Warum müssen die Formel 1-Teams im Rennen zwei Mal stoppen? Warum hat sich Pirelli überhaupt dazu entschieden, die Rundenanzahl der Reifen zu limitieren? Was bedeutet das für die Show? Motorsport-Magazin.com beantwortet die wichtigsten Fragen zum Katar GP.
1. Wann ist die Entscheidung gefallen und wer hat sie getroffen?
Erst vor wenigen Wochen, genauer gesagt am 17. November, gab Pirelli bekannt, dass die Rundenanzahl der Reifen beim Katar GP aus Sicherheitsgründen limitiert werden. Die Entscheidung fiel allerdings bereits im März dieses Jahres gemeinsam mit den Teams, der Formel 1 und der FIA. "Wir haben den Teams den Vorschlag unterbreitet und es gab keine Einwände oder negativen Kommentare", erklärte Pirelli-Chef Mario Isola.
2. Worin genau besteht das Sicherheitsrisiko?
Der Lusail International Circuit ist eine sehr schnelle und flüssige Rennstrecke, die ursprünglich für Motorradrennen konzipiert wurde. Der Reifenverschleiß ist recht hoch. Im Gegensatz dazu ist der thermale Verschleiß und somit der Performance-Verlust, ziemlich gering. Daher sahen die Teams im Vorjahr keinen strategischen Grund die Reifen zu wechseln, was mehrere Reifenschäden zur Folge hatte. Pirelli untersuchte nach dem Rennen die Reifen genau und kam zu dem Ergebnis, dass zahlreiche Reifen - vor allem links vorne - ihr Verschleißlimit erreicht hatten. "Einige Reifen waren kurz vor dem Versagen. Man konnte sehen, dass kein Gummi mehr vorhanden war und die Konstruktion freigelegt war. Die Konstruktion ist aber nicht dafür ausgelegt, auf Asphalt zu fahren. Das birgt natürlich ein Risiko", erklärte Isola.
3. Warum wurde die Rundenanzahl auf 25 beschränkt?
"Angesichts der Erfahrungen aus dem letzten Jahr gibt uns die Zahl die Gewissheit, dass es sich um eine sichere Kilometerleistung handelt, die darüber hinaus keine Probleme mit den Sprint- und Sprint-Qualifying verursacht", erklärte Isola. Die Distanz von 25 Runden entspricht laut Pirelli der „normalen Nutzung" eines Reifensatzes und stellt somit für die Teams keine Einschränkung über das Wochenende dar. "Der Sprint umfasst 19 Runden. Wenn die Teams also nur einen Satz verwenden wollen, haben sie in jedem Fall 19 Runden für den Sprint plus sechs Runden, die ihnen für das Sprint-Qualifying zur Verfügung stehen", rechnet Isola vor. Im Grand Prix müssen die Teams definitiv zweimal stoppen.
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4. Wie werden die 25 Runden gezählt und droht eine Strafe bei mehr als 25 Runden?
Grundsätzlich zählt jede gefahrene Runde, ausgenommen sind die Reconnaissance-Laps auf das Grid, die Formationsrunden und die Auslaufrunden im Sprint und im Rennen. Die Runden unter VSC oder Safety-Car zählen hingegen als reguläre Distanz. "Alle Runden werden gezählt, sonst ist es unmöglich, um erstens eine Berechnung durchzuführen und zweitens, dass der Zuschauer versteht, was passiert", erklärte Isola. Wenn ein Fahrer mehr als 25 Runden auf einem Reifensatz absolviert, wird der Verstoß den Rennkommissaren gemeldet. Auf die Frage, ob das Nichteinhalten der 25 Runden im schlimmsten Fall die Disqualifikation des Autos zur Folge haben kann, antwortete Isola: "Das ist eine gute Frage. Ich denke nicht, dass es automatisch eine Disqualifikation zur Folge hat, aber ich will mich da lieber nicht festlegen, ohne es vorher nochmals geprüft zu haben."
5. Was ist, wenn die Boxengasse aus Sicherheitsgründen gesperrt wurde und der Fahrer nicht an die Box kommen kann?
Wenn ein Fahrer die festgelegte Maximaldistanz der Reifen überschreitet, weil die Boxengasse geschlossen ist, kann die Rennleitung entscheiden, die Maximaldistanz zu verlängern. "Das ist eine Ausnahmesituation, daher obliegt die Entscheidung der Rennleitung. Entscheidend ist, dass kein Team dies als Grauzone ausnutzt", so Isola.
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6. Was passiert im außergewöhnlichen Fall eines Regenrennens? Gilt die Limitierung auch für den Regenreifen/Intermediate?
Auch wenn in Katar eher die Hitze ein Problem darstellt, ist man sich bei Pirelli bewusst, dass das Wetter immer ein unkontrollierbares Element bleibt. Aktuell gilt die Begrenzung auf 25 Runden für die Slick-Reifen der Kategorien C1 bis C3. Allerdings schließt Pirelli nicht aus, dass auch die Rundenanzahl der Regenreifen und Intermediates beschränkt wird. "Der Asphalt in Katar ist ziemlich aggressiv. Das ändert sich auch bei Regen nicht", meinte Isola.
7. Warum hat es die Einschränkung der Rundenanzahl nicht schon 2024 gegeben?
Dazu muss man wissen, dass es bereits vor zwei Jahren ein Rundenlimit gab. Aufgrund der aggressiven Pyramiden-Kerbs legte Pirelli damals die maximale Stintlänge pro Reifensatz auf 18 Runden fest. " Die Strecke wurde danach modifiziert, sodass es letztes Jahr keine Probleme mehr mit Rissen in der Außenschicht der Karkasse gab. Die Änderung war also erfolgreich", so Isola. Dafür trat 2024 die Problematik eines übermäßigen Verschleißes auf. "Darauf haben wir dieses Mal im Vorfeld reagiert", sagte Isola.
8. Droht den Fans in Katar eine Wiederholung des Monaco GP 2025?
Laut Pirelli besteht keine Gefahr, dass Katar zu einer Farce wie Monaco wird. Selbst die Tatsache, dass die Teams nur 25 Runden auf den Reifen fahren dürfen, heißt nicht, dass es keine Strategie-Optionen gibt. "Das 25-Runden-Limit bietet in einem 57-Runden-Rennen in jedem Fall eine gewisse Flexibilität. Vielleicht startet man auf dem weichen Reifen und legt nach einem kurzen Stint den ersten Stopp ein. Die Teams können definitiv mit der Strategie spielen", betonte Isola.



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