Rekuperieren statt Vollgas, Ausrollen statt Vollbremsung. Die neuen Power-Units sorgen nach den ersten Testkilometern für viel Gesprächsstoff. Ab dieser Formel 1-Saison macht der Elektroanteil der Motoren rund 50 Prozent aus. Dadurch sind die Piloten gezwungen, ihre Fahrweise anzupassen. Denn obwohl die Leistung der MGU-K von 120 kW auf 350 kW (umgerechnet etwa 476 PS) erhöht wurde, dürfen maximal neun Megajoule pro Runde rekuperiert werden. Das entspricht etwa 2,5 kWh.
In der ersten Testwoche in Bahrain legten die Piloten bereits eine neue Fahrweise – Herunterschalten in Kurven, Lift & Coast auf Quali-Runden - an den Tag, um eine optimale Energiegewinnung zu erzielen. "Es fühlt sich nicht wie die Formel 1 an, sondern vielmehr wie Formel E auf Steroiden", fiel das erste Fazit von Max Verstappen ernüchternd aus. Auch Lewis Hamilton äußerte sich kritisch – und laut Fernando Alonso könnte selbst ein Koch die aktuellen F1-Boliden pilotieren. Aussagen, die dem Sport aktuell schaden – so sieht es zumindest Sebastian Vettel.
Das unterscheidet die 2026er-Antriebe von den Power Units der Vergangenheit.
F1-Champion mahnt zur Geduld
"Dieses Gefühl, wenn die Autos mega cool zu fahren sind, transportiert man nach außen, und dann ergibt sich auch das Bild, dass es wirklich Helden sind, die diese Autos bändigen können wie damals die PS-Monster. Wenn der Fahrer das aber nicht mehr selbst transportiert, weil das Auto auch der Koch fahren könnte und es langweilig ist, dann ist es nicht gut für den Sport", sagte Vettel bei Sport und Talk. Obwohl Vettel als Verfechter eines "grünen Motorsports" gilt, warnt er die Verantwortlichen davor, den wahren Kern des Motorsports aus den Augen zu verlieren. "Die DNA der Formel 1 darf nicht verloren gehen. Die Fahrer vertreten zu Recht die Ansicht, dass es die Königsklasse ist und hier die schnellsten Autos sind", meinte Vettel.
In seiner aktiven F1-Karriere erlebte er einen ähnlichen Regelumbruch mit. Wie Verstappen & Co heute, sparte Vettel 2014 nicht mit Kritik, als die 1,6 Liter Sechszylindermotoren eingeführt wurden. Abseits des Malaysia GP bezeichnete er die Motoren als "Shit" und stellte klar: "Wenn es nach mir ginge, dann hätten wir einen V12 im Heck und würden den ganzen Batteriekram im Handy lassen." Mittlerweile hat sich seine Einstellung verändert. Heute hält er die Formel 1 absolut für den richtigen Ort, "um Veränderungen zu bewegen und zu inspirieren."
Vettel: Wird sich alles einpendeln wie 2014
Entsprechend mahnt er seine ehemaligen Fahrerkollegen zu mehr Geduld. "Ich glaube, dass man sich jetzt noch kein Fazit erlauben darf - dafür ist es einfach zu früh." Gleichzeitig kann er die negative Stimmung bei so manchem Fahrer nachvollziehen. "Aus Fahrersicht möchte man, dass die Autos schnell und aggressiv sind. Man möchte pushen können und nicht so sehr damit beschäftigt sein, irgendwelche Knöpfe zu drehen oder in irgendeinem Modus festzuhängen und von einem Meeting ins andere zu gehen. Man muss aber auch ehrlich sein, dass das die moderne Formel 1 ist", so Vettel.
Auch beim Regelumbruch von 2013 auf 2014 hätte es sehr viel Kritik gegeben, doch nach ein bis zwei Jahren hatte sich alles eingespielt. Gleiches erwartet Vettel auch dieses Mal. "Die Herausforderung ist schon sehr groß, die Änderungen sind recht einschneidend, aber ich denke, es wird sich alles einpendeln", meinte Vettel und mahnte gleichzeitig davor, nicht zu vergessen, die komplexen Regeln auch den Fans zu erklären. Andernfalls würde man Gefahr laufen, sie zu vergraulen. "Die Formel 1 ist momentan total in. Die Leute finden den Sport richtig cool. Umso wichtiger ist es, dass man den Fans erklärt, was jetzt passiert und was hinter den Regeln steckt, damit man weiter auf diesem Hoch bleibt."
Diese Woche startet der zweite Teil der Formel-1-Testfahrten. Wo und wann wird die letzte Generalprobe vor Melbourne übertragen? Motorsport-Magazin.com hat die Antwort!



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