Nächster Dämpfer für Kimi Antonelli! Für den Mercedes-Rookie war das erste Freie Training vor dem Großen Preis der Niederlande zu Ende ehe es richtig begonnen hatte. Antonelli war mit zu viel Speed unterwegs, verpasste in Kurve 8 den Bremspunkt, kam von der Strecke ab und blieb im Kies stecken. Damit war die Session für den 19-Jährigen nach nur sechs Runden gelaufen. Die gute Nachricht: Bei seinem Ausrutscher blieb der W16 unbeschadet, sodass Antonelli im FP2 wieder mit von der Partie ist.

Mercedes steht hinter Antonelli: Langfristige Investition

Sollte es allerdings in der zweiten Session wie vorhergesagt regnen, würde Antonelli mit kaum Trainingszeit im Trockenen in das Qualifying am Samstag gehen. Damit scheint es für den Rookie weiterzugehen wie vor der Formel 1-Sommerpause, in der sich Fehler, Ausfälle und Nullnummern häuften. Mit diesen mehrten sich die kritischen Stimmen, die den Druck des Mercedes-Cockpits für den Rookie als zu groß bewerten. "Kimi ist eine langfristige Investition", stellte Toto Wolff in der Teamchef-Pressekonferenz am Freitag klar.

"Wir haben diesen Weg eingeschlagen, wir sind voll und ganz auf dieser Mission, und einzelne Rennwochenenden oder eine Session wie die, die wir zuvor hatten [FP1, Zandvoort], werden unsere Meinung nicht ändern." Der Mercedes-Teamchef ist sich des Drucks, der auf den Schultern des 19-Jährigen lastet, bewusst und räumte ein, dass das Team in der Vergangenheit durchaus Fehler gemacht habe. "Wenn ich es jetzt so betrachte, dann haben wir Kimi unter maximalen Druck gesetzt. Ich fand es eine großartige Idee, ihn in Monza im ersten freien Training fahren zu lassen und ihn dort zu präsentieren. Das war ein Fehler", so der Österreicher.

Die Kritik, wonach andere Rookies wie Gabriel Bortoleto oder Isack Hadjar in ihrer ersten Formel-1-Saison einen besseren Job als Antonelli abliefern, will Wolff so nicht stehen lassen. Für ihn ist die Situation von Antonelli mit der der anderen Rookies nicht zu vergleichen. "Man sieht, dass die jüngeren Fahrer in den kleineren Teams gute Leistungen bringen. Ich denke, das liegt daran, dass die Erwartungen so niedrig sind, dass man sie nur übertreffen kann. Kimi hingegen sitzt in einem Mercedes. Er ist sehr präsent, seine Ergebnisse auch", erklärte Wolff. Wie sehr die Leistung eines jungen Fahrers darunter leidet, wenn er unter dem Mikroskop der Kritiker steht, zeige das Beispiel Franco Colapinto.

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Colapinto als Negativ-Beispiel für Leistungsdruck

In sieben Rennen mit Alpine hat er noch kein zählbares Ergebnis eingefahren und mit jedem Fehlschlag rückt er weiter ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Entsprechend halten sich die Gerüchte um einen erneuten Platztausch hartnäckig. "Er hat gute Rennen für Williams gezeigt. Vielleicht haben wir zu viel Druck auf ihn ausgeübt", meinte Alpine-Teamchef Flavio Briatore. "Wir müssen verstehen, was bei ihm los ist, denn er ist noch ein junger Bursche. Es ist unser Fehler, dass wir manchmal das menschliche in einem Fahrer unterschätzen und nur auf die Zeiten schauen."

Tatsächlich scheint die Unbeschwertheit, die Colapinto bei seinem F1-Debüt im Williams beflügelte, verschwunden zu sein. Neben dem Druck gute Leistung zu zeigen, muss laut Williams-Teamchef James Vowles ein weiterer Punkt berücksichtigt werden – und zwar das eng umkämpfte Formel-1-Feld in dieser Saison. "Die Piloten in der Startaufstellung trennen drei Zehntel. Schon der kleinste Fehler, der ein Zehntel kostet, bedeutet eine ganz andere Welt. Ehrlich gesagt, konnte man früher ein Zehntel hinter seinem Teamkollegen sein und niemand hat es mitbekommen", sagte Vowles.

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