In der Formel-1-Pause zwischen Silverstone und Spa hat McLaren-Sportchef Zak Brown seinen größten Gegenspieler verloren. Dass Red Bull in der anhaltenden Krise zu radikalen Maßnahmen griff und nach zwei Jahrzehnten Christian Horner von seinem Teamchef-Posten entfernte, ist für Brown letztendlich jedoch keine Überraschung.

"Vielleicht der Zeitpunkt, aber nicht das Ergebnis", so beschreibt Brown den Überraschungs-Grad gegenüber 'TSN' am Rande des IndyCar-Wochenendes in Toronto in seiner ersten öffentlichen Einschätzung von Horners Aus. Die Nachricht war am Mittwoch nach Silverstone im Formel-1-Umfeld an und für sich wie eine Bombe eingeschlagen.

Zak Brown zur Horner-Krise: Bei Red Bull wurde es nur schlimmer

Bis auf ein paar sehr vereinzelte Gerüchte früher im Jahr hatte nie etwas wirklich darauf hingedeutet. Doch die Summe der Umstände sind es, die - auch für Brown - die Trennung logisch machen. Egal, ob es nun um den Performance-Abschwung von Red Bull geht, um die Gefahr eines Wechsels von Max Verstappen zu Mercedes, oder um die Vorwürfe des persönlichen Fehlverhaltens gegenüber einer Mitarbeiterin.

"Da gab es in den letzten Jahren viel Drama, und es schien nicht so, als ob dieses Drama sich beruhigen würde - eher wurde es schlimmer", meint Brown. "Also nein. Ich bin nicht überrascht."

Mit McLarens Aufstieg an die Spitze der Formel 1 waren auch immer regelmäßigere Konfrontationen zwischen Brown und Horner einhergegangen. Wiederholte gegenseitige Unterstellungen und medial verbreitete Betrugsverdächtigungen sorgten für vergiftete Stimmung. Doch die Animositäten zwischen den beiden sind schon viel älter, etwa in Zusammenhang mit Red Bulls enger technischer Verbindung zu den Racing Bulls. Einem Arrangement, welches Brown seit Jahren scharf kritisiert.

Horner nach Red Bull Rauswurf: Ferrari, Alpine oder Cadillac? (26:39 Min.)

Horner bald wiederzusehen, würde Brown - der McLaren-Teams unter anderem in Formel 1, IndyCar und bald in der WEC unterhält - jedenfalls nicht überraschen: "In seinem Alter, und mit seiner Geschichte im Motorsport, da wäre ich überrascht, wenn er nicht irgendwo im Motorsport wieder auftaucht. Aber ich kenne seine anderen Interessen nicht. Ob er ein Fußballteam leiten will, oder was auch immer. Warten wir einmal ab."

Brown bevorzugt Max Verstappen bei Red Bull: Bei Mercedes ungemütlich

Brown will seine Prioritäten nur nicht auf das Red-Bull-Drama legen. Es ist noch eine halbe F1-Saison zu fahren: "Max klopft noch immer an der Tür, also müssen wir aufpassen." Abseits der Strecke will er den Gerüchten um einen Verstappen-Wechsel auch keine Aufmerksamkeit einräumen: "Ich mag ein interessierter Zuschauer sein, bin aber sehr happy mit meiner Fahreraufstellung. Also verbringe ich keine Zeit damit, außer wenn was am Handy aufpoppt."

Wird er aber gefragt, so kann er sich Kommentare dazu doch nicht verkneifen. So geschehen rund um das Silverstone-Wochenende, noch vor der Horner-Entlassung, im 'Sports Agents'-Podcast: "Für mich ist dort, wo es raucht, meistens Feuer. Niemand streitet irgendetwas ab. Mercedes als Team ist momentan im Aufschwung. Red Bull hat Probleme. Heißt nicht, dass sie die nicht lösen können, aber Max in einem Mercedes ist ein ziemlich ungemütlicher Gedanke."

"Mir wäre lieber, er bleibt, wo er ist", lautet Browns Verstappen-Fazit. "Es wäre ein Desaster für Red Bull, wenn sie Max verlieren würden. Wenn man sich anschaut, wie es momentan läuft, kann man sich schon die Frage stellen, ob der Racing Bull nicht ein schnelleres Auto ist, und Max einfach so besonders."

Vor Spa zeichnet sich jedoch ein Zweikampf um die WM zwischen den beiden McLaren-Piloten ab. Wie sich das Duell entwickelt hat, und wie sehr Verstappen und George Russell noch im Rennen sind? Wir haben Entwicklung und Schlüsselmomente des bisherigen WM-Kampfes hier aufgerollt: