Max Verstappen in Spielberg, Charles Leclerc in Zandvoort: In der ersten Saisonhälfte den vierfachen Weltmeister und zum Start der zweiten Saisonhälfte den Ferrari-Star abzuschießen, macht sich im Lebenslauf eines Rookies nicht gut. Während Leclerc mit Kimi Antonelli in Zandvoort weit weniger hart ins Gericht ging – obwohl er dadurch ausschied – lassen Kritiker kein gutes Haar an dem 19-Jährigen.

Geht es nach Jacques Villeneuve, dem Weltmeister von 1997, hat Antonelli nichts in der Formel 1 verloren. Eine harte Äußerung, die für Christian Danner nicht unberechtigt ist. "Da ist natürlich schon ein bisschen Wahrheit dran. Die Formel 1 ist keine Schule, in der man das Rennfahren lernt, sondern die Besten aus der Schule dürfen in die Formel 1 aufsteigen", sagte Danner im AvD-Motorsport-Magazin. Was genau war passiert? In Runde 52 kam Leclerc auf frischen Soft-Reifen aus der Box. Antonelli, der einen Undercut gegenüber dem Ferrari-Piloten versuchte, war an Leclerc dran und versuchte in der Steilkurve innen vorbeizugehen.

Quoten-Max statt Wunderkind?

Dabei kam es zur Berührung, Leclerc musste seinen Ferrari direkt abstellen. Kimi Antonelli fiel durch seine in der Folge erhaltene zehn Sekunden Strafe auf Platz 16 zurück. "Das war eindeutig die Schuld von Antonelli. Er wollte sich nicht damit abfinden, dass der Undercut nicht funktioniert hatte und wollte an einer Stelle überholen, an der es eigentlich nicht geht. Das war schon ziemlich blöd", urteilte Danner über das Manöver des Italieners. Vor Saisonbeginn noch als Wunderkind gefeiert, muss sich Antonelli mittlerweile heftige Kritik gefallen lassen. In der Fahrerwertung liegt er nur auf Rang sieben, 120 Punkte hinter seinem Teamkollegen George Russell.

Auch Ex-F1-Pilot Ralf Schumacher meinte gegenüber Sky: "Ein neuer Max Verstappen ist er sicher nicht. Man könnte sagen, er ist der Quoten-Max für Toto [Wolff]." Auch Danner findet, dass der Mercedes-Rookie mit einem jungen Verstappen oder einem jungen Hamilton nicht mithalten kann. "Kimi ist ein guter Mann, aber er spielt ganz offensichtlich nicht in der Hamilton- oder Verstappen-Liga. Sie kamen in die Formel 1 und haben ihren Teamkollegen sofort an die Wand gefahren. Also nicht in die Wand, sondern an die Wand – das ist ein großer Unterschied", konnte sich Danner einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen.

Fehlt Antonelli das Arschloch-Gen?

Für ihn steckt Antonelli in einem Tief fest, aus dem er nur schwer herausfinden wird. "Es ist wahnsinnig schwierig, aus so einer Situation wieder herauszufinden und einen normalen Rennablauf hinzukriegen, weil du immer überlegst, soll ich es versuchen? Das behindert unglaublich", so der Ex-Rennfahrer. Die Kritik, dass Antonelli für die Formel 1 einfach zu nett ist, ihm also das "Arschloch-Gen" fehlt, will Danner aber nicht gelten lassen. Jeder müsse auf seine Art und Weise den Job als F1-Fahrer erledigen.

"Man kann nicht per se sagen, dass man ohne Arschloch-Gen nichts erreichen kann", meinte Danner. Allerdings gibt er zu bedenken: "Kimi ist zwar süß und nett, aber in der Formel 1 sind erwachsene Mannsbilder, die sich Saures geben und sich gegenseitig nichts gönnen. Ich wünsche mir, dass Kimi seinen Weg findet, aber einfach wird es nicht." Obendrauf steht dieses Wochenende in Italien ein Heimrennen von Antonelli an. In Monza feierte er auch vor einem Jahr sein F1-Debüt - ein Fehler, wie Mercedes-Teamchef Toto Wolff rückblickend zugibt.

"Wenn ich es jetzt so betrachte, dann haben wir Kimi unter maximalen Druck gesetzt. Ich fand es eine großartige Idee, ihn in Monza im ersten freien Training fahren zu lassen und ihn dort zu präsentieren. Das war ein Fehler", so der Österreicher. Die Verpflichtung selbst sei jedoch kein Fehler gewesen. "Kimi ist eine langfristige Investition. Wir haben diesen Weg eingeschlagen und sind voll und ganz auf dieser Mission. Einzelne Rennwochenenden oder eine Session werden unsere Meinung nicht ändern", stellte Wolff in Zandvoort klar.

Antonelli noch nicht F1-reif? Danner warnt: F1 keine Fahrschule (38:34 Min.)