0,477 Sekunden Vorsprung standen auf dem Zeitenmonitor, als Oscar Piastri am Ende des Sprint-Qualifyings bei der Formel 1 in Belgien die Linie überquerte. Der McLaren-Pilot schien am Freitag völlig unantastbar und am absoluten Limit seines Autos. Tatsächlich war er so schnell, dass er teilweise gefährlich nah am Limit unterwegs war.
"Es war eine starke Runde, die alles rausgeholt hat, was das Auto an diesem Nachmittag hergegeben hat", lautet das Fazit von McLaren-Teamchef Andrea Stella. Piastri holte die Sprint-Pole mit 0,477 Sekunden Vorsprung auf Max Verstappen, und noch beeindruckender dürften wohl die 0,618 Sekunden Vorsprung auf Teamkollege Lando Norris im zweiten McLaren sein.
"Es war eine gute Runde", stellt Piastri gewohnt trocken nach dem Sprint-Qualifying fest. Durch die langgezogene Bergab-Rechts Bruxelles und die schnelle Fagnes-Schikane war er geradezu dominant, mehrere Zehntel schneller als Verstappen oder Norris. "Mit der Runde auf den Soft-Reifen war ich am Ende sehr zufrieden. Da habe ich es denke ich größtenteils auf die Reihe bekommen. Ich habe das Limit gepusht, vielleicht an ein paar Stellen auch überschritten."
Piastri übertreibt es beim Pflicht-Programm im Sprint-Qualifying
Vom 1. Training an war Piastri in Spa am Freitag pfeilschnell gewesen, doch dieser freitägliche Hang zur maximalen Attacke hatte im zweiten Segment des Sprint-Qualifyings beinahe böse Konsequenzen. Auf dem ersten Umlauf war Piastri da in SQ2 ebenfalls mehrere Zehntel schneller gewesen als Norris. Dann aber kam die gefürchtete Meldung der Rennleitung: Track Limits in Raidillon. Runde gestrichen.
"Das war ein kleiner Schreck in SQ2", gesteht Piastri. Auf alten Medium-Reifen musste er bei schnell verrinnender Zeit jetzt noch einmal nachlegen. Und zeitgleich schien sich die Strecke massiv zu verbessern. Und die Konkurrenz war allesamt jetzt auf besseren Reifen unterwegs. Der davor so dominante Piastri schwächelte im relativen Kräfteverhältnis plötzlich.
Seine 1:42,128 war alles andere als gut. Mit 0,041 Sekunden Vorsprung auf Liam Lawson schlüpfte er gerade so durch ins dritte Segment. Aber in SQ3 machte er den Fehler nicht noch einmal. Diesmal hatte er zeitbedingt nur einen Schuss auf Softs, und den verwandelte er mit einer 1:40,510 absolut perfekt in einen neuen Streckenrekord.
Warum ist Oscar Piastri in Spa so schnell?
"Das Auto war den ganzen Tag mega", resümiert Piastri danach. Warum er aktuell so viel schneller ist als Norris kann er nicht mit Sicherheit sagen: "Ich weiß nicht. Von der ersten Runde an war das Auto in einem guten Fenster. Ich mag die Strecke. Das Vertrauen war einfach da. Die letzten Wochenenden waren in Sachen Pace auch gut, nur in Sachen Ergebnissen nicht."
Das will er am Samstag im Sprint jetzt gleich einmal zurechtbiegen und seinen ersten Sieg seit Barcelona holen. Bei allem Vertrauen ins Auto gibt es da aber besonders durch den zweitplatzierten Max Verstappen Grund zur Sorge. Der Red Bull ist zwar über die ganze Runde langsamer - aber pfeilschnell auf den Geraden. Mehr zu den unterschiedlichen Setup-Philosophien von McLaren und Red Bull gibt es hier:
"Spa ist wohl eine der schlimmsten Strecken, um auf Pole zu stehen", weiß Piastri. Der Weg zur La-Source-Haarnadel ist zwar kurz, aber dann geht es eine halbe Minute lang fast nur vollgas den Berg hoch bis zur Les-Combes-Schikane. Die Gefahr, dass Verstappen ihn mit dem topspeedstarken Red Bull abfängt, ist da ernst.
Aber: "Die Pace im Auto ist den ganzen Tag schon stark, ich bin zuversichtlich", meint Piastri. In Sachen Reifenverschleiß gilt der McLaren nicht zuletzt immer noch als das beste Auto im Feld. "Hoffentlich schaffen wir einen guten Start und können gewinnen."



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