Das Bild am Ende des Freitages der Formel 1 in Mexiko ist genau jenes, das McLaren nicht sehen will. Zum einen führt Max Verstappen am Ende des 2. Freien Trainings erneut das Feld an. Zum anderen sind ein Ferrari und ein Mercedes vor dem besten McLaren. Und Oscar Piastris Formtief geht weiter. Die Trainings-Analyse zeigt, dass es nicht ganz so schlimm läuft, wie das Ergebnis suggeriert, doch das Tief provoziert signifikante Probleme.
Bei Verstappen schien im 2. Training auf den ersten Blick keine Spur von Problemen. In FP1 hatte er noch zugesehen, während Red-Bull-Junior Arvid Lindblad sein Auto auf einen soliden sechsten Rang pilotiert hatte. Übrigens war Lindblad da schon nur zwei Zehntel hinter dem in FP1 viertplatzierten WM-Leader Piastri gewesen. Ein Vorzeichen, gewissermaßen.
Mexiko hat wenig Grip, der McLaren noch weniger?
Als dann Verstappen in FP2 ins Auto hüpfte, war er schnell. In den Qualifying-Simulationen legte er mit seinem einzigen Schuss eine souveräne Bestmarke von 1:17,392 hin, eineinhalb Zehntel schneller als der Rest, und zweieinhalb Zehntel schneller als Lando Norris, der in FP1 ebenfalls nur zugesehen hatte.
Fazit aus der Red-Bull-Garage danach: Wir sind die Schnellsten auf eine Runde. Das jüngste kleine Unterboden-Update des Teams scheint hierfür sicherlich kein Schaden gewesen zu sein. Nur Verstappen fuhr in FP2 damit. Teamkollege Yuki Tsunoda belegte mit alter Ausführung einen soliden siebten Platz mit weniger als einer halben Sekunde Rückstand. "Erfreulich, dass Yuki näher dran ist und auch brauchbare technische Aussagen getätigt hat", lobt Motorsport-Berater Dr. Helmut Marko.
Norris ist prompt besorgt: "Einerseits war ich schnell am Limit - aber andererseits war ich schnell am Limit ..." Auf der Suche nach dem nächsten Schritt im Qualifying-Trimm erwies sich der McLaren als bockig. Norris verbremste sich auf seiner ersten Qualifying-Simulation im Foro Sol. Nach zwei Kühlrunden schaffte er es auf den alten Reifen wenigstens bis auf 0,251 Sekunden an Verstappen heran. Selbst die optimale Runde wäre jedoch nur ein Zehntel schneller. Auf dem staubigen, griparmen Kurs in Mexiko kommt der McLaren nicht gut zurecht.
Erst recht nicht Low-Grip-Hasser Oscar Piastri. Etwas, das sein Teamchef Andrea Stella schon vor einer Woche in Austin dort für den Durchhänger ausgemacht hatte. Mexiko ist nun wieder eine Strecke mit wenig Grip, und wieder hadert Piastri. Konnte Norris den MCL39 noch halbwegs auf Kurs halten, so hatte Piastri in den langsamen Kurven zu Rundenbeginn schon permanent Mühe mit dem Heck. Durch die schnellen S-Kurven fehlte das Vertrauen, oder die Hinterreifen überhitzten nach den Rutschern davor, je nach Runde, das Resultat war nie gut.
Auf seiner besten Runde hatte Piastri einen ordentlichen Quersteher. Auf der zweiten traute er sich nicht mehr ans Gas. 0,840 Sekunden Rückstand auf Verstappen waren die Folge. "Insgesamt fühlte es sich vernünftig an", bemüht sich Piastri danach um Ruhe. "Mal schauen, was wir tun können, um es für morgen berechenbarer zu machen. Das ist das größte Ding."
Red Bull mit Update in Mexiko nur auf eine Runde schnell?
Die folgenden Longruns nahmen dem guten Verstappen-Ergebnis den Wind aus den Segeln. Jetzt war es der Red Bull, der zu viel rutschte. "Wir haben keinen Grip, das Auto ist wie Max sagt wie auf Eis", so Helmut Marko. Bis jetzt hat man noch keinen klaren Lösungsweg, das wird auf eine Simulator-Nachtschicht (oder eher Tagesschicht) in Milton Keynes hinauslaufen. Denn aktuell ist McLaren deutlich schneller.
Zwar fuhren die beiden Hauptgegner unterschiedliche Programme. Verstappen fuhr Medium-Soft, Norris umgekehrt. Aber Norris zog auf dem Soft einen richtig schnellen Stint durch, im Schnitt 6 Zehntel vor Piastri, und eine Sekunde vor dem Medium-bereiften Verstappen. So viel Zeit ist definitiv auf mehr als nur einen weicheren Reifen zurückzuführen. Als Norris am Ende auf den Medium wechselte, feuerte er mit leeren Tanks noch zwei 1:21,0er-Runden hinterher. Verstappen schaffte auf seinem Soft-Schlussspurt nur 1:21,2.
"Wir glauben, dass wir das vom Setup her deutlich verbessern können", versichert Marko. Das muss man dringend. Die Medium-Tabelle ist ein viel besseres Warnsignal als der indirekte Vergleich mit Norris. Sie zeigt deutlich, wie Verstappen tief ins Feld hineinfällt. George Russell im Mercedes war im Schnitt zwei Zehntel schneller, Kimi Antonelli ein Zehntel, Lewis Hamilton und Charles Leclerc in den Ferraris waren dem Red Bull ebenbürtig.
WM-Entscheider Mercedes & Ferrari: Für wen in Mexiko das größere Problem?
Ferrari und Mercedes untermauern in Mexiko, dass sie die Fahrer-WM entscheiden wollen. Das FP2-Ergebnis wäre in Sachen Qualifying ein Traum für Verstappen, und der Albtraum für McLaren. Tatsächlich ist der Ferrari nämlich in Mexiko wieder schnell, wer hätte das gedacht? Leclerc hatte vor dem Wochenende noch den Ball flachgehalten. Zu groß sei der Unterschied zwischen dem diesjährigen SF-25 und dem letztjährigen SF-24, der hier klar gewonnen hatte.
Dann fuhr Leclerc in FP1 Bestzeit, und in FP2 eineinhalb Zehntel hinter Verstappen auf Platz zwei. Die Topspeed-Werte schienen nicht allzu auffällig, um einen übermäßig aufgedrehten Motor zu suggerieren. Hat Ferrari aus dem Austin-Wochenende etwas dauerhaft Hilfreiches bei der Reifenvorbereitung gelernt? Das hatte Leclerc am Donnerstag als Erklärung gegeben, warum man vor einer Woche im Sprint-Qualifying so schlecht, und im Qualifying so gut gewesen sei.
Allerdings verlor Leclerc seine komplette Zeit in den langsamen ersten zwei Passagen. Da ist er wieder, der Ferrari, der seine Reifen zu Rundenbeginn nicht ins Fenster bringt. In Mexiko erst recht ein Problem, da die Reifen auf der über einen Kilometer langen Gerade richtiggehend auskühlen. Zu viel Untersteuern war bei Leclerc die Folge, erst im letzten Sektor wachte der SF-25 auf. Lewis Hamilton musste zweimal ansetzen, um eine saubere Runde hinzubekommen.
Trotzdem war Leclerc zwei Hundertstel schneller als Kimi Antonelli. Auffällig, weil Antonelli seine Runde fast 10 Minuten später fuhr. Die Strecke baut hier kontinuierlich Grip auf, eine späte Runde ist also ein merklicher Vorteil. George Russell hatte 10 Minuten früher über vier Zehntel Rückstand. Aber bei den Signalen im ersten Sektor auf Ferrari zu wetten ist wie so oft in diesem Jahr gefährlich.
McLaren im Qualifying-Tief: Hilft Lando Norris die gute Rennpace überhaupt?
Zumindest das Qualifying-Feld liegt in Mexiko also nach dem Freitag sehr eng zusammen. Auch Verstappens Vorsprung ist nicht gigantisch, aber sein Qualifying-Können steht außer Frage. McLarens Durchhänger passt währenddessen absolut zum Trend der letzten Wochen. Man kriegt auf Strecken, die dem Auto nicht perfekt passen, die Pace für eine gute Pushrunde einfach nicht mehr locker aus dem Auto.
Handeln ist nun dringend nötig. "Normalerweise sind wir freitags gut, und der Rest holt samstags auf", ist Norris bereits alarmiert. Je mehr Autos zwischen Verstappen und McLaren landen, desto schlimmer wird es. Denn Überholen ist trotz der langen Geraden in Mexiko nicht einfach. Die Luft ist dünn, das reduziert den DRS-Effekt, und obendrauf sorgt es dafür, dass der Hinterherfahrende mangels Luftfluss viel schneller zu überhitzen beginnt.
McLaren schwört hierbei auf ein hervorragendes Kühlpaket. Die Autos von Norris und Piastri fuhren am Freitag mit merklich kleineren Öffnungen als die Konkurrenz. Doch andererseits war der MCL39 generell nicht topspeedstark, verlor in der Tempomessung am Ende der Geraden aufwärts von 5 Km/h auf den Ferrari. Gleich werden Erinnerungen an Austin wach, wo Leclerc trotz schwächerer Rennpace Norris über 30 Runden lang aufhalten konnte.
Piastri muss sich mehr Sorgen über seine eigene Rennpace machen. Zusätzlich zur Qualifying-Pace. In seinem Soft-Longrun fuhr er im Mittelfeld zwischen Oliver Bearman und Nico Hülkenberg herum. An dieser Stelle sei Sauber noch einmal gesondert erwähnt. Hülkenberg holte in FP1 P3, Gabriel Bortoleto P5. In FP2 brachten sie ihre Push-Runden nicht zusammen. Aber Bortoleto fuhr den zweitschnellsten Medium-Longrun, sogar schneller als Verstappen.
Wenngleich das enge Medium-Feld vielleicht auch darauf hindeutet, dass die Reifen bislang schwierig einzuschätzen sind. Einige Fahrer fuhren starke Zeiten, begingen einen Fahrfehler, und beleidigten damit den Reifen so, dass er plötzlich mehrere Zehntel pro Runde langsamer war. Für die Teams gibt es über Nacht noch einige Hausaufgaben zu verrichten.



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