Das erste Mal seit Baku mit beiden Fahrern in den Punkterängen und Platz sechs in der Konstrukteurswertung mit 10 Zählern Vorsprung auf ihre ersten Verfolger. Eigentlich sollte bei den Racing Bulls nach dem Großen Preis von São Paulo Feierstimmung herrschen. Doch nach dem Formel-1-Rennen war Isack Hadjar gar nicht gut auf seinen achten Platz zu sprechen.

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"Das Rennen war nicht gut. Wenn du auf Platz fünf startest und auf Platz acht ins Ziel fährst, dann ist das ein schlechtes Resultat", murrte der Rookie nach dem Grand Prix. Der sonst sehr selbstkritische Franzose hatte dieses Mal sein Team auf dem Kieker. Sein Hauptmanko war die Strategie. "Der erste Stint war gar nicht gut, da haben wir geschlafen. Danach war das Rennen in Ordnung, aber das war ein kostspieliger Fehler", bemängelte Hadjar.

Der auf Soft-Reifen gestartete Racing-Bulls-Pilot wurde erst in Runde 18 an die Box zum Reifenwechsel geholt. Davor war seine Rundenzeit bereits eine Sekunde langsamer als die von George Russell auf gebrauchten Medium-Reifen vor ihm. Daraufhin blieb er im Verkehr stecken und scheiterte am schnelleren Haas von Oliver Bearman. Sein zweiter Reifenwechsel brachte ihn wieder ans Ende des Feldes. Durch ein paar Überholmanöver und einige Fahrer, die vor ihm in die Box abbogen, konnte er sich wieder in die Punkte kämpfen.

Brasilien GP: Team-Kollision bei den Racing Bulls

Währenddessen wurde sein Teamkollege Liam Lawson, der als einer von nur zwei Fahrern lediglich einen Stopp einlegte, von den schnelleren Mehr-Stoppern an der Spitze nach hinten durchgereicht. In den letzten zehn Runden duellierte er sich mit Nico Hülkenberg, dem anderen Ein-Stopper, um den siebten Platz, als Hadjar auf die beiden auflief. Der Zweikampf wurde zum Dreikampf. Hadjar ging in der vorletzten Runde am Sauber vorbei und machte Jagd auf seinen Teamkollegen auf viel älteren Reifen.

In der letzten Runde kam es dann zur Kollision zwischen den Racing Bulls. Hajdar wollte in Kurve eins außen vorbeigehen, lenkte aber früher ein als Lawson. Das Vorderrad des Neuseeländers und das Hinterrad des Franzosen berührten sich. Hadjar verlor die Balance und musste seinen Teamkollegen wieder vorbeilassen. Weitere Angriffe blieben erfolglos und Hadjar überquerte die Ziellinie 0,231 Sekunden hinter Lawson.

"Er ist einfach in mich hineingefahren", funkte Lawson wütend nach dem Zusammenstoß. "Ich will diese Runde beenden, wir werden das später besprechen", lautete die Antwort von seinem Renningenieur Ernesto Desiderio. Die Stewards sahen sich den Vorfall nicht an, auch in den Interviews nach dem Rennen war keine Rede davon.

52 Runden auf Medium-Reifen: Liam Lawson neuer Verteidigungsminister?

Ganz anders als sein Teamkollege war Lawson sehr glücklich mit seinem Wochenende und der Strategie. "Wir mussten etwas ausprobieren. Bei meinem ersten Reifenwechsel habe ich schon einige Positionen verloren, bei einem zweiten wären es noch mehr gewesen. Deshalb haben wir uns für nur einen Stopp entschieden. Es ist sich gerade so ausgegangen", schilderte der 'Neuseeländische Verteidigungsminister', wie ihn sein Renningenieur nach dem Rennen am Funk nannte.

Hätte Lawson ein zweites Mal gestoppt, wäre er hinter Hadjar gelandet und hätte sich wie sein Teamkollege durchkämpfen müssen. Doch dem VCARB02 fehlte in Brasilien die Pace, um mit den Top-Teams und den schnelleren Autos wie dem Haas mitzuhalten. Mit der riskanten Strategie verbrachte er 52 Runden auf dem Medium-Reifen, fuhr als Siebter über die Ziellinie und die Racing Bulls nehmen 10 Punkte aus Interlagos mit.

Trotz seiner schlechten Stimmung kann Hadjar noch das Positive sehen: "Es war kein guter Tag für mich, aber punktemäßig war es ein guter Sonntag. Ich hatte auch etwas Spaß im Rennen, habe viel gelernt, viele Überholmanöver, viel verteidigt. Aber für die Anstrengung waren es am Ende nicht genügend Punkte." In der Konstrukteurswertung haben die Racing Bulls nun den hart umkämpften Platz sechs inne – zumindest vorerst bis zum Formel-1-Rennen in Las Vegas.

Einen Überblick zum harten Kampf um P6 in der Konstrukteurs-WM gibt es hier: