Die Fahrerfrage bei Alpine lässt die Formel 1 nicht locker. Seit dem Rauswurf von Jack Doohan sind mittlerweile fast vier Monate vergangen und sein Nachfolger Franco Colapinto landete in diesem Zeitraum ebenfalls fernab der Punkte. Das stachelt natürlich die Spekulationen um eine vorzeitige Ablöse des Argentiniers an. Dazu kam noch eine Reihe von Fehlern und Unfällen, zuletzt bei Reifen-Testfahren im August.
Alpine-Teamchef Flavio Briatore tut diesen Mutmaßungen überhaupt keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Vor dem F1-Wochenende in Zandvoort nahm er angesprochen auf den 0-Punkte-Fahrer des französisch-britischen Teams kein Blatt vor den Mund und stellte unmissverständlich klar, dass er mit den Leistungen von Colapinto nicht zufrieden ist.
Briatore über Colapinto: Vielleicht war es der falsche Zeitpunkt für ihn
"Ich habe alles gesehen. Ich muss nichts mehr sehen", gab er sich unmissverständlich. "Es ist offensichtlich für diesen Fahrer sehr schwer, mit dem Auto umzugehen", so Briatore. Er stellte offen Zweifel auf, ob Colapinto der richtige Mann für das Cockpit im A525 ist. "Das Auto ist sehr schwer und sehr schnell für einen jungen Fahrer, der in die Formel 1 kommt. Vielleicht war es nicht der richtige Zeitpunkt, um Franco in die Formel 1 zu holen. Vielleicht benötigt er ein anderes Auto oder ein anderes Jahr, um in der Formel 1 zu fahren."
In der letzten Saison hatte der Argentinier als Nachfolger von Logan Sargeant bei Williams ursprünglich sehr ansprechende Leistungen gezeigt, was ihn überhaupt erst auf das Radar von Briatore und Co gebracht hatte. Erst durch eine Reihe an Unfällen gegen Saisonende erlitt sein Ruf einige Schrammen. Der Italiener hatte sich trotzdem nicht davon abbringen lassen, Colapinto im Winter aus dessen Williams-Vertrag zu kaufen und gleichzeitig den damit einhergehenden Marketing-Gegenwert in Südamerika für Alpine zu gewinnen.
Sportlich steht Colapinto nach acht Formel-1-Rennwochenenden 2025 bei null Punkten und einem besten Resultat von P13. Alpine liegt unter anderem deshalb auf dem letzten Rang in der Konstrukteurs-WM, anhand der Preisgelder ausgeschüttet werden. Alpine droht ein Schaden im zweistelligen Millionenbereich.
Flavio Briatore: Colapinto erfüllt die Erwartungen nicht
"Die Resultate sind das, was wichtig ist", betont Flavio Briatore deshalb. "Er hat sich sehr bemüht und wir haben uns sehr bemüht, ihm von der Ingenieurs-Seite alles zu geben, was er benötigt. Aber er erfüllt nicht das, was ich von Colapinto erwarte." Das klingt beinahe schon wie eine Verabschiedung des Argentiniers, der inzwischen schon deutlich mehr Geduld zugestanden bekommen hat, als es bei Doohan der Fall war.
Wir haben im Juli analysiert: Wer schnitt bei Alpine bis dahin besser ab: Colapinto oder Doohan?
Allerdings verteidigte Briatore später im Laufe derselben Pressekonferenz in Zandvoort auch wieder seinen Fahrer. "In einem Team mit einem guten Fahrer wie Pierre Gasly zu sein und an ihm gemessen zu werden, das baut etwas zusätzlichen Druck auf. Wir müssen das berücksichtigen", so der Alpine-Teamleiter. Er hob die menschliche Komponente hervor, die in dem Hochleistungssport Formel 1 gerne vergessen werde: "Wir müssen verstehen, was bei ihm los ist, denn er ist noch ein junger Bursche. Es ist unser Fehler, dass wir manchmal das menschliche in einem Fahrer unterschätzen und nur auf die Zeiten schauen."
Briatore schlussfolgerte das nicht nur mit Blick auf seinen eigenen Fahrer, sondern auch auf Kimi Antonelli, der in seiner F1-Debütsaison bei Mercedes ebenfalls viele Tiefen durchmacht. Aber zurück zu Alpine: Dort wurden schon in den Sommermonaten Meldungen laut, dass beispielsweise Valtteri Bottas Colapinto ablösen könnte. Dieser hat nun für die kommende Saison beim Neueinsteiger-Team von Cadillac unterschrieben. Doch laut Briatore stand er ohnehin nicht auf der Wunschliste von Team Enstone – allen Meldungen zum Trotz.
"Es stand nie zur Debatte, dass Bottas für Alpine fahren könnte. Ich denke Alpine hat Bottas ein bisschen bei seiner Vertragsunterschrift mit Cadillac geholfen. Wir haben etwas Marketing für ihn betrieben", schmunzelte Briatore. Obwohl er unbestritten ein guter Fahrer sei, "suchen wir nach etwas anderem", fügte er hinzu.
Damit bleibt die Frage offen, wen Alpine überhaupt anstelle von Colapinto in der Hinterhand hätte. Der Este Paul Aron wird als Ersatzpilot des Teams schon länger als potenzielle Alternative gehandelt, der möglicherweise gegen Saisonende ausgetestet werden könne. Auch der Name von Mick Schumacher, der im Sportwagen-Programm der Renault-Marke ein gutes Bild abgibt, taucht immer wieder auf. Doch nach Briatores kryptischen Aussagen ist mehr denn je unklar, wie es mit Colapinto weitergeht. In der Vergangenheit wurden derartige Ansagen auch gerne dafür genutzt, um Druck auf die Geldgeber auszuüben.



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