Eigentlich verlief das erste Freie Training zum Großen Preis von Belgien relativ unspektakulär. Max Verstappen sicherte sich die Bestzeit, die Mercedes-Piloten blieben unscheinbar - zumindest auf der Zeitenliste. Auf der Strecke sorgte WM-Leader Kimi Antonelli mit seinem Idioten-Funkspruch für Redebedarf - vor allem bei seinem "Opfer" Carlos Sainz. Der Williams-Pilot fand nach der Formel 1-Session klare Worte: "Er sollte ein wenig runterkommen."
Was war passiert? Kimi Antonelli fühlte sich am Ausgang von Stavelot von Sainz behindert. Der Italiener musste vom Gas gehen, zog anschließend vor den Williams und schimpfte wie ein Rohrspatz am Boxenfunk: "Was für ein Idiot!" Sainz konterte noch im Cockpit und funkte an seine Crew, Antonelli habe "das Auto einfach in mich hineingeworfen". Auf dem Weg zur Bus-Stop-Schikane setzte sich der Spanier wieder vor den Mercedes. Kurzzeitig sah es nach einem weiteren Rad-an-Rad-Duell aus, ehe Antonelli in die Boxengasse abbog.
Gefährliche Situation oder übertriebene Reaktion?
Nach dem FP1 verteidigte sich der Mercedes-Youngster: "Er ist am Ende einer schnellen Kurve vom Gas gegangen, wo man normalerweise im siebten Gang unterwegs ist. Ich musste meine Runde abbrechen und das war ziemlich riskant. Natürlich war ich nicht zufrieden." Gleichzeitig räumte er ein, dass der Ton die Musik macht: "In der Hitze des Gefechts habe ich vielleicht nicht die besten Worte gewählt, aber die Situation war schlicht gefährlich."
Carlos Sainz sah den Vorfall in einem anderen Licht. "Vielleicht hatte er das Gefühl, dass ich ihn behindert habe, ich habe aber nicht das Gefühl, dass ich das getan habe", betonte der Spanier. Generell sei es im Straight Mode schwierig, dem Hintermann "perfekt" Platz zu machen, da dem Auto mit offenen Flügeln der Anpressdruck fehle. "Wenn man nicht exakt so Platz macht, wie der andere Fahrer es will, dann... [...]. Ich finde aber nicht, dass er mich am Funk einen Idioten nennen sollte. Ich glaube, es ist verboten, zu fluchen und Konkurrenten zu beleidigen." Die Stewards untersuchten weder das Manöver auf der Strecke noch Antonellis Wortwahl.
Darum ging Antonelli straffrei aus
Dass die FIA bei Schimpfwörtern rigoros durchgreifen kann, zeigen Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit: Als Max Verstappen in der Pressekonferenz zum Singapur GP 2024 für die Beschreibung seines Wagens das F-Wort benutzte, wurde er zu Sozialarbeit verdonnert. Charles Leclerc musste für denselben Fauxpas in Mexiko 10.000 Euro Strafe zahlen.
Das Thema Fluchen und Fehlverhalten - im Englischen als Misconduct bezeichnet - wird in der Königsklasse primär nicht im Sportlichen Reglement geregelt, sondern im übergeordneten Internationalen Sportgesetz der FIA (ISC) unter Artikel 12.2.1. Die Erklärung für Antonellis Straffreiheit in Belgien liegt im Appendix B des ISC.
In diesem Abschnitt wird strikt differenziert zwischen einer kontrollierten und einer nicht-kontrollierten Umgebung. Das bedeutet im Klartext: Rutscht einem Fahrer bei offiziellen FIA-Pressekonferenzen oder in TV-Interviews (=kontrollierte Umgebung) ein Kraftausdruck heraus, kann das geahndet werden. Im Boxenfunk (=nicht kontrollierte Umgebung) wird in der Hitze des Gefechts eine gewisse Emotionalität toleriert - solange sich die Beleidigungen nicht direkt gegen Offizielle richtet oder rassistische beziehungsweise diskriminierende Inhalte beinhaltet.
Zum Start ins Formel-1-Wochenende von Spa hatte sich Mercedes verkalkuliert. Doch bis zum 2. Training schlägt die Korrektur bei Kimi Antonelli durch. Was kann die Konkurrenz noch tun? Mehr dazu in der Trainingsanalyse:



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