Die Formel 1 befindet sich gerade im verpflichteten Sommer-Urlaub. Motorsport-Magazin.com nutzt die Ruhe vor dem Herbst-Sturm und zieht in den nächsten zwei Wochen für alle 10 Teams ein Zwischenfazit: Wie liefen die ersten 14 Rennen? Ist das Team auf Kurs, oder in Bedrängnis? Es geht los mit den WM-Letzten, Alpine. Ein letzter Platz mit Ansage.
Alpines Ziel vs. Realität: "Ob wir dieses Jahr Siebter, Sechster, Achter oder Neunter werden ist nicht wirklich wichtig", hatte Pierre Gasly schon im Winter angekündigt. Es ist das letzte Jahr von Renault-Werksteam Alpine mit Renault-Motor. An der Power Unit wird wie seit Beginn der Hybrid-Ära bekrittelt, dass sie nicht genügend Leistung hat. Das Fazit: Ressourcen besser in 2026 stecken, mit Regel-Revolution und Mercedes-Kundenmotor. Trotzdem - 2024 hatte das Team über das Jahr hinweg solide Schritte gemacht. Das zu unterstreichen wäre zumindest ein guter Etappensieg gewesen.
Das Übergangs-Auto schien auch beim Bahrain-Test eigentlich gut. Wie sich herausstellte, lag das aber nicht am Auto - sondern daran, dass dem A525 einfach Bahrain auf den Leib geschneidert ist. Ansonsten ist er kaum der Rede wert. Ein untermotorisiertes, schwer auszubalancierendes Ding, das nur Veteran Gasly mit heroischen Leistungen in die Top-10 hieven kann. Für die Rookie-Rotation auf der anderen Garagenhälfte ist konstantes Extrahieren von Ergebnissen eine Nummer zu groß.
Alpines Entwicklung 2025: Besser wurde davon nichts. Das ist die unvermeidliche Folge des 2026-Fokus. Es gab nur ein größeres Unterboden-Update. Dafür musste das Team wegen Regeländerungen im Saisonverlauf sowohl Front- als auch Heckflügel versteifen. Der filigranen Balance des Autos war das nicht zuträglich. Es abzustimmen wurde im Saisonverlauf eher schwieriger als leichter.
Das zeigte etwa Österreich nur zu gut, wo Gasly im Qualifying hervorragend aussah, im Rennen desaströs abstürzte. Gasly ist der größte Lichtblick, Q3-Auftritte und Punkte sind üblicherweise mehr seiner fahrerischen Klasse und weniger dem Auto geschuldet. Dass nach sechs Rennen neben ihm Jack Doohan gegen Franco Colapinto ausgetauscht wurde, anstatt einem der beiden die volle Saison zu geben, hat keinem geholfen, mit dem schwierigen Werkzeug besser zurechtzukommen.
Alpine 2025: Kann dieses Formel-1-Auto nur eine Strecke?
Höhepunkt 2025: In Bahrain fast im Spitzenfeld
In Sachen Pace ist keine Frage Bahrain das Highlight. Der Kurs liegt dem Auto einfach, deshalb sah das Team im Test so gut aus, und Gasly brannte im Grand Prix ein wahres Feuerwerk ab. Ein sensationeller fünfter Platz im Qualifying, weniger als vier Zehntel hinter McLaren, und ein siebter im Rennen, in dem er fast Max Verstappen bis ins Ziel hatte abwehren können. Der gebeutelte Jack Doohan schaffte es beinahe in Q3 - für das zweite Auto 2025 schon ein Erfolg. Leider blieb es dabei: Das Auto kann nur Bahrain.
Tiefpunkt 2025: Eine Woche aus der Hölle nach Miami
Der Miami-GP an sich war ein durchschnittliches schlechtes Alpine-Wochenende. Gasly zauberte im Sprint Punkte aus dem Hut, das Auto war sonst zu langsam. Doch der Fokus lag auf Jack Doohan: Schlechtes Boxen-Management kostete ihm schon im Sprint-Qualifying eine Runde. Eine wahre Explosion am Funk war nicht überraschend - denn wie sich wenige Tage später herausstellte, war es sein letztes Wochenende, er wurde wie seit Monaten prognostiziert gegen Franco Colapinto ausgetauscht. Ob seine Leistungen das rechtfertigten, war zumindest diskutabel.
Das Drama bekam jedoch zeitgleich einen Twist. Kurz davor reichte Teamchef Oliver Oakes seinen Rücktritt ein. Wie später bekannt wurde, war sein Bruder wenige Tage davor in England verhaftet worden. In einem personellen Chaos übernahm plötzlich Berater Flavio Briatore wieder das Ruder - jene kontroverse Figur, die einst nach einer orchestrierten Renn-Manipulation 2008 sogar kurz aus der Formel 1 verbannt worden war. Briatore ernannte erst Wochen später Steve Nielsen als Ersatz. Und der kommt erst im September. Ausgerechnet in der wichtigen Vorbereitungsphase für 2026 ist das Team einmal mehr im Chaos versunken.
Pierre Gasly führt Rookies Doohan & Colapinto vor
Pierre Gasly
WM: 14. Platz (20 Punkte)
Note im MSM-Ranking: 2,90 (10. Platz)
Gasly hatte 2024 stark beendet, und 2025 hat er im Angesicht des ihm zur Verfügung stehenden Materials noch stärker begonnen - vielleicht ist es fahrerisch sogar seine stärkste Formel-1-Saison. Die negativen Ausreißer sind sehr selten, und bei 7 von 14 Qualifyings in die Top-10 zu kommen geht wohl über die realistischen Erwartungen hinaus. Im Rennen lassen sich solche Wunder schwerer werken. Dennoch zaubert Gasly, wenn er die Chance dazu hat. Ob fast das ganze Rennen lang in Spa sich mit schnelleren Autos hinter sich am zehnten Platz festzuklammern, oder sich im Regen von Silverstone auf den sechsten Platz zu schummeln.
Jack Doohan
WM: 21. Platz (0 Punkte)
Note im MSM-Ranking: 4,00 (20. Platz)
Sechs Rennen gaben die Gerüchte Doohan zu Saisonbeginn, und tatsächlich: Nach sechs Rennen wurde er kaltgestellt. Die Fairness dahinter ist zu debattieren. Doohan hatte seine Momente, war gelegentlich an Gasly dran. Leider hatte er auch Momente der anderen Art, wenn er in Australien in der ersten Runde crashte. Oder am Freitag in Japan vor der ersten Kurve das DRS nicht schloss. Wenngleich das Japan-Wochenende auch bizarr für ihn war. Er musste in FP1 zuschauen, während Ryo Hirakawa sein Auto fuhr. Da Doohan selbst ein Rookie war, hätte Alpine den Fahrertausch gar nicht machen müssen. Es trotzdem zu machen, und auch noch auf der Fahrerstrecke Suzuka, war sicherlich eine interessante Wahl.
Franco Colapinto
WM: 20. Platz (0 Punkte)
Note im MSM-Ranking: 4,11 (21. Platz)
Doohan ging, und Colapinto kam, sah, und schrottete. Wiederholt. Beginnend mit seinem ersten Qualifying in Imola. Die gegen Saisonende 2024 bei Williams erarbeitete Reputation eines Crash-Piloten wird er so nicht los. Wie Doohan kann Colapinto auf vereinzelte Lichtblicke verweisen, aber da er erst im Januar zum Team kam, war seine Vorbereitung noch zerstückelter als die von Doohan. Nüchtern betrachtet war der Tausch ein Nullsummenspiel, wie es auch die WM-Tabelle nahelegt.
Fazit und Ausblick für Alpine
Hoch angesetzte Ziele hatte Alpine für 2026 nicht, aber irgendwie hat es das Team in seinem letzten Jahr einmal noch geschafft, die seit einem Jahrzehnt übliche "Renault-Experience" zu kreieren. Schlechte Performance auf der Strecke, Fahrer-Kontroversen, Teamchef-Karussell, die Greatest Hits einer Ära an Fehlschlägen werden ein letztes Mal aufgewärmt. Sicher, 2025 wäre nie ein gutes Jahr geworden, selbst ohne diese ganzen Dramen. Aber ob diese Instabilität nicht auch den Fokus auf 2026 untergräbt?



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