Bis zum Sonntag in Imola schien alles für den fünften Saisonsieg von Oscar Piastri angerichtet zu sein. Im besten Auto der bisherigen Formel-1-Saison 2025 startete der WM-Führende das Rennen von der Pole Position. Bereits direkt nach dem Start ließ sich der Australier in der Tamburello-Schikane von Max Verstappen überrumpeln. Hinzu kam eine missglückte Strategie seines McLaren Teams - so stand nach 63 Rennrunden auf dem Autodromo Enzo e Dino Ferrari nur Rang drei hinter Verstappen und Teamkollege Lando Norris für Piastri zu Buche.

"Es ist nie schön, als Erster zu starten und als Dritter ins Ziel zu kommen", gab Piastri enttäuscht zu. "Das Rennen hat sich anders entwickelt, als wir im ersten Stint erwartet hatten." Dass er als Zweiter hinter Verstappen aus der Tamburello herauskam, störte ihn nicht einmal: "Zu dem Zeitpunkt war ich nicht besorgt, nicht in Führung zu liegen. Aber die Pace war nicht so stark wie erwartet."

Die Longrun-Simulationen am Trainingsfreitag vermittelten noch eine heile McLaren-Welt, in der lediglich die Ferrari gefährlich werden konnten - die sich allerdings durch ein katastrophales Qualifying selbst entschärften. Im Rennen ließ Max Verstappen Piastri in seinem mit kleineren Updates versehenen Red Bull keine Chance.

Früher Boxenstopp von Oscar Piastri zerstört Sieghoffnungen

Oscar Piastri (McLaren) auf dem Podium
Bei Oscar Piastri hält sich die Freude in Grenzen, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire

Weil an Max Verstappen kein Weg vorbeiführte, musste die McLaren-Box auch nach hinten schauen. Ferrari-Pilot Charles Leclerc stoppte bereits in Runde 10. Die Konkurrenz um Mercedes-Pilot George Russell und Williams-Fahrer Carlos Sainz zog in Runde 11 nach. McLaren sah sich deshalb unter Zugzwang und reagierte mit einem Stopp in Runde 13. "Vielleicht haben wir ein bisschen schnell reagiert", gab Piastri zu.

Die Folge: Piastri musste sich auf den harten Reifen durch den Mittelfeld-Verkehr nach vorne kämpfen. Diese Gefahr erkannte Red Bull und ließ Verstappen lieber in Führung liegend weiter Runden auf den abgefahrenen Medium-Reifen abspulen - der Schlüssel zum Erfolg.

"Es gab eine Phase, in der die Reifen abbauten, weshalb andere Fahrer auf eine Zweistopp-Strategie ausgewichen sind", erklärte Andrea Stella. Bei Piastri seien die Reifen ebenso am Ende gewesen, was den frühen Stopp notwendig machte. Der McLaren-Teamchef fügte jedoch auch hinzu: "Es gab eine Phase, in der der Reifen stark abbaute, aber tatsächlich noch mehr Performance hergab. Das ist der Grund dafür, weshalb Lando, Max und einige andere auf eine Ein-Stopp-Strategie gesetzt haben."

Gleichzeitig profitierte die Konkurrenz von der virtuellen Safety-Car-Phase in Folge des Ausfalls von Haas-Pilot Esteban Ocon. So konnten sie den Zeitverlust beim Reifenwechsel von den abgefahrenen Medium-Reifen auf frische harte Pneus im Vergleich zu den geplanten Zweistoppern wie Piastri minimieren.

McLaren überrascht von der Red-Bull-Pace

Polesetter Oscar Piastri führt nach dem Start vor Max Verstappen im Red Bull und George Russel im Mercedes
Andrea Stella: 'Das Rennen wurde durch das Überholmanöver zwischen Oscar und Max entschieden', Foto: Getty Images / Red Bull Content Pool

Doch auch ohne frühen Boxenstopp wäre der Imola-Sieg für Oscar Piastri aus eigener Kraft nur sehr schwer möglich gewesen. Immerhin blieben dem 24-Jährigen zwölf Runden, um wieder an Verstappen vorbeizugehen. Es passierte vielmehr das Gegenteil: Der Niederländer baute seinen Vorsprung an der Spitze aus. "Heute waren wir ein bisschen überrascht von der Pace von Red Bull", zollte Stella seinen WM-Konkurrenten Respekt.

"Das Rennen wurde durch das Überholmanöver zwischen Oscar und Max entschieden. Danach haben wir versucht, ihn zu verfolgen, aber wir hatten heute nicht genügend Pace", so Stella. Die Mannschaft aus Woking musste deshalb andere Wege gehen, um Verstappen zu schlagen - und die Zwei-Stopp-Strategie bei Piastri früh forcieren.

"Wenn du abweichst, dann war das [Runde 13; d. Red.] der Zeitpunkt für die Zwei-Stopp-Strategie. Deshalb gibt es keine Reue", resumierte Stella. Dieser Entscheidung fiel sogar noch Piastris zweiter Platz zum Opfer, als er nach spätem Safety-Car auf alten Reifen gegen Teamkollege Lando Norris auf frischen Pneus chancenlos war. Trotz des Ergebnisses will Piastri das Imola-Rennen nicht verteufeln: "Auf dem Podium zu landen ist kein schlechtes Resultat. In der Meisterschaft gibt es harte Tage. Und das ist einer davon."

Oscar Piastri führt die WM-Tabelle weiterhin an. Mit 146 Punkten ist er 13 Zähler vor Lando Norris. Max Verstappen folgt mit 124 Punkten.

Neben den zwei heftigen Unfällen im Imola-Qualifying sorgte eine Steward-Entscheidung für mächtig Wirbel. Christian hat alle Infos aus Imola hier im Video:

Formel-1-Team nach Zeiten-Chaos sauer: Total unfair! (09:45 Min.)