Mit dem Großen Preis von Kanada läuft die erste ADUO-Periode ab. Eine Deadline, die für Ferrari eine entscheidende Rolle im WM-Kampf spielen könnte. Das Kürzel ADUO steht für Additional Development and Upgrade Opportunities und erlaubt es Motorenherstellern, deren Formel 1-Aggregate einen Rückstand von mehr als zwei Prozent aufweisen, je eine zusätzliche Weiterentwicklung am Motor in der laufenden Saison sowie eine im Folgejahr vorzunehmen.
Teams mit mehr als vier Prozent Rückstand kommen sogar in den doppelten Genuss dieser Upgrade-Möglichkeiten. Auch wenn aktuell noch unklar ist, ob Ferrari offiziell von der ADUO-Regel profitiert, steht für Charles Leclerc der Leistungsrückstand der eigenen Power Unit außer Frage: "Ich wäre sehr überrascht, wenn wir nicht unter diese Regel fallen. Ich kann auf den Geraden deutlich sehen, dass uns im Vergleich zu Mercedes und sogar zur Ford-Power-Unit etwas fehlt." Für die Einstufung betrachtet die FIA ausschließlich den Verbrennungsmotor (ICE).
Über festgelegte Zeitfenster wird ein sogenannter ICE-Performance-Index berechnet. In diese Bewertung fließen unter anderem das Drehmoment, die Motordrehzahl und die MGU-K-Leistung ein. Zudem gibt es eine Gewichtung, die berücksichtigt, wie stark sich die Motorleistung auf die Rundenzeit der gemessenen Umläufe auswirkt. Allerdings stellte Nikolas Tombazis erst kürzlich klar, dass ADUO keine Wunderwaffe ist: "Es ist nicht so, dass die FIA irgendwelche Bonuspunkte an jemanden verteilt, der zurückliegt."
Das System verschaffe den Herstellern lediglich mehr Spielraum, ihre Power Unit innerhalb des durch das Technische Reglement vorgegebenen Rahmens weiterzuentwickeln. Auch Leclerc zeigt sich im Vorfeld des Kanada GP skeptisch, ob allein durch ADUO Ferraris Chancen steigen, Mercedes im WM-Kampf zu gefährden. "Es wäre definitiv eine Hilfe, um näher heranzukommen. Ob es reichen würde, um die Lücke komplett zu schließen, weiß ich nicht. Ich glaube, dass es sehr schwierig wird", bremst der Monegasse die Erwartungen.
Mit Blick auf die Konkurrenz sieht Leclerc jedoch nicht nur die Power Unit als entscheidenden Performance-Faktor. Vielmehr käme es in dieser Saison auf das komplexe Verständnis an, wie die elektronischen Systeme im Auto optimal genutzt werden können. Das sei auch der Grund, weshalb Red Bull zuletzt wieder deutlich stärker aussah. "Sobald man nicht exakt im optimalen Arbeitsfenster ist, verliert man massiv an Performance. In Miami hatte ich das Gefühl, dass sie in diesem Bereich einen riesigen Schritt gemacht haben - zusätzlich zu den Updates, die sie ans Auto gebracht haben", analysierte Leclerc.
Ferrari-Update zündet (noch) nicht
Wie Red Bull hatte auch Ferrari in Miami ein größeres Update-Paket im Gepäck. Neben dem berüchtigten "Macarena-Flügel" gab es unter anderem einen komplett umgebauten Unterboden, ein neues Element am Frontflügel sowie modifizierte Verkleidungen der Vorderbremsen und der Vorderradaufhängung am SF-26 zu sehen. Mit Blick auf die Ergebnistabelle zündeten die Updates allerdings nicht.
"Ich glaube nicht, dass wir im Vergleich zu den anderen einen kleineren Entwicklungsschritt gemacht haben", verteidigt Leclerc die Arbeit in Maranello. "Ich denke einfach, dass wir uns noch in einer Phase befinden, in der die Teams herausfinden müssen, wie sie das gesamte System maximal ausreizen können. Dieses System ist extrem komplex. Mit dieser Art von Autos wird man nie eine hundertprozentige Optimierung erreichen, weil auch das Fahren selbst eine unberechenbare Variable bleibt. Deshalb ist es so schwierig."



diese Formel 1 Nachricht