Die Formel 1 tut sich derzeit keinen Gefallen. Stefano Domenicali versuchte am vergangenen Wochenende in Zandvoort noch alle Teamchefs darauf zu beschwören, nicht zu schlecht über die nächstjährigen Motoren zu sprechen. Viele im Fahrerlager fürchten ein sportliches Desaster aufgrund des neuen Reglements.

Das eigentlich für nächste Woche geplante Motoren-Meeting signalisierte aber genau das, was niemand aussprechen sollte: Die Hütte brennt offenbar. Denn beim Meeting sollte einmal mehr über die Nachfolger der 2026er Motoren diskutiert werden - bevor die ersten Kilometer damit überhaupt zurückgelegt wurden.

Noch schlimmer: Es sollte nicht nur darum gehen, wie die Nachfolge-Generation technisch aussehen soll, sondern auch darum, wie viel früher man die neuen Motoren bringen kann. Eigentlich sollen die Hybrid-Monster, die 2026 ihr Debüt feiern, bis einschließlich 2030 bleiben.

Nun wurde das Meeting aber überraschend abgesagt. Grund dafür ist aber keine PR-Maßnahme, sondern einmal mehr Streitigkeiten zwischen den Herstellern. Wie soll der zukünftige Motor genau aussehen? V8-Sauger oder V8-Turbo? Oder doch ein V10? Soll es ein Einheits-KERS geben und falls ja, wie stark soll es ausfallen?

Red Bull mit Angst vor Motoren oder vor Kosten?

"Man konnte sich erneut nicht darauf einigen, wie groß die Kolben sein sollen", überspitze Dr. Helmut Marko. Gerade Red Bull hat großes Interesse daran, die Motorenformel abzuändern - nicht aus Angst vor der Konkurrenz, wie man aber immer wieder betont. Red Bull baut 2026 erstmals einen eigenen Formel-1-Motor.

Viele im Fahrerlager glauben, dass man sich in Milton Keynes mit dem Projekt Red Bull Powertrains übernommen hat. Red Bull hingegen argumentiert mit den enormen Kosten. Als Kunde musste man zwar schon oft für Motoren bezahlen, das hat aber nur einen Bruchteil von den Entwicklungs- und den tatsächlichen Fertigungs- und Einsatzkosten verursacht.

Ein Experte schätzt den Wert einer aktuellen Power Unit - ohne Entwicklung - auf rund eine halbe Millionen Euro. Einfachere Saugmotoren könnte man für die Hälfte des Geldes haben, sagt derselbe Experte.

Das Kosten-Argument ist für alle Hersteller interessant, auch für die FIA. Mohammed Ben Sulayem hätte aus emotionalen Gründen außerdem gerne hochdrehende Saugmotoren zurück, daraus macht der FIA-Präsident keinen Hehl. Dadurch würden die Autos nicht nur besser klingen, sondern auch wieder deutlich leichter werden.

Motoren-Gipfel schon in Bahrain ein Reinfall

Allerdings wehren sich vor allem Mercedes und Audi gegen die aktuellen Diskussionen. Beide sind - wie Domenicali - sehr darauf bedacht, die neuen Regeln nicht vorzeitig schlecht zu reden. Zusätzlich gehen die Meinungen beim möglichen zukünftigen Antrieb zu weit auseinander.

Deshalb hat man bei der FIA nun eingesehen, dass man das Meeting lieber absagt und auf unbestimmte Zeit verschiebt. Denn schon in Bahrain gab es einen ähnlichen Motoren-Gipfel, der mit den Worten von Shakespeare endete: Viel Lärm um nichts. Eine zweite Version davon wollte man sich ersparen.

Die FIA braucht - um frühzeitig die Motorenformel zu ändern - ohnehin die Hersteller an Bord. Erst 2031 könnte der Automobilweltverband wieder im Alleingang Regeländerungen vornehmen. Bis dahin sind aber Mehrheiten oder sogar sogenannte Super-Mehrheiten nötig. Weil man um den Wert der Hersteller in der Formel 1 weiß, will die FIA aber ohnehin niemanden verprellen.

Deshalb gilt nun die Devise: Abwarten. Ende Januar 2026 gehen die neuen Autos bei Testfahrten erstmals auf die Strecke. Weil die Teams vor Defekten und schlechter Presse Angst haben, findet der erste Test hinter verschlossenen Türen statt. Sollte sich das neue Reglement dann tatsächlich als Rohrkrepierer erweisen, kann noch immer über ein vorzeitiges Ende diskutiert werden.

Ein weiteres Zukunftsthema ist der Formel-1-Rennkalender. Kehrt die Formel 1 zurück nach Deutschland? Hockenheim könnte in Zukunft wieder Teil des F1-Kalenders werden. Wie stehen die Chancen? Mehr dazu im Video:

Formel 1 zurück nach Deutschland? Hoffnung lebt in Hockenheim! (09:36 Min.)