2.496 Kilometer – das sind ungefähr drei Fahrten von München nach Hamburg, ein Trip von Berlin nach Madrid oder 0,6 Prozent der Distanz zwischen Erde und Mond. Es sind auch die bisher zurückgelegten Testkilometer des neuen Boliden von Cadillac. Obwohl sich das im ersten Moment nach viel anhört, ist das für ein Formel-1-Auto keine beeindruckende Leistung. Zum Vergleich: Ferrari legte in den zwei Tests bereits 4.323 Kilometer zurück. Williams, die beim Shakedown in Barcelona nicht anwesend waren, sind in den drei Tagen in Bahrain 2.284 Kilometer gefahren.
Kurz vor dem Start des letzten Wintertests ist klar: Bei Cadillac gibt es noch Anlaufschwierigkeiten. An keinem Testtag in Bahrain wollte es so wirklich glatt laufen für den F1-Neueinsteiger. Das Auto rollte mehrmals aus und verbrachte mehr Zeit in der Garage als auf der Strecke. Doch bei Cadillac macht man sich nichts vor. "Ich kann nicht oft genug betonen, was für ein schweres Vorhaben das ist. Vor weniger als zwölf Monaten hatten wir noch keinen offiziellen Startplatz, ganz zu schweigen von einem Auto oder Fabriken. Der Fortschritt ist enorm", erklärte Teamchef Graeme Lowdon in Bahrain.
Dass Cadillac im Vergleich mit der Konkurrenz erst wenige Kilometer abspulte, ist für den Briten kein Grund zur Sorge. "Das ist die größte Datenmenge, die wir je gehabt haben. Für ein existierendes Team wäre das winzig, aber für uns ist es massiv", so Lowdon. Außerdem sei Cadillac perfekt im Zeitplan. Im Dezember wurde das Auto mit Ferrari-Motor zum ersten Mal gestartet, darauf folgten ein Besuch auf dem Prüfstand, ein Filmtag in Silverstone und der Shakedown in Barcelona. "Wir haben bei anderen Teams gesehen, dass das keine Selbstverständlichkeit ist", spielte der Teamchef auf die Sorgenkinder Aston Martin und Williams an.
Cadillac muss sich erst integrieren: "Noch keinen Boxenstopp gemacht!"
Wo sich der Cadillac in der Hackordnung einreiht, ist nach einem geheimen und einem öffentlichen Test schwer zu sagen. Ein Blick auf die Zeitentabellen lässt vermuten, dass es wohl im hinteren Drittel des Felds sein wird. Nur am Donnerstag in Bahrain schaffte es Bottas unter die Top-10, jedoch mit über zwei Sekunden Abstand zur Bestzeit. Testzeiten sind aber immer mit Vorsicht zu genießen.
Trotz der zu wünschen übriglassenden Rundenzeiten und der immer wieder auftretenden Komplikationen ist Lowdon zufrieden mit dem ersten Formel-1-Auto von Cadillac. "Wenn wir ein massives Zuverlässigkeitsproblem oder ein offensichtliches Handling-Problem hätten, dann wäre das natürlich eine Sorge. Aber das haben wir nicht. Es ist eine gute Basis, auf der wir etwas aufbauen können. Das ist wahrscheinlich das meiste, das du von einem neuen Team verlangen kannst, außer wir vollbringen ein Wunder", gab sich der Teamchef realistisch.
Der US-Rennstall macht keinen Hehl daraus, dass ein kompletter Neueinstieg in die Formel 1 kein Spaziergang ist und setzt die Erwartungen an Erfolge daher niedrig. "Es sind so viele Systeme, in die du dich erst integrieren musst. Wir haben noch nie einen Boxenstopp gemacht. Aber wir sind auf dem Boden der Tatsachen und wissen, wie schwer dieses Spiel ist. Wir wollen nicht nur hier sein, wir möchten wirklich etwas aufbauen und ich habe das Gefühl, dass wir das Zeug dazu haben."
Cadillac mischt sich nicht 2026er Diskussion ein
Nicht nur das Auto sei eine solide Plattform, auch das Team habe eine gute Basis für Wachstum. Mit Valtteri Bottas und Sergio Perez hat Cadillac eine der erfahrensten Fahrerpaarungen des Felds verpflichtet. Das erntete ihnen Kritik, doch ist vor allem am Anfang eine große Hilfe für den Rennstall, der noch in den Kinderschuhen steckt. "Wir bekommen direkt akkurates, durchdachtes und wertvolles Feedback, speziell über das Handling. Und sie sind schnell. Das ist genau das, was wir wollten. Das ist, was du von einem Formel-1-Fahrer möchtest", verteidigte Lowdon die Entscheidung.
Dass der Status als Neueinsteiger auch Vorteile haben kann, zeigt sich in der Diskussion um die 2026er Autos. Max Verstappens scharfe Kritik an den neuen F1-Boliden löste hitzige Reaktionen von Fahrern und Teams aus. Cadillac lehnt sich in diesem Wortgefecht entspannt zurück, wie Lowdon erklärte: "Das ist eines der positiven Probleme, die wir haben. Das [2026er Auto, Anm. d. Red.] ist unser erstes. Unser 2025er Autos existierte nur im Windtunnel und im Simulator, aber nie in Echt. Deshalb beschäftigen wir uns nicht damit. Wir schauen nach vorne. Wir starten mit einer frischen Perspektive."
Cadillac kann sich aus der Diskussion um die 2026er Autos halten, aber nicht aus diesem Drama: Hollywood-Star Micheal Bay hat rechtliche Schritte gegen den US-Rennstall wegen seines Launch-Videos eingelegt! Warum? Das erfahrt ihr hier:



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