"Nun, historisch gesehen war KTM hier immer recht schnell. Wir werden wieder versuchen, mindestens in den Top-Fünf zu sein und dann schauen, wie gut wir tatsächlich abschneiden können." Am Donnerstag hatte sich Pedro Acosta noch optimistisch gezeigt, beim Spanien-GP in Jerez die nächsten Top-Resultate der Saison 2026 einfahren zu können. Doch daraus wurde nichts. "Vergesst, was ich gestern gesagt habe", lautete schon 24 Stunden später das 'Kommando zurück'. Es ging nach den Trainings plötzlich nur noch um Schadensbegrenzung, und nicht einmal die gelang besonders gut.
KTM leidet im Spanien-GP: Vom Freitag weg keine Pace!
Lediglich auf Platz zehn erreichte Acosta am Sonntag das Ziel. Auf Rennsieger Alex Marquez fehlten happige 22 Sekunden. Bei einer Renndistanz von 25 Runden war ihm im Schnitt also fast eine Sekunde pro Umlauf verloren gegangen. Eine herbe Enttäuschung, zu der gewiss auch eine Berührung mit Trackhouse-Pilot Raul Fernandez beigetragen hatte. In deren Folge ging bei Acosta der rechte Frontflügel flöten, das Motorrad verlor an Abtrieb und Balance. Selbst ohne diesen Schaden wäre aber wohl nicht viel mehr möglich gewesen. "Ohne diesen Kontakt hätte ich es vielleicht wie Enea [Bastianini, Anm.] in die Top-Acht geschafft, aber das spielt jetzt auch keine Rolle mehr. Wir hatten das gesamte Wochenende über keinen Speed und ich bin wirklich froh, dass es jetzt vorbei ist", musste Acosta am vielsagend Sonntagabend gestehen.
Schon am Freitag hatte er darüber geklagt, nicht vernünftig bremsen zu können und das zeigte sich auch im Klassement. Im Training stand mit 0,763 Sekunden Rückstand nur Platz 15 zu Buche, womit Acosta erstmals seit Silverstone 2025 wieder in Q1 ran musste. Dass er dieses schadlos überstand und sich in Q2 sogar noch Startplatz sechs erkämpfen konnte, lag dann vor allem an den äußeren Bedingungen. Morgentliche Regenfälle sorgten für nassen Asphalt, da lief es beim 'Hai von Mazarron' zumindest im Qualifying deutlich leichter von der Hand. Mit der Rückkehr zu den trockenen Bedingungen folgte am Sonntag dann aber auch die Rückkehr zu den Problemen vom Freitag.
"Das war ein langes, hartes Rennen", gab auch Brad Binder zu Protokoll, der direkt hinter Acosta auf Platz elf ins Ziel gekommen war. Er beschrieb: "Ich hatte eigentlich einen guten Start, danach aber überhaupt keine Pace. Sobald ich mich mit dem Motorrad etwas zur Seite gelehnt habe, hat mich die Front nach außen gedrückt. Ich konnte nicht attackieren und musste anfangen sehr früh zu bremsen, um nicht jeden Kurveneingang zu überschießen. Es war so schwierig, ein sauberes Rennen zu fahren und Geschwindigkeit in die Kurven mitzunehmen."
Der einzige KTM-Pilot, der am Wochenende in Jerez gut mit der Bremse zurechtkam, war Enea Bastianini. Selbst er musste nach Platz acht aber bilanzieren: "Ich hatte mir eigentlich etwas mehr erwartet, ich hatte die Top-Fünf im Blick." Dazu hätte 'La Bestia' das Trackhouse-Duo um Ai Ogura (5.) und Fernandez (6.) bezwingen müssen, doch auf die beiden fehlten fast fünf Sekunden. Dass dann mit Johann Zarco auch noch eine Honda vor der besten RC16 ins Ziel lief, war da nur die Spitze des Eisbergs: "Ich habe schon nach fünf Runden einen starken Abbau im Vorderreifen gespürt. Danach war es unmöglich für mich, noch weiter über die Front zu attackieren."

KTM im MotoGP-Test von Jerez wieder gut, aber warum?
Äußerst gelegen kam KTM daher, dass am Montag gleich noch ein achtstündiger Testtag in Jerez auf dem Programm stand. Hier sollte Ursachenforschung betrieben werden. "Wir brauchen diesen Test jetzt wirklich", gestand Binder bereits am Sonntagabend und Teammanager Aki Ajo kommentierte dann am Montag beim MotoGP-Format 'Midday Live': "Unsere Erwartung war hier eine andere. Am Sonntag war die Pace überhaupt nicht so, wie wir uns das gewünscht hätten. Wir werden daher jetzt Teile dieses Tests nutzen, um das Wochenende zu analysieren und einige Dinge gegen zu prüfen. Die restliche Zeit wird dann der Weiterentwicklung gewidmet."
Wie also verlief der Jerez-Test für KTM? Äußerst erfreulich! "Wir sind einen Tag zu spät dran, aber es sieht so aus, als wären wir endlich angekommen", bilanzierte Acosta am Montagabend sichtlich zufrieden. Platz fünf stand für ihn zu Buche, knapp dreieinhalb Zehntel fehlten zum Trackhouse-Duo an der Spitze. Anders als Ogura und Fernandez war der 21-Jährige in den letzten 60 Minuten des Tests allerdings keine 'Timeattack' mehr gefahren. Realistisch betrachtet gehörte Acosta also gemeinsam mit Marco Bezzecchi (3.) und Marc Marquez (4.), die ihre besten Rundenzeit in einer ähnlichen Phase des Tages wie er gefahren waren, zu den Top-Drei des Jerez-Tests. Das Trio trennte lediglich 27 Tausendstelsekunden.

"Wir haben etwas gefunden", freute sich Acosta daher. Einziges Problem: "Wir wissen nicht wirklich, was. Ich bin heute morgen rausgefahren und das Bike hat sich direkt wieder normal angefühlt." War die Rückkehr zum Gefühl der ersten Rennwochenenden 2026 womöglich nur den verbesserten Gripverhältnissen geschuldet, die solche MotoGP-Tests im Anschluss an einen Grand Prix im Normalfall bieten? "Ich denke nicht, weil ich das ganze Wochenende über mit der Front Probleme hatte und nicht mit dem Heck", winkte die Nummer 37 ab. Doch die Frage bleibt: Entspricht nun die Pace vom Montag oder die Pace vom Wochenende der wahren KTM-Performance? Das wird sich wohl erst in den kommenden Grands Prix zeigen. "Da werden wir jetzt Le Mans abwarten müssen", bilanzierte auch Acosta.
KTM-Fahrer finden Gefallen an Updates: "Hatten wir dringend nötig"
Gewisse Sorgenfalten bleiben also, aber es gibt auch weiteren Grund zur Freude. Denn die Updates, die KTM im Jerez-Test ausprobierte, scheinen bei den Fahrern gut angekommen zu sein. "Wir haben ein paar Dinge getestet und Schritte gemacht. Meine Pace war besser als gestern", gab etwa Bastianini an und auch Acosta meinte: "Einige Teile haben funktioniert, wir haben etwas mehr Traktion gefunden."
Getestet wurden speziell neue Aero-Pakete, aber auch in einem anderen Bereich gab es noch Updates. "Wir haben einige Verkleidungen ausprobiert, mit denen wir in schnellen Kurven besser einlenken konnten", freute sich Binder und verriet des Weiteren: "Wir haben auch einen anderen Stoßdämpfer ausprobiert, der all die Bewegungen am Heck beruhigt hat. Das ermöglicht bessere Beschleunigung am Kurvenausgang, hilft aber auch den Kurveneingang etwas besser unter Kontrolle zu behalten. Das sind nur zwei kleine Veränderungen, aber die hatten wir dringend nötig."

Kommende Woche wird sich beim Frankreich-GP (8. bis 10. Mai) nun zeigen, ob KTM das schwache Rennwochenende tatsächlich abgelegt hat und den Schwung aus dem Jerez-Test mit auf den legendären Bugatti Circuit nehmen kann. Zumindest Teammanager Ajo ist jedoch optimistisch: "Wir bewegen uns in die richtige Richtung. Du musst geduldig bleiben, du kannst nicht ein oder zwei Wochenenden allein für eine Analyse heranziehen. Du musst langfristig schauen und ich bin zuversichtlich, dass da schon in naher Zukunft einige Strecken kommen, die uns sehr gut liegen werden."
Keinerlei Euphorie herrscht nach Jerez derweil im Yamaha-Lager. Dort scheint die MotoGP-Krise von Woche zu Woche schlimmer zu werden. Fabio Quartararo nimmt deshalb kein Blatt mehr vor den Mund und rechnet mit seinem Motorrad ab. Mehr dazu in diesem Artikel:



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