McLaren erlebte am letzten Wochenende in Las Vegas den Albtraum aller Formel-1-Teams. Beide Autos wurden nach der Zielflagge disqualifiziert, weil die Skid-Blocks an der Planke am Unterboden zu stark abgenutzt waren. Ein herber Rückschlag in einem Titelkampf, in dem Max Verstappen zuvor trotz seines Sieges so gut wie erledigt zu sein schien.

Lando Norris trug die Disqualifikation mit Fassung. Er sagte vor dem Katar-GP: "Es fiel mir ziemlich einfach, es hinter mir zu lassen, ein paar freie Tage zu haben und an diesem Wochenende zurückzukommen." Dennoch gab auch er zu: "Es tut natürlich weh. Es geht sehr viel Arbeit von allen in jedem Wochenende und es fühlte sich an, als ob diese ganzen Mühen einfach sehr schnell verschwunden sind."

Lando Norris der größte Verlierer: Hatten DSQ schon erwartet

Lando Norris war der größte Verlierer der Disqualifikation. Ohne diese wäre er in der WM schon um 30 Punkte enteilt gewesen und hätte realistisch gesehen nur noch Oscar Piastri als Gegner gehabt, während Verstappens Titelchancen eher theoretischer Natur gewesen wären. So ist nicht nur der Australier nach wie vor weniger als einen Rennsieg entfernt, sondern vor allem auch Max Verstappen.

Einer der Gründe, warum Norris den Ausschluss dennoch relativ locker wegsteckt, ist, dass dieser für ihn nicht aus dem Nichts kam. "Wir erwarteten es schon ein bisschen. Es war also nicht ein Schock, der aus dem Nirgendwo kam. Ich denke, wir waren ziemlich darauf vorbereitet, dass das das Resultat sein könnte."

Der ursprünglich Zweitplatzierte hatte über die gesamte Renndistanz mit 'Lift-and-Coast' versucht, den Unterboden-Verschleiß zu managen, nachdem McLaren am Rennsonntag von starkem Porpoising überrascht worden war und früh schon um die Legalität seiner beiden Boliden zitterte. Wie viel das Lupfen brachte, lässt sich schwer sagen. "Es war nur in einigen Abschnitten effektiv. In anderen Teilen der Strecke war es kontraproduktiv", stellte Teamchef Andrea Stella fest.

Oscar Piastri: Wir wussten nicht, wie schlimm es war

Piastri hatte etwas weniger Management betrieben, was einerseits daran lag, dass er sich häufiger im Verkehr befand und somit weniger Spielraum hatte, um zu lupfen. Andererseits war am Auto des Australiers auch früh im Rennen ein Sensor kaputtgegangen und man war somit ohne Abnutzungsdaten unterwegs. "Wir wussten nicht, wie schlimm es war", betonte der WM-Zweite.

Die Teams können die Abnützung zwar nicht direkt messen, verwenden aber in der Regel Beschleunigungssensoren, welche die Oszillationen beim Aufsetzen des Autos messen. Durch diese kann grob der Verschleiß der Unterboden-Planke errechnet werden. Ohne den Sensor war Piastri aber im Blindflug unterwegs und das Team konnte nur über optische Eindrücke und über die Daten von Norris Rückschlüsse ziehen.

Für Piastri ist die Disqualifikation objektiv betrachtet halb so wild. Denn durch diese gewann er praktisch sechs Punkte auf seinen Teamkollegen. Von einem Gewinn wollte er dennoch nicht reden. "Letztendlich ist es nie eine gute Sache, so ein Resultat zu haben, wie wir es hatten", sagte der Australier.

"Natürlich verhindert es, dass ich sechs Punkte gegen Lando verliere, aber es bringt auch Max viel näher in den Kampf. Deshalb denke ich, dass es insgesamt immer noch ein Netto-Verlust ist", führte er weiter aus. "Aber offensichtlich ist es immer noch ein ziemlich schwieriges Wochenende für das Team und ein schmerzhaftes Ende."

Piastri erfuhr von der Disqualifikation am Flughafen

Auch Piastri gab an, dass er schon ziemlich früh von einer Disqualifikation ausging, auch wenn er von der Entscheidung erst erfuhr, als er in Las Vegas schon am Flughafen war. "Ich wusste, dass wir in Problemen waren, als ich noch an der Strecke war. Wenn man für irgendetwas, aber vor allem für so etwas, zu den Stewards gerufen wird, dann kann man nur noch zu einem gewissen Maße optimistisch bleiben", so der siebenfache Saisonsieger. "Ich wusste also zu diesem Zeitpunkt, dass es für uns nicht gut aussieht."

Im Nachgang an das Rennen hatte das Papaya-Team noch sein übliches Programm rund um die Fahrer-Debriefs absolviert, und versucht die voraussichtliche Disqualifikation bestmöglich abzuhaken. "Wir haben alles sehr normal durchgezogen", betonte auch Norris.

Beide Fahrer erklären, dass mitnichten eine zu kleine Risikomarge der Auslöser für das Problem gewesen sei, sondern vielmehr die unvorhersehbaren Umstände rund um das Porpoising. Piastri meinte: "Es ist nicht so, als ob wir Extrarisiko genommen hätten. Wir haben eigentlich auf Sicherheit gespielt, in Anbetracht der Tatsache, dass wir so wenig Training hatten. Es sind nur dann Dinge passiert, die wir nicht erwartet hatten."

Las Vegas ist in zahlreichen Aspekten eine außergewöhnliche Strecke, und zudem kamen am vergangenen Wochenende noch weitere äußere Umstände dazu. Deshalb gehen die Fahrer nicht davon aus, dass das Porpoising und damit einhergehend die Regelkonformität ihrer Unterboden-Planke bei den restlichen beiden Rennen ein Problem darstellen wird.

F1 Las Vegas: McLaren erklärt DSQ - Norris: War kein Schock (09:53 Min.)

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