Die Rivalität zwischen Max Verstappen und George Russell entwickelt sich zu einer Feindschaft für die Formel-1-Geschichtsbücher. Die beiden schenken sich nichts - weder auf der Rennstrecke noch in den Medien. Auf kontroverse Kollisionen folgen beleidigende Schlagabtäusche in Interviews. Fahrer-Fehden haben eine lange Tradition in der Königsklasse und sorgten für einige der ikonischsten Momente des Sports. Motorsport-Magazin.com hat sich fünf Feindschaften angesehen, die die Formel-1-Geschichte prägten.
Nigel Mansell vs. Nelson Piquet: 1986 - 1988

Als Nelson Piquet 1986 als zweifacher Weltmeister zu Williams kam, hatte er nicht damit gerechnet, von dem noch titellosen Nigel Mansell herausgefordert zu werden. Zwischen den Teamkollegen brach ein erbitterter Kampf um den Titel aus, der sich nicht nur auf die Rennstrecke beschränkte.
In Interviews bezeichnete Piquet seinen britischen Teamkollegen als "dumm" und seine Frau Roseanne als "die hässlichste Frau aller Fahrer". Beim Großen Preis von Mexiko klagte Mansell über Durchfall, Piquet versteckte daraufhin das Klopapier der Williams-Hospitality.
Die Streitereien führten dazu, dass trotz eines dominanten Autos keiner von beiden 1986 Weltmeister wurde. Alain Prost holte sich die WM-Krone beim Finale in Australien. Mit Piquets Wechsel zu Lotus im Jahr 1988 nahm ihre Rivalität ein Ende.
Ayrton Senna vs. Alain Prost: 1988 - 1993

Während ihrer Zeit als Teamkollegen bei McLaren waren Ayrton Senna und Alain Prost verbitterte Feinde, warfen sich gegenseitig ehrenloses Fehlverhalten und teaminterne Bevorzugung vor.
Ihre Zusammenstöße auf der Rennstrecke sind so berühmt wie umstritten. 1989 ging Prost als WM-Führender ins vorletzte Rennen der Saison. Senna musste in Japan gewinnen, um seine Titelchancen zu wahren. Der Kampf eskalierte, als die McLaren-Fahrer sieben Runden vor Schluss kollidierten. Senna konnte weiterfahren und den Japan GP gewinnen, wurde aber nach dem Rennen disqualifiziert.
Ein Jahr später folgte in Suzuka die gleiche Szene, allerdings mit vertauschten Rollen. Senna führte mit McLaren die WM an, Prost - jetzt bei Ferrari - brauchte zwei Siege, um zu gewinnen. In der ersten Kurve der ersten Runde stießen die ehemaligen Teamkollegen zusammen und mussten das Rennen beenden.
Der Franzose warf seinem Senna Absicht vor, dieser verteidigte sich mit dem heute wohl berühmtesten Satz der Formel-1-Geschichte: "Wenn du eine offene Lücke nicht nutzt, bist du kein Rennfahrer mehr." Erst ein Jahr später gab der Brasilianer zu, dass er tatsächlich absichtlich mit Prost kollidiert war.
Michael Schumacher vs. Damon Hill: 1994 - 1996

Michael Schumacher galt 1994 als Favorit der Saison, doch Damon Hill bot ihm die Stirn. Im Saisonfinale trennte die Rivalen nur ein Punkt. Bei einem Überholmanöver lenkte Schumacher seinen Boliden in die Seite von Hill und versetzte beide Autos in die Wand. Der Deutsche bekam keine Strafe für den kontroversen Zusammenstoß, dafür aber haufenweise Kritik.
Williams und Hill warfen ihm noch Jahre später vor, die Kollision absichtlich provoziert zu haben.1995 ging die Rivalität in die zweite Runde. Sieben Mal krachte es zwischen Schumacher und Hill, zweimal bekamen beide eine Rennsperre. In Silverstone und in Monza rutschte Hill dem Deutschen beim Überholversuch ins Heck. Trotzdem wurde Schumacher am Ende mit einem Vorsprung von 32 Punkten ein zweites Mal Weltmeister.
2017, vier Jahre nachdem sich Schumacher aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, verzieh ihm sein ehemaliger Rivale in einem Twitter-Post.
Sebastian Vettel vs. Mark Webber: 2010 - 2013

Der Startschuss der Rivalität fiel beim Großen Preis der Türkei 2010. Mark Webber führte das Rennen in Istanbul an, sein Teamkollege lag direkt hinter ihm. Es kam zum teaminternen Supergau: Bei einem riskanten Überholmanöver von Sebastian Vettel kollidierten die zwei RB6. Der Deutsche konnte nicht weiterfahren, Webber rettete sich auf den dritten Platz.
Der vielleicht entscheidendste Moment ihrer Rivalität ereignete sich beim Malaysia Grand Prix 2013. Webber führte vor Vettel, der allerdings der Schnellere auf der Strecke war. Der Deutsche erhielt den Funkspruch: "Multi 21." Das klingt wie ein Bremsmodus, war aber die Anweisung, dass Webber (Auto 2) vor Vettel (Auto 1) ins Ziel gehen sollte.
Vettel ignorierte die Anweisung, überholte seinen Teamkollegen und gewann. Im Cool-Down-Room starte Vettel an die Wand, während Webber "Multi 21, Seb" wie ein Mantra wiederholte. Vettel holte sich in diesem Jahr seinen vierten WM-Titel, Webber verließ am Ende der Saison die Königsklasse.
Max Verstappen vs. Lewis Hamilton: 2018 - 2021

Lewis Hamilton und Max Verstappen hatten schon vor ihrem intensiven Titelkampf im Jahr 2021 einige haarsträubende Momente. Bahrain 2018: Verstappen wollte Hamilton überholen, woraufhin der Brite mit dem Hinterrad des Niederländers kollidierte. Verstappen schied aus und gab Hamilton die Schuld. Für den damaligen Mercedes-Piloten war Verstappen nach dem Rennen ein "Arschloch" und das Manöver "respektlos".
2019 gerieten sie beim Start des Mexiko GP aneinander, Hamilton bezeichnete Verstappen als einen "Torpedo": "Wenn du ihm nicht extra viel Platz lässt, dann crasht er in dich hinein." Die Rivalität, die sich bis dahin auf einzelne Momente beschränkte, eskalierte zwei Jahre später.
Die Saison 2021 muss nicht groß nacherzählt werden. Jeder Formel-1-Fan weiß, was passierte. Hamiltons Überholversuch in Silverstone, der Verstappen mit 51G in die Bande beförderte. Das Rennen in Monza, in dem beide Autos übereinander in den Schotter schlitterten. Der Große Preis von Abu Dhabi 2021. Auf der Strecke fighteten die beiden Piloten gegeneinander, abseits davon lieferten sich ihre Teamchefs ein Wortgefecht nach dem anderen.
Der Kampf zwischen Verstappen und Hamilton war so extrem, dass die FIA im Jahr darauf die Regeln komplett neu aufstellen mussten. Diese Richtlinien wurden nun veröffentlicht. Details dazu gibt es im Artikel.



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