Irgendwas musste geschehen, nachdem die Formel 1 vor einem Jahr in Monaco eines ihrer langweiligsten Rennen erlebte. Auf einer Strecke, die sowieso schon äußerst langweilige Rennen produziert. Die Antwort: Ein verpflichtender zweiter Reifenwechsel. Die Strategie-Abteilungen der Teams haben vor Beginn des Wochenendes hart gearbeitet. Was kam dabei raus? Wilde neue Theorien, wie Teamkollegen am Sonntag das Ganze wieder dumm aussehen lassen könnten.
Wie genau funktioniert die Regel eigentlich? Streng genommen ist es falsch, von Pflicht-Stopps zu sprechen. Die Formel 1 verpflichtet generell nur Reifenwechsel. Da Reifen bei einer roten Flagge auch einfach so gewechselt werden dürfen, ist ein Boxenstopp grundsätzlich nicht verpflichtend. So geschehen im Vorjahr, als der Großteil des Feldes nur einmal unter Rot die Reifen tauschte.
Dieses Prinzip besteht auch bei der Monaco-Spezialregel 2025 weiter. Der Unterschied ist: Es müssen drei statt zwei Reifensätze im Rennverlauf verwendet werden. Mindestens einer der drei muss ein Medium oder Hard sein. Alles andere steht frei. Regnet es, so müssen trotzdem insgesamt drei Reifensätze verwendet werden, aber dann ist die Mischung egal.
Schneller fahren in Monaco - die offensichtliche F1-Theorie
"Alles sehr kompliziert, nach den letzten Meetings heute schwirrt mir der Kopf", kommentiert der WM-Führende Oscar Piastri seine letzten Briefings mit den Strategen. Alle Teams haben für Monaco diverse mögliche Szenarien ausgearbeitet, und alle Fahrer sind sich zumindest hier einig: Keine Ahnung, was davon eigentlich gut ist und was nicht.
"Normalerweise ist es schwierig genug, in Monaco herumzufahren, aber du musst nicht über die Strategie nachdenken", meint Haas-Pilot Esteban Ocon. Besonders vorne an der Spitze, so die Vermutung, wird das Rennen allerdings nicht allzu besonders angelegt werden. "Früher haben die Jungs vorne versucht, es möglichst lange hinauszuzögern, um sich ein Boxenstopp-Fenster aufzufahren", erinnert sich Ocon.
Der Führende eröffnete in der Vergangenheit gerne mit langsamer Pace. Um möglichst lange abzuwarten, Reifen zu schonen und sicherzugehen, dass man nicht früh stoppt und dann von einem ungünstigen Safety Car kalt erwischt wird. Erst kurz vor dem Boxenstopp zog die Spitzengruppe dann das Tempo an, damit dann Lücken im Feld aufgingen, in die man hineinstoppen konnte.
"Jetzt gibt es diese Chance zweimal, also werden wir alle denke aggressiver pushen", schätzt Ocon. Weil man sowieso weiß, dass man zweimal stoppen muss, ergibt es keinen Sinn, ewig herumzubummeln und abzuwarten, ob nicht doch ein Safety Car kommt. Wenngleich überhaupt niemand weiß, wie genau man sich das Rennen am besten einteilen sollte. "Ich weiß nicht, ob es eine klare beste Strategie gibt", meint Piastri.
Verzweiflungstaten durch neue Monaco-Regel: Überraschungs-Potenzial
So ist etwa der Startreifen ein Mysterium. Wichtig hier anzumerken: Die Reifen sind 2025 eine Stufe weicher als im Vorjahr. Pirelli hat die Mischungen C4, C5 und C6 geliefert. 2024 waren es C3, C4 und C5. Der letztjährige Medium-Reifen ist dieses Jahr der Hard. "Der Hard ist ganz klar der beste Reifen", hält George Russell fest. Auf ihm zu starten scheint an und für sich eine gute Idee: Man kann lange draußenbleiben und beten, dass irgendwann ein Safety Car kommt. Oder noch besser, eine rote Flagge.
Das kann sich aber auch genau umgekehrt manifestieren. Kommt schon am Start eine rote Flagge, wäre die ein potenziell großer Vorteil für Leute, die auf Soft losfahren. Sie können jetzt den Hard aufziehen, während Hard-Starter womöglich 77 Runden vor Schluss auf den Medium gehen würden. Und damit Flexibilität einbüßen.
"Es gibt ein paar offensichtliche Szenarien, aber die hat niemand exklusiv", meint Sauber-Pilot Nico Hülkenberg. "Es wird stark davon abhängen, wo du nach der ersten Runde bist." Auch das merken am Donnerstag vor dem Rennen viele Fahrer an: Je weiter weg man ist, desto eher wird man gewillt sein, zu pokern.
Beispielsweise gäbe es das Szenario, bei einem Safety Car am Start die beiden Boxenstopps hintereinander abzuleisten und dann 76 Runden mit dem harten Reifen durchzufahren. Wer hier stattdessen nur einmal stoppt, müsste später im Rennen noch einmal kommen. Und wenn kein zweites Safety Car hilft, würde man dann dabei an die 22 Sekunden auf jene Fahrer verlieren, die zu Beginn gleich zweimal stoppten.
Williams-Fahrer mit Albtraum-Szenario für Monaco-Rennen
Da Überholen in Monaco praktisch nicht möglich ist, fürchten sich vor allem die Spitzenteams vor einem Szenario, indem irgendein Glücksritter mit einer vermeintlich völlig beliebigen Strategie nach vorne gespült wird. Im Mittelfeld hat man Angst von einem noch viel turbulenteren Szenario: Nämlich, dass ein Team einen Fahrer opfert.
So haben die Williams-Strategen ihren Fahrern eine ziemlich albtraumhafte Idee vorgetragen. Sind zwei Fahrer dicht hintereinander, könnte der hintere massiv Tempo rausnehmen. Und so seinem Teamkollegen die nötigen 22 Sekunden Luft verschaffen, um einen Gratis-Stopp selbst ohne Unterbrechung zu haben.
Dass das in Monaco möglich ist, steht außer Frage. Tatsächlich tat es Aston Martin im Vorjahr: Fernando Alonso fuhr über eine Sekunde pro Runde langsamer, um seinem Teamkollegen Lance Stroll zu einem Gratis-Zusatzstopp zu verhelfen. "So willst du nicht Rennen fahren", bemängelt Alex Albon. Beide Williams-Fahrer fühlen sich am Donnerstag bemüßigt, diese Idee explizit anzusprechen. "Zwei Stopps auszuprobieren ist eine gute Idee, aber es muss nicht unbedingt die Art des Rennens ändern."
Das Szenario verdeutlicht, wie schwierig die Planung ist. Diese Lücke wäre schließlich nicht nur für einen Fahrer da - sie wäre für alle da, die vor ihr liegen. Genau deshalb gilt: Keine Prognosen. Erst der Rennverlauf wird entscheiden. Gerade diese Unsicherheiten sind aber für die Fahrer positiv. Lieber nichts wissen, anstatt eine 78 Runden lange Prozession zu fahren.



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