Das Formel-1-Rennen von Imola mutete diesmal teils wie ein ziemliches Verwirrspiel an. Links und rechts bogen Fahrer zum Boxenstopp ab, oder auch nicht, dann wieder, dann wieder nicht, am Ende gewann Max Verstappen, weil er und Red Bull alles richtig machten. Aber was genau machten sie eigentlich richtig - und was machten Oscar Piastri und Co. falsch?

Die Übersichts-Grafik aller Stopps bringt zuallererst einmal Licht ins ärgste Dunkel. 37 Boxenstopps gab es insgesamt, alle Fahrer bis auf Nico Hülkenberg (1 Stopp) und Gabriel Bortoleto (3 Stopps) steckten die Reifen zweimal um. Der Grund, warum das Rennen sich aber so verworren entwickelte, war folgender: Eigentlich wäre es ein Einstopp-Rennen gewesen.

Alle Formel-1-Boxenstopps in Imola
Alle Boxenstopps bei der Formel 1 in Imola, Foto: Pirelli

Was war die richtige Strategie im Rennen von Imola?

Wäre das Rennen ohne Unterbrechung durchgelaufen, dann wäre eine Medium-Hard-Einstopp letztendlich die richtige Wahl gewesen. Wegen eines Virtuellen und eines echten Safety Cars war die richtige Strategie aber: Bis gut zur Rennhälfte auf Medium fahren, dann Hard aufziehen, und dann unter dem Safety Car erneut auf Hard aufziehen.

Denn die alten Hard-Reifen waren beim Restart gegenüber einem neuen Reifen massiv unterlegen. Folglich war es absolut essenziell, bei Safety Car noch einmal zu stoppen. Warum taten das dann aber Fahrer wie Oscar Piastri, Charles Leclerc und George Russell nicht?

Diese Fahrer hatten schon viel früher einen katastrophalen Strategie-Fehler begangen. Neun Fahrer hatten ab Runde 9 auf eine Zweistopp-Strategie umgeschwenkt, als ihnen die Reifen in die Knie zu gehen schienen. Das war aber nur ein Durchhänger, wie McLaren-Teamchef Andrea Stella später erklärt: "Wenn du durch diese Phase durch bist, gaben sie noch mehr her." Die folgenden Fahrer saßen dem Irrglauben auf:

RundeFahrer
9Gasly
10Leclerc
10Lawson
11Russell
11Sainz
12Alonso
12Bortoleto
13Piastri
14Stroll

Alle diese Fahrer erkannten in den nächsten zehn Runden, dass sie einen kapitalen Strategie-Bock geschossen hatten. Als daraufhin in Runde 29 das Virtuelle Safety Car kam, stoppten alle: Die Einstopper, weil sie jetzt ihren einzigen Reifenwechsel billig abwickeln konnten. Die Zweistopper, weil sie den bereits angerichteten Schaden in Grenzen halten wollten.

Piastri, Leclerc und Co. hatten dadurch aber alle ihre Medium- und Hard-Reifen aufgebraucht. Denn jeder Fahrer bis auf das Aston-Martin-Duo hatte für das Rennen nur zwei Hard und einen Medium. Als in Runde 46 das Safety Car kam, konnten die Zweistopp-Irrläufer also gar nicht mehr wechseln. Sie hatten nur mehr Soft-Reifen in der Garage, und die hielten in Imola nicht einmal zehn Runden.

FahrerStopp unter SC noch möglich?
VerstappenJA
NorrisJA
PiastriNEIN
HamiltonJA
AlbonJA
LeclercNEIN
RussellNEIN
SainzNEIN
HadjarJA
TsunodaNEIN
AlonsoJA
HülkenbergNEIN
GaslyNEIN
LawsonNEIN
StrollJA
ColapintoJA
BearmanNEIN

Zum Abschluss noch die Frage: Was war das dann bei Aston Martin? Wer die Grafik oben studiert, sieht, dass Alonso und Stroll, die zu dem Zeitpunkt in den Top-10 lagen, nicht beim Virtuellen Safety Car in Runde 29 stoppten. Der Grund liegt am Samstag: Da hatten beide Fahrer zwei Medium-Reifen im Qualifying gefahren, und waren daher mit nur einem Hard und den zwei gebrauchten Medium ins Rennen gegangen. Jetzt schien sich das Team über 30 Runden vor Schluss nicht zu trauen, den zweiten gebrauchten Medium schon zu montieren. Der hätte wohl nicht gehalten. Beide Fahrer bekamen ihn erst beim Safety Car. Da war ihr Rennen schon gelaufen.