Am Freitag um 11:00 Uhr in Bahrain ist es so weit: Nicht an der Strecke, sondern in einem Hotel in der Stadt trifft sich die Formel-1-Obrigkeit, um die Zukunft der Königklasse zu besprechen. Es geht um die Motorenfrage. Es geht darum, ob Fans und Fahrer möglicherweise wieder ihre geliebten V10-Motoren bekommen - und wenn ja, wann.

Dass es bei diesem Meeting um die ganz großen Themen geht, zeigt die Anwesenheitsliste: FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem hat sich genauso angekündigt wie Formel-1-Boss Stefano Domenicali. Bei den Motorenherstellern schalten sich sogar die Konzernbosse ein. Mercedes-CEO Ola Källenius wird Motorsportchef Toto Wolff virtuell unterstützen, Audi-Boss Gernot Döllner wird an der Seite von Mattia Binotto sogar persönlich erwartet.

Neben den deutschen Automobilriesen sitzen auch Ferrari, Honda, Red Bull Powertrains und General Motors am Tisch. Renault wurde zum Treffen nicht eingeladen, weil die Franzosen zwar ursprünglich eine Power Unit nach dem 2026er Reglement entwickelten, sich aber ab der kommenden Saison als Motorenhersteller aus der Formel 1 zurückziehen.

Stein des Anstoßes des Motoren-Gipfels ist die immer stärker werdende Kritik an den Regeln für die Formel-1-Saison 2026. Vor einigen Jahren wurde Red Bull noch politisches Kalkül unterstellt, als sich Max Verstappen über das Reglement beschwerte und Teamchef Christian Horner Anpassungen forderte.

Kritik an Formel 1 2026 wird immer größer

Ein Computer-generiertes von einem Formel-1-Auto nach dem Technischen Reglement, das aber Saison 2026 gilt.
Die Formel 1 steht 2026 vor einem weitreichenden Reglement-Umbruch, Foto: FIA

Inzwischen sind positive Stimmen im Fahrerlager rar gesät. Der Fehler war es, zunächst ohne Rücksicht auf Verluste die Motorenformel zu schreiben, nur um Hersteller anzulocken. Normalerweise läuft die Fahrzeugentwicklung genau andersherum.

Mit Carlos Sainz und Charles Leclerc kritisierten am Donnerstag zwei Piloten die Regeln heftig. Das Problem liegt darin, dass fast die Hälfte der Gesamtleistung vom Elektromotor kommt und die Energie dafür Mangelware ist. Fast bei allen ist nun angekommen, dass das extreme Haushalten mit der elektrischen Energie extreme Auswirkungen auf Chassis und Racing hat.

Red Bull ist nach wie vor der stärkste Gegner der Regeln. Ob es nur die Liebe zum Sport ist, sei dahingestellt. Gerüchte über mangelnde Konkurrenzfähigkeit des neuen Herstellers machen schon länger die Runde. Beim Besuch von Motorsport-Magazin.com bei Red Bull Powertrains (Reportage im aktuellen Print-Magazin) wies man diese Gerüchte entschieden zurück.

Komplett-Absage ausgeschlossen: Kein Hybrid, kein Audi

Audi plant 2026 mit Sauber in die Formel 1 einzusteigen, Foto: AUDI AG
Audi plant 2026 mit Sauber in die Formel 1 einzusteigen, Foto: AUDI AG

Ginge es nach den Bullen, würde man die Regel-Revolution am liebsten komplett absagen und vorübergehend beim aktuellen Reglement bleiben. Dieses Szenario gilt als äußerst unwahrscheinlich, zu groß wären die politischen Auswirkungen. Audi würde die Formel 1 verlassen, bevor man überhaupt gekommen ist. Die FIA würde dann bei Änderungen nicht mitziehen, das hat man schon klargestellt. Aston Martin könnte 2026 nicht wie geplant zum Honda-Werksteam werden, Cadillac hätte kein Auto in der Schublade.

Das Reglement 2026 wird passieren, da sind sich die Akteure fast alle einig. Fraglich ist, ob es noch weitere Änderungen gibt. Der allgemeine Tenor im Fahrerlager ist, der neuen Formel eine Chance zu geben. Dann könnte man noch einigermaßen schnell nachjustieren, sollte es wirklich so katastrophal sein, wie von vielen befürchtet. Durch einen höheren Benzinfluss könnte man den Anteil der E-Power wieder reduzieren. Das würde nicht komplett neue Motoren erfordern.

Wird die neue Motorenformel vorgezogen?

Wenn komplett neue Motoren kommen sollen, wann? Eigentlich soll das Reglement bis einschließlich 2030 gehen. Die Hersteller haben ihre Investitionen darauf ausgelegt. Und wogegen würde man die Motoren eintauschen? Wirklich gegen die zuletzt ins Spiel gebrachten V10-Saugmotoren?

Um vor 2031 Änderungen vorzunehmen, sind sogenannte Super-Mehrheiten nötig. Bei den Motorenherstellern heißt das, dass mindestens vier Hersteller für Änderungen sein müssen. Audi, Honda und Mercedes sind klar dagegen. Ferrari hält sich überraschend bedeckt, General Motors dürfte einfachere Motoren wie Red Bull begrüßen. Schnellschüsse wird es also eher nicht geben.

Dass am Freitag weitreichende Entscheidungen getroffen werden, ist eher unwahrscheinlich. Um eine Motorenformel für 2031 zu finden, gibt es eigentlich keine Eile. Stattdessen könnte man sich die ersten Kilometer der neuen Formel 1 zunächst einmal ansehen.

FIA und Formel 1 wollen unabhängig werden

Portrait von FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem im Fahrerlager von Katar 2024
Mohammed Ben Sulayem ist seit Dezember 2021 FIA-Präsident, Foto: IMAGO / Sipa USA

Die V10-Vorstöße von Formel 1 und FIA kommen aber nicht von ungefähr. Noch ist man von den Herstellern abhängig. Die Historie hat gezeigt, wie schnell Hersteller in wirtschaftlich schweren Zeiten den Stecker ziehen können. Davor wollen sich Formel 1 und FIA schützen. V10-Saugmotoren können auch unabhängige Motorenschmieden bauen. FIA-Präsident hat dazu noch emotionale Beweggründe. Sound und Gewicht sind Themen, die ihm wirklich am Herzen liegen.

Die Hersteller sind vom V10 auch in ferner Zukunft nicht so begeistert. Für ihre Marketing-Strategien ist ein hochdrehender Saugmotor Gift und spiegelt die Entwicklung in der Serie nicht wider. Aber es gibt auch für sie ein gutes Argument, einfachere Motoren zu bauen: Die Kosten.

Die hochkomplexen Power Units sind auch mit Budgetgrenze kein Geschäftsmodell und werden es nie sein. Die Teams sind durch die Budgetobergrenze schon auf den Geschmack gekommen, was es bedeutet, finanziell erfolgreich zu sein. Für die Hersteller ist das in wirtschaftlich turbulenten Zeiten ein guter Köder.

Am Tag vor dem Motoren-Gipfel tritt der FIA-Vizepräsident für Sport zurück. Mehr Hintergründe erfahrt ihr von Christian hier im Video:

Vor Formel 1 Motoren-Gipfel: Überraschender FIA Rücktritt! (10:00 Min.)