, landete am Ende sogar nur auf P14. Grund dafür war untere anderem eine 10-Sekunden-Strafe.

Diese Strafe hatte er sich für eine Kollision mit Franco Colapinto eingehandelt, mit dem er sich in einem Kampf um den letzten Punkt wähnte. Als dieser in Runde 33 aus der Box gekommen war, witterte Ocon seine Chance und attackierte den Argentinier in Kurve 2 mit einem übermütigen Manöver, bei dem er ihn rechts hinten traf. Beide drehten sich und verloren viel Zeit. Ocon sah seinen Fehler schnell ein: "Klar meine Schuld." Der Franzose saß seine Strafe beim zweiten Boxenstopp in Runde 46 ab.

6. Warum fiel Max Verstappen aus?

Max Verstappen erlebte ein enttäuschendes Rennen an einem ohnehin enttäuschenden Wochenende, an dem bei ihm gar nichts rund lief. Probleme am Start, keine Balance, wenig Grip, hoher Reifenverschleiß... In Runde 45 kam es noch dicker, als Verstappen angewiesen wurde, mit einem offensichtlich technischen Gebrechen sein Auto an der Box abzustellen. Wie das Team mitteilte, handelte es sich bei diesem um ein Kühlungsproblem. Es ist der zweite technisch bedingte Ausfall von Red Bull Racing im zweiten Rennen, nachdem es in Australien Isack Hadjar erwischt hatte.

7. Warum mussten die Aston Martin aufgeben?

Mit weiteren kleinen Adaptionen war Aston Martin nach China gereist, doch eine Renndistanz stellte sich als zu viel für die vibrierende Honda-Batterie heraus. "Ein paar Schritte waren künstlich, etwa niedrigere Drehzahl zu fahren, aber im Rennen musst du höher drehen, wenn du überholst oder im Lademodus bist", erklärt Fernando Alonso. Die Vibrationen wurden bei ihm so stark, dass er ab Runde 20 das Gefühl in Händen und Füßen verlor. Nach Runde 32 stellte er freiwillig ab.

Dieses Schicksal blieb Lance Stroll erspart. Sein Auto schaltete sich auf der zehnten Runde hin zur ersten Kurve ansatzlos ab. Das Team vermutet, dass die Batterie hier von sich aus den Geist aufgegeben hat. Honda-Einsatzleiter Shintaro Orihara räumt ein: "Wir haben unsere Zuverlässigkeit über das Sprint-Wochenende hinweg verbessert, aber für eine Renndistanz reicht es nicht."

8. Warum entschied Ferrari gegen Teamorder?

Besonders in der ersten Rennhälfte schlug sich Ferrari an der Spitze im Kampf mit Mercedes wacker. Nach dem von Stroll ausgelösten Safety Car sprengten sie das Mercedes-Duo sogar wieder. Doch dann begannen sich Lewis Hamilton und Charles Leclerc untereinander rücksichtslos zu beharken. Das half Kimi Antonelli dabei, wegzufahren, und letztendlich auch George Russell dabei, Platz zwei zurückzuerobern.

Teamorder kam für Ferrari-Teamchef Fred Vasseur aber nicht infrage: "Ich vertraue ihnen beiden und wollte die Positionen nicht einfrieren, denn das wäre unfair gewesen. Sie sind Profis, und das Duell heute war gut für das Team und den Sport." Ohnehin war der Ferrari über die Distanz wohl zu unterlegen, wie Hamiltons 25 Sekunden Rückstand auf Rennsieger Antonelli untermauern.

9. Warum war Mercedes beim Restart erst so langsam?

Eben am Restart in Runde 14 war Mercedes jedoch überraschend langsam. Gerade das ließ bei vielen die Hoffnung aufkeimen, dass Antonelli und Russell vielleicht auf dem davor das ganze Wochenende nicht verwendeten Hard-Reifen verwundbar sein könnten. Doch der Spuk hörte nach einer Handvoll Runden auf.

Der W17 bekam die harten Reifen bei kühlen 20 Grad Asphalttemperatur einfach nicht so schnell wie Ferrari zum Arbeiten, lieferte das Team nach dem Rennen eine simple Erklärung. Waren die Reifen warm, so waren Antonelli und Russell aber wohl die erwartete halbe Sekunde pro Runde schneller.