Zwei Punkte sind der Lohn eines guten Wochenendes von Nico Hülkenberg bei der Formel 1 in Brasilien. Was insgesamt wie eine solide Leistung anmutet, hinterlässt am Sonntagabend nach dem Rennen dennoch einen etwas bitteren Beigeschmack. Ein schlechter Start warf Hülkenberg nämlich zurück in einen störenden Williams-Stau, und kostete womöglich einige Punkte mehr.

Hülkenberg hatte sich nach seinem ersten echten Q3 der Saison 2025 eigentlich auf Platz 10 in einer guten Ausgangsposition für das Rennen befunden, doch die ersten fünf Kilometer waren kostspielig. Erst wurde er durch das Senna-S von Fernando Alonso überholt. Im kurvigen Mittelteil suchte Hülkenberg nach Platz für einen Gegenangriff, doch ein mutiges Danebensetzen außen in Kurve 9 ließ sich Alonso nicht gefallen.

Fernando Alonso vor Nico Hülkenberg im Rennen der Formel 1 von Brasilien
Alonso lag anfangs vor Hülkenberg, Foto: IMAGO / MAXPPP

Auf dem Kerb ließ er Hülkenberg keinen Platz, der Sauber saß auf, und sofort schummelte sich Alex Albon vorbei. Wenige Kurven später folgte auch noch Carlos Sainz im zweiten Williams, wodurch Hülkenberg nur mehr auf Rang 13 lag. Seine Funk-Beschwerde, Alonso habe ihn rausgedrückt, verlief sich im Nichts. Letztendlich war Hülkenberg nie mit seiner Vorderachse auf Höhe von Alonsos Vorderachse gewesen.

Williams hält Nico Hülkenberg in Brasilien auf - zu lange?

"Dann war es schwierig, sich zurückzukämpfen", ärgert sich Hülkenberg. Erst brauchte er bis Runde 21, um einen auf dem in Brasilien schwachen Hard-Reifen kämpfenden Fernando Alonso abzufertigen. Der Sauber schien auf dem Medium hingegen stark und mit wenig Reifenabbau gesegnet - doch nicht so wenig, dass Hülkenberg locker an der Mittelfeld-Konkurrenz vorbeifahren konnte.

So steckte Hülkenberg keine vier Runden später wieder fest, jetzt hinter Albon. Und das lange. Dass er so lange folgen konnte, zeigte eben die Reifen-Stärke seines Autos, doch er brauchte noch einmal bis Runde 33, um den Williams endlich loszuwerden. Dabei ging wohl einiges an Rennzeit verloren, denn kaum war Hülkenberg - noch ohne Stopp - endlich vorn, hatte er schon den Haas von Oliver Bearman im Heck.

Bearman war ein Zweistopper, Soft-Medium-Medium, und er hatte seinen ersten Stopp schon hinter sich. Dass er jetzt schon an Hülkenberg dran war, waren kein gutes Zeichen. Obendrauf kam Albon jetzt an die Box, und Hülkenbergs Reifen waren in keinem guten Zustand mehr. So musste er schon in Runde 36 zu seinem Stopp abbiegen, um sicher vor dem Williams zu bleiben.

Das hieß 35 Runden mit dem filigranen Soft-Reifen durchfahren. Der Hard war nie eine Option: "Wir haben immer etwas an dem Hard gezweifelt. Der ist der C2, sehr hart für diese Strecke. Da dachten wir, er sei nicht der beste Renn-Reifen." Wie übrigens fast alle. Nur drei Teams steckten den harten Reifen, der bei den kühlen Temperaturen mit nur rund 30 Grad Streckentemperatur erst recht nicht Grip aufbauen wollte, irgendwann aus freien Stücken auf.

Nico Hülkenberg fährt Monster-Stint mit Soft und scheitert an Racing Bulls

Sauber hielt an der geplanten Einstopp fest, wodurch Hülkenberg erst einmal einen Sprung nach ins Mittelfeld machte. Aber jetzt musste er den Soft-Reifen bis ins Ziel managen. Bearmans Haas konnte er nicht halten, der bekam erst in Runde 42 den deutlich robusteren Medium, zog in Runde 49 am Sauber vorbei und fuhr schnell weg. Als Hülkenbergs endgültige Gegner im Kampf um die Plätze sieben bis neun kristallisierten sich hingegen nun die beiden Racing Bulls heraus, die ganz andere aggressive Strategien fuhren.

Liam Lawson hatte schon in Runde 19 auf Medium gestoppt und dadurch einen gut 13 Sekunden großen Undercut-Vorteil gegen Hülkenberg aufgefahren - aber seine Medium-Reifen waren uralt. Trotzdem fuhr er mit ihnen das Rennen fertig. Zahlreiche andere Mittelfeld-Fahrer, darunter Isack Hadjar, hatten hingegen zur Zweistopp gegriffen und langen nun hinter Hülkenberg, hatten aber den stabileren Medium und musste daher weniger auf die Reifen aufpassen.

Hülkenberg brauchte 25 Runden, um zu Lawson wieder aufzuschließen, doch seinem alternden Soft schien das letzte Etwas für einen Angriff zu fehlen. Er blieb stecken, wodurch Hadjar bis Runde 66 aufschließen konnte. In Runde 70 schaffte es Hadjar, sich dann vorbei auf Platz acht zu drücken.

"Es waren gute, faire Fights, alles heute sehr hart, aber sauber", hatte Hülkenberg im Rennen wenigstens Spaß. "Zwei Punkte nimmt man gern mit, aber im Gesamtbild haben wir etwas Boden im WM-Kampf verloren." Dass Bearman und beide Racing Bulls vor ihm landeten, ist nicht gut für Saubers Ambitionen, Rang sechs in der Konstrukteurs-WM zu erobern. Jetzt liegen die Racing Bulls schon 20 Punkte vorn, Aston Martin 10, Haas 8. Sauber bleibt weiterhin nur auf dem neunten Rang.