Oscar Piastri schwimmen in der Formel-1-Saison 2025 langsam alle Felle davon. Vor dem Rennen in Las Vegas an diesem Wochenende liegt er in der Tabelle deutlich hinter WM-Rivale Lando Norris. Der Überflieger der ersten Jahreshälfte ist nach Fehlern, Strafen und Unfällen auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Die Weltmeisterschaft ist in den Hintergrund gerückt. Auf den letzten Metern im Titelkampf beschäftigen ihn das Krisenmanagement und der Blick über 2025 hinaus.

"Letztendlich ziehe ich die Lehren nicht nur, um mich in dieser Saison zu positionieren, sondern auch, weil ich für den Rest meiner Karriere in der Lage sein will, jede Gelegenheit zum Sieg wahrzunehmen. Manchmal sind diese bitteren Pillen hart zu schlucken aber sie sind ein Teil davon, das zu realisieren", gibt sich Oscar Piastri vor dem 22. Saisonrennen in Las Vegas abgeklärt.

Seit fünf Rennen stand er nicht mehr auf dem Podium und verlor in diesem Zeitraum die WM-Führung an Lando Norris . Aus einem Vorsprung von 34 Punkten ist ein Rückstand von 24 geworden. In Brasilien lief es mit einem Unfall im Sprint sowie einer Strafe und Platz fünf im Rennen alles andere als planmäßig. Den WM-Kampf will er jetzt nicht mehr im Hinterkopf haben.

Oscar Piastri will nichts mehr vom WM-Kampf wissen

"Ich denke, das Beste was ich jetzt machen oder versuchen kann, ist, jedes Wochenende die maximale Performance aus mir und dem Auto zu holen. Wenn mir das gelingt, kann ich mich in die beste Position für Rennsiege bringen, und das wird mir in der Meisterschaft helfen", so sein Ansatz für den mentalen Reset.

Und der klingt verdächtig nach dem des geläuterten Lando Norris, je mehr Piastri darüber spricht: "Das ist alles, worauf ich mich im Moment fokussiere - oder worauf ich mich fokussiert habe. Das ändert sich nicht. Es wird natürlich jetzt schwieriger, zu gewinnen, aber die Einstellung, aus jedem Wochenende das Maximum herauszuholen, ist immer noch die gleiche."

McLaren-Teamorder von Monza belastete Oscar Piastri

Seit seinem Sieg in Zandvoort ist ihm das jedoch nicht mehr gelungen. "Nach Mexiko habe ich mich wieder ziemlich wohlgefühlt und habe die Dinge gelernt, die ich lernen musste. Anstatt auf die Zahlen zu schauen, muss ich mich mehr meinem Gefühl widmen. Das ist schwierig zu lernen, aber ich fühle mich damit jetzt viel besser", beteuert der McLaren-Fahrer.

Dabei war es nicht nur die WM-Tabelle die ihn in der zweiten Saisonhälfte belasteten. Vor allem die McLaren-Teamorder von Monza nagte an ihm. In Italien musste er Norris vorbeilassen, nachdem die Pitcrew dessen Boxenstopp vergeigt hatte, wodurch der Brite hinter ihn zurückgefallen war.

"Es gab in diesem Jahr ein paar schwierige Momente, auch schwierige Diskussionen. Das ist Teil des Spiels, wenn du um die Weltmeisterschaft kämpfst. Hier zählt alles", zeigt sich der 24-Jährige auch in diesem Punkt gewohnt rational. "Es gibt einige Hindernisse auf deinem Weg und du musst diese Dinge zusammen als Team behandeln. Es gibt hier im Feld keinen, der mit jeder Entscheidung immer ausnahmslos zufrieden war, egal ob seitens des Teams, der Stewards, oder seiner eigenen."

Formel-1-Krise von Oscar Piastri gar nicht so schlimm

Nach sieben Saisonsiegen waren die Fehlschläge der vergangenen Wochen für ihn schwer zu verdauen. So dramatisch, wie es für Außenstehende anmutet, ist es für ihn allerdings nicht. "Bei ein paar Rennen musste ich mich am Kopf kratzen und herausfinden, was passiert war. Andere Rennen kann man hingegen unter der Kategorie 'die schwierige Welt des Motorsports' abhaken", so Piastri. der eigentlich nur an zwei Wochenenden an sich zweifelte.

"Austin und Mexiko waren ziemlich anders als die restlichen Rennen, die nicht so erfolgreich liefen. Das Pace-Defizit war deutlich und etwas Fundamentales hat nicht funktioniert", sagt er. "Aber andere Rennen waren einfach eine Kombination von Dingen, die schiefgingen. Baku war, was es war. Aber Singapur war was die Performance angeht eigentlich ziemlich solide, nur das Rennen lief nicht, wie ich es wollte."

Selbst das Chaos-Wochenende in Brasilien hatte für ihn noch positive Aspekte. "Der Sprint-Unfall hatte keinen großen Einfluss auf den Rest des Wochenendes. Einige Dinge, die daraus resultierten, waren sub-optimal. Die Pace war in Brasilien eigentlich ziemlich gut. Es sind nur einige Dinge passiert, weshalb die Resultate dann nicht stimmten", so Piastri weiter. "Es ist für mich also kein schlechter Lauf von Rennen, die alle aus den gleichen Gründen so liefen."