2025 bekommt die Formel 1 den Fight, auf den wohl einige schon gehofft haben: Max Verstappen gegen Oscar Piastri. Die beiden WM-Aspiranten lieferten sich nun an drei aufeinanderfolgenden Wochenenden harte Duelle, und in Imola schafft Verstappen die Revanche. Mit einem sensationellen Manöver in der ersten Kurve, das Piastri nur verfluchen kann.

In den letzten beiden Rennen war es noch Piastri gewesen, der besser ausgestiegen war. In Jeddah hatte er von Platz zwei kommend Verstappen am Start rausgedrückt und dabei eine Strafe für den Red-Bull-Piloten erreicht. In Miami hatte er ihn nach mehreren Runden in der ersten Kurve mit einem Verbremser aussteigen lassen und es dabei elegant vermieden, selbst rausgedrängt zu werden.

Am Start in Imola folgte nun die nächste Konfrontation. Diesmal war es Piastri, der von Pole losfuhr, und Verstappen war der Mann dahinter. Eigentlich schien der Start sich ganz und gar in Richtung Piastri zu entwickeln. Er kam besser vom Fleck und schnappte sich gleich die Innenbahn für die erste echte Kurve - Kurve 2, die Einfahrt in die Tamburello-Schikane.

Piastri rügt sich für Verstappen-Manöver: 10 Meter zu früh

Verstappen schien auf der Außenbahn unter Zugzwang, drohte sogar gegen George Russell zu verlieren. Aber: Er war jetzt außen auf der Rennlinie. Dort ist der Grip besser. "Also dachte ich, jetzt halte ich einfach rein", beschreibt es Verstappen. "Ich war auf der normalen Bremslinie, aber ich musste noch immer von sehr weit hinten kommen."

"Sobald ich später bremste und von der Bremse runter bin merkte ich, dass der Move möglich war", beschreibt es Verstappen. Denn Piastri auf der Innenbahn hatte zu früh gebremst. "Ich dachte, ich hätte es unter Kontrolle", ärgert sich der McLaren-Pilot. "Rückblickend hätte ich auf jeden Fall etwas anders gemacht: Ich hätte 10 Meter später gebremst."

"Ich begann dann mehr Tempo hin zum Scheitelpunkt mitzunehmen, dann wechselte das Momentum für die dritte Kurve und ich wusste, dass ich vorne bin", beschreibt Verstappen die Vollendung. "Du musst richtig präzise sein, um nicht von der Linie zu kommen. Zum Glück war der Grip da außen in Ordnung."

Verstappen zieht brutales Manöver gegen Piastri durch

So war Verstappen am Scheitelpunkt für den ersten Teil der Schikane schon außen knapp vor Piastri. Damit stand ihm im Sinne des Reglements eine Fahrzeugbreite Platz zu. Rausdrücken durfte Piastri ihn also nicht, sonst hätte es eine Strafe gegeben. Oder der stets umsichtige Verstappen, der jetzt wusste, dass er im Recht war, hätte es gar auf die Kollision ankommen lassen.

Polesetter Oscar Piastri führt nach dem Start vor Max Verstappen im Red Bull und George Russel im Mercedes
Am Kurveneingang war Piastri noch vorne, Foto: Getty Images / Red Bull Content Pool
Max Verstappen überholt im Red Bull kurz nach dem Start Polesetter Oscar Piastri im McLaren
Verstappen und Piastri blieben in Imola hart, aber fair, Foto: IMAGO / MAXPPP
Max Verstappen überholt im Red Bull kurz nach dem Start Polesetter Oscar Piastri im McLaren
Verstappens Linienwahl in Tamburello ging auf, Foto: Getty Images / Red Bull Content Pool

"Da war dann klar, der Piastri hat gesehen, da kann er nicht dagegenhalten, sonst krachts", urteilt auch Red Bulls Motorsport-Berater Dr. Helmut Marko im ORF-Interview. Er schwärmt von Manöver seines Fahrers: "Das war sowas von bestimmt, das hat der Piastri auch nicht erwartet."

"Es war ein gutes Manöver von Max, ich werde daraus lernen", gesteht Piastri die Niederlage ein. Raus aus Tamburello nahm er die noch nicht so schwer und glaubte, dass ihm das Rennen dank McLarens besserem Reifenverschleiß später wieder entgegenkommen würde. Aber das passierte nie. Mit freier Fahrt hatte Verstappen im Red Bull jetzt eine richtig starke Pace, und anders als in den letzten Rennen keinen schlechteren Reifenverschleiß als McLaren.

"Was bedeutet, dass das Rennen absolut durch den Platztausch in Kurve 1 entschieden wurde", folgert McLaren-Teamchef Andrea Stella. McLarens strategische Versuche, gegen Verstappen vorzugehen, verliefen sich im Nichts. Piastri wurde Dritter, Verstappen verkürzt seinen Rückstand auf den Australier in der WM auf 22 Punkte und jubelt: "Eine wichtige Woche für uns. Das Auto, die Umsetzung des Rennens, die Boxenstopps, alles war gut."