Formel 1 in Katar – Die Verlierer

McLaren
Was war DAS bitte? McLarens Strategieabteilung verrannte sich beim Formel-1-Rennen in Katar in Nebensächlichkeiten und verlor dabei das Offensichtliche aus den Augen. Double-Stack, die Möglichkeit eines weiteren Safety Cars und vor allem die Angst vor der Fahrt in Verkehr, den es letztendlich nie gab… Alles nicht relevant. Und alles nicht wert, dass man dafür einen Boxenstopp liegen lässt, der fast zum Nulltarif kommt. Klar, im Nachgang ist leicht reden, aber die homogene Entscheidung der Konkurrenz zeigt, dass in Runde 7 eigentlich die Strategie für das Rennen auf der Hand lag. Eine klare "Fehlentscheidung", wie auch Zak Brown zugab.

Alle im DRS-Zug
Eigentlich müssen die neutralen Formel-1-Fans McLaren dankbar sein. Denn ohne den Fauxpas der Papaya-Strategen und den daraus hervorgehenden unterschiedlichen Strategien wäre der Katar-GP eine noch zähere Angelegenheit geworden. Das bewiesen alle Fahrer dahinter. Strategischer Einheitsbrei (wenn auch aus guten Gründen), null Reifendelta und das alles auf einer überholfeindlichen Strecke. Das spricht für eine Prozession anstelle eines Rennens. Und genau das gab es auch. Racing-Bull-Pilot Isack Hadjar brachte es auf den Punkt. "Ich hatte George im Griff, als er schneller als ich war. Aber er hätte noch 100 Runden hinter mir bleiben können. Es war einfach schlechtes Racing", so der Franzose, der nach seinem Ausfall kurz vor Schluss ohnehin bedient war: "Ich hätte zuhause bleiben sollen. Was für eine Zeitverschwendung."

Ferrari
Wie weit nach unten kann es für die Roten noch gehen? Ferrari war in Katar im tiefsten Mittelfeld angekommen. Charles Leclerc und Lewis Hamilton haderten nicht nur mit ihrem zickigen Auto, sondern vor allem mit der Gesamtsituation. Die miese Laune bei den Fahrern schlägt beinahe schon in Depression um. In erster Linie bei Hamilton, dessen wortkarge Frust-Auftritte von Woche zu Woche alarmierender klingen. Die Winterpause kann für die Scuderia nicht schnell genug kommen. Es droht die erste Sieglos-Saison in der Ground-Effect-Ära. In der Konstrukteurs-WM ist man jetzt schon garantiert nur Vierter.

Formel 1 in Katar - Die Gewinner

Max Verstappen
Eigentlich dürfte Max Verstappen schon längst nicht mehr im Formel-1-Titelkampf sein. Eigentlich hätte er es nie sein dürfen. Wir erinnern uns an die 104 Punkte Rückstand nach Zandvoort. Aber McLaren hat in den letzten Wochen alles dafür getan, um den Niederländer die Chance auf seinen fünften Titel zu erhalten. Dabei darf natürlich nicht untergehen, dass Verstappen diese Vorlagen auch erst einmal so gut exekutieren muss. In Katar war McLaren eigentlich schneller, Verstappen profitierte im Rennen aber nicht nur von dem Strategiefehler der Papayas, sondern hatte sich schon zuvor Lando Norris am Start geschnappt. In Abu Dhabi muss noch einmal so eine makellose Vorstellung her, damit er seinen fünften WM-Titel einfahren kann. Das, und er braucht erneut etwas Schützenhilfe aus Woking.

Carlos Sainz
In der ersten Saisonhälfte hatte Carlos Sainz alles Pech der Welt gepachtet. Schnell war er im Williams spätestens seit Mai, doch seit der Sommerpause ist er nicht nur der beste Mittelfeld-Pilot, sondern hat auch noch das Quäntchen Glück auf seiner Seite. Das kam zu seiner starken Vorstellung in Katar dazu, wo er mit dem Start und dem McLaren-Fauxpas P3 übernahm und bis ins Ziel halten konnte. Sein zweites Williams-Podium nach Baku war im Grund genauso wie das erste: Selbst perfekt gefahren und von Fehlern profitiert.

Leonardo Fornaroli
In der Formel 1 hatten in Katar nur wenige Fahrer Grund zum Jubeln. In der Formel 2 allerdings einer dafür umso mehr. Der Italiener Leonardo Fornaroli krönte sich am Sonntag schon ein Rennwochenende vor Schluss zum Champion. Nach seinem F3-Titel ein Jahr zuvor hat er also denselben Durchmarsch hingelegt wie vor ihm Gabriel Bortoleto oder Oscar Piastri. Das Interesse von F1-Teams an ihm ist aber überschaubar, für ein Stammcockpit war er ohnehin nie im Gespräch. Er ist nicht einmal Teil irgendeines Nachwuchsprogrammes. Der Mann, der mit Diego Menchaca denselben Manager hat wie Yuki Tsunoda, saß auch schon einmal im Red-Bull-Simulator, konnte dort aber offenbar nicht überzeugen.

In Katar flammte auch noch einmal die Rivalität zwischen Red Bull und Mercedes mit unverminderter Schärfe auf. Denn im Lager der Bullen hatte man nach dem Rennen schwere Vorwürfe gegen Kimi Antonelli erhoben. Mehr dazu im Video:
Inzwischen hat sich Red Bull dafür entschuldigt.

Hat Mercedes Norris vorbeigelassen? Wolff attackiert Marko (09:52 Min.)