Erst schien McLaren zu Beginn des Freitages für den Rest der Formel 1 unantastbar. Doch im 2. Freien Training tauchte der alte Meister wieder aus den Untiefen auf. Fernando Alonso, Sieganwärter und einziger McLaren-Gegner in Zandvoort? Die Trainings-Analyse fügt - leider, für Alonso - jetzt aber die ganzen Einzelteile zusammen.
Fragmentiert war das ganze 2. Training sowieso. Zwei rote Flaggen für Unfälle von Lance Stroll und Alex Albon, obendrauf eine latente Angst vor einem Regenschauer, der letztendlich nicht mehr als ein Nieseln in der ersten Viertelstunde wurde. Trotzdem schafften es die meisten Fahrer, zu ähnlichen Zeiten - kurz vor dem zweiten Abbruch - zumindest eine aussagekräftige Soft-Runde zusammenzubringen.
Rein vom Timing her ist Alonsos zweiter Platz mit nur 0,087 Sekunden Rückstand auf den beide Trainings anführenden Lando Norris also legitim. Doch die McLaren-Zeiten sind schlechter als sie aussehen.
McLaren trotz schlechtem 2. Training in Zandvoort immer noch vorn
Für Norris begann die Runde mit einem Quersteher in der ersten Kurve nicht gut, und mit einem weiteren Rutscher in der langgezogenen engen Linkskurve im Mittelsektor wurde sie nicht besser. Für Oscar Piastri im zweiten McLaren war der Start in die Runde gut, doch er bekam schon von FP1 an das Auto einfach nicht durch die langsamen Kurven 9 und 10 im Mittelsektor sowie durch die Schikane. In beiden Trainings verlor er dort auf seiner besten Runde drei Zehntel auf Norris.
Beide McLaren hatten beabsichtigt, nach Kühlrunden noch einmal nachzusetzen. Die zweite rote Flagge unterband das. Nüchtern betrachtet sieht das FP1-Ergebnis also nach einem realistischeren Bild aus: Norris drei Zehntel vor Piastri, und fünf Zehntel vor dem Rest. Nachdem Piastri auch in FP2 seine Probleme in den angesprochenen Stellen nicht in den Griff bekam, ist der Pole-Favorit im Trockenen vorerst offensichtlich.
Alonso hilft weiter, dass seine Runde äußerst sauber war. Verdächtig auch ein Topspeed-Vorteil, der auf mehr Power hindeuten könnte. Und ein netter Windschatten auf der Zielgeraden. "McLaren ist glaube ich nicht in Reichweite", sagt auch Alonso selbst. "Aber vielleicht ein paar der Top-Teams. Mercedes, Ferrari, Red Bull. Die scheinen nicht so weit weg."
Fernando Alonsos Fabel-Freitag: Aston Martin trotzdem bester Nicht-McLaren
"Nicht so weit weg" klingt gut für jemanden, der 2025 in Zandvoort bislang weder in FP1 noch in FP2 von einem der üblichen Aspiranten auf den dritten Platz geschlagen wurde. Der Rest scheint es am Freitag nicht auf die Reihe zu bekommen. Das deutet sich nicht nur im Qualifying-Trimm an. Auch in den Longruns lag Alonso bisweilen erstmals in dieser Saison in der Spitzengruppe.
In FP2 zog hier sogar nur Norris davon. Alonso war auf Medium auf Augenhöhe mit Piastri, der insgesamt einen gebrauchten Tag zu erleben schien. Eine weitere Einschränkung für Alonso: Er fuhr bloß vier Runden mit vollen Tanks in FP1, und vier in FP2. Bei so kurzen "Longruns" schlägt sich der Reifen-Abbau nicht in den Zeiten nieder. So kann man nicht sagen, ob Alonso diese Pace tatsächlich halten kann. Allerdings ist der Abbau nicht besonders hoch. Trotz weicherer Reifen rechnet Pirelli mit einer Medium-Hard-Einstopp ohne Probleme.
Mercedes, Red Bull und Ferrari entziehen sich mit anderen Reifen und unterschiedlich langen Outings in FP2 dem aussagekräftigen Vergleich. Da alle wegen Regen aber auch in FP1 diesmal gute Longruns fuhren, bietet sich ein Blick auf diese an. Hier fuhren fast alle gleichzeitig auf Medium, und bis auf Alonso auch alle über eine repräsentativ lange Distanz.
Mysteriöser Williams setzt in Zandvoort Spitzengruppe weiter unter Druck
Norris fuhr hier in einer ganz anderen Liga. Die McLaren-Speeds in den schnellen Kurven sind für die Konkurrenz unfahrbar. Piastris Probleme zogen sich auch im Renn-Trimm durch den ganzen Tag. Auch hier war er in langsamen Kurven massiv defizitär. Bei einem trockenen Verlauf des Wochenendes deutet bislang alles auf die klarste Entscheidung zugunsten von Norris in diesem Jahr hin. Um das zu drehen, steht Piastri - der im Longrun teilweise in die Verfolgergruppe abfiel - eine lange Nacht der Setup-Suche bevor.
Alonso, Max Verstappen, George Russell und Charles Leclerc waren de facto gleich schnell. Und noch ein Team drängt in die Gruppe. Nämlich Williams, mit Carlos Sainz. Williams spielt tatsächlich eine wichtige Rolle. Im 2. Training ging das unter, weil Alex Albon auf seiner Qualifying-Simulation abflog und damit Sainz - der gerade eine absolute Bestzeit im ersten Sektor markiert hatte - die Runde kaputt machte.

Albon war in FP1 Fünfter gewesen, Sainz hätte wohl in FP2 in der gleichen Region landen sollen. "Was ich nicht wirklich verstehe, denn die Strecke sollte uns eigentlich nicht passen", wundert er sich. Seit Jahren ist der sonst eigentlich nur schwer für solche High-Downforce-Strecken zu begeisternde Williams in Zandvoort immer wieder richtig gut. "Ich sage nicht, dass wir morgen schnellste Sektoren fahren sollen, aber irgendwo in den Top-10 landen wir hoffentlich."
Ferrari, Mercedes, Red Bull - wo sind die Zandvoort-Probleme am größten?
Aston Martin und Williams könnten für die üblichen Spitzenteams in Zandvoort also tatsächlich recht nervig werden. Der Mercedes ist aus dieser Gruppe noch das beste Auto, George Russell fuhr unter dem Radar mit vier Zehntel Rückstand auf P4. Der W16 sah nicht besonders gut, aber auch nicht herausragend schlecht ausbalanciert aus.
Red Bull steckt im Qualifying-Trimm wie jeden Freitag im Balance-Loch. Max Verstappen bekommt ein untersteuerndes Auto nicht in die Kurve. Zwingt er es, so bricht plötzlich das Heck aus. "Nichts Besonderes, immer noch die gleichen Dinge", winkt er am Abend ab. High-Downforce-Strecken liegen dem RB21 bekanntlich auch nicht. Motorsport-Berater Dr. Helmut Marko steckt auf: "Die McLaren sind unantastbar."

Platz drei ist das Ziel von Red Bull. Dass man über Nacht die Qualifying-Balance in ein Fenster bringt, in dem zumindest Verstappen damit arbeiten kann, wäre nichts Neues. Im Longrun auf härteren Reifen lebt es sich für den RB21 sowieso leichter, aber wie die Longrun-Tabellen oben zeigen - auf dem kurzen Kurs in Zandvoort kleben bislang alle auf einen Fleck.
Ferrari ist ein ganz spezieller Fall. Teilweise scheint das Auto nicht so schlecht und im Kampf um P3 mit dabei. Doch die langgezogenen Kurven 9 und 10 scheinen ein Albtraum. Dort haben die Fahrer null Vertrauen, rutschen nur, verlieren mehrere Zehntel auf McLaren. Es ist dies auch die Stelle, an der sich Lewis Hamilton auf seinem ersten Soft-Versuch in FP2 um 360 Grad drehte. "Da ist einfach was, das unser Auto einfach aktuell nicht kann", meint Leclerc. "Ein sehr, sehr, sehr, sehr schwieriger Freitag, wohl der schlechteste des Jahres."
Das Wetter darf in Zandvoort für die nächsten beiden Tage natürlich nicht vergessen werden. Die vielen Fehler am Freitag sind auf den hier immer böigen Wind zurückzuführen. Regen ist für beide Tage möglich, muss aber nicht kommen. Bleibt es trocken, so deutet bei einem Einstopp-Rennen auf einem überholfeindlichen Kurs jedoch bisweilen alles auf einen Norris-Sieg.



diese Formel 1 Analyse