Wie im Training, so auch im Sprint-Qualifying (SQ3): In beiden Sessions fehlten Max Verstappen vier Zehntelsekunden auf die Bestzeit von Oscar Piastri. Verstappen reiht sich für den Sprint in Belgien hinter dem McLaren mit der Nummer 81 auf dem zweiten Startplatz ein. Mit Lando Norris auf P3 starten die drei WM-Kandidaten direkt hintereinander in den 100 km langen Sprint.

"Wir haben heute das Maximum herausgeholt. Für uns ist es ein gutes Ergebnis, dass wir uns zwischen den beiden McLaren platzieren konnten", resümierte Verstappen nach dem Qualifying. Den ganzen Formel-1-Freitag matchte sich Verstappen mit Piastri um die Klassements-Führung, doch im ersten Freien Training wie auch im Qualifying setzte sich der McLaren-Pilot durch.

Der Rückstand von 0,477 Sekunden auf P1 - nach dem Österreich-Qualifying der zweitgrößte der Saison - wunderte Verstappen aber kein bisschen. "Natürlich ist der Abstand sehr groß, aber das war er auch schon im ersten Training. Wir müssen uns einfach auf uns konzentrieren und an der Balance arbeiten, damit wir schneller werden", meinte der Niederländer, dem in FP1 0,404 Sekunden auf Piastri fehlten.

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Belgien GP: Verstappen opfert Abtrieb für Speed

Die Ardennenachterbahn, wie der Circuit de Spa-Francorchamps wegen seiner vielen Höhenunterschiede und Hochgeschwindigkeitsstellen genannt wird, ist eine Gratwanderung zwischen so viel Topspeed wie möglich und so wenig Abtrieb wie nötig. Red Bull wählte in Belgien den Weg der höheren Geschwindigkeit, McLaren setzte auf mehr Downforce.

Der Vergleich der letzten Qualifying-Runde zeigt den Unterschied glasklar. Mit wenig Abtrieb ist der RB21 auf den Geraden unter den Schnellsten, im ersten Sektor hat Verstappen eine Zehntelsekunde Vorsprung auf Piastri aufgebaut. Durch die Highspeed-Doppellinks zehn und elf ist er ebenso schneller.

Im zweiten Streckenabschnitt muss Verstappen aufgrund seiner Setup-Wahl deutlich Zeit einbüßen, wie die untenstehende Grafik verdeutlicht. In den langsamen Kurven kann Piastri dem Weltmeister einige Zehntel abluchsen, im Freien Training verlor Verstappen hier teilweise fast eine Sekunde auf den WM-Leader. Auch in der Bus-Stop-Schikane ist Piastri mit mehr Abtrieb klar im Vorteil.

Low-Downforce-Setup: Red Bulls Ass im Ärmel?

Die Taktik, mit wenig Abtrieb zu fahren und dafür auf den Geraden zu punkten, hat Red Bull auch in Silverstone eingesetzt. Verstappen holte dort die Pole-Position, ging dann aber im britischen Regen unter. Beim Belgien-Sprint soll es sonnig werden. Auch dass nur ein Drittel der Rundenanzahl um den 7,004 Kilometer langen Circuit gefahren werden muss, spielt Red Bull in die Karten.

Startplatz zwei bietet in Spa einen klaren Vorteil: Von La Source bis zum Ende der Kemmel-Geraden kann er fast zwanzig Sekunden lang den Windschatten seines Vordermanns ausnutzen. Mit dem Topspeed-Vorteil des RB21 könnte Verstappen sich also schon früh die Führung holen und diese auch verteidigen.

Mit nur 15 Runden hat Piastri wenig Zeit, einen davonfahrenden Verstappen einzuholen. Verstappen selbst glaubt aber nicht, dass diese Taktik aufgehen wird: "Wenn du fünf Zehntel hinten bist, dann ist es egal, ob du auf der Geraden schneller oder langsamer bist. Ich muss mein eigenes Rennen fahren und sehen, was wir machen können."

Eine genaue Analyse der unterschiedlichen Setups, Downforce-Level und Topspeeds des ganzen Feldes findet ihr hier: