Die Red-Bull-Führung war nach dem China-GP sehr eindeutig: Zumindest im Management soll der Tausch von Liam Lawson gegen Yuki Tsunoda eine gemeinsam getroffene Entscheidung gewesen sein. Am Donnerstag in Japan dreht sich aber viel auch um die Meinung des Nummer-Eins-Fahrers Max Verstappen. Der reagierte kryptisch, und lässt Zweifel an seiner Meinung weiter bestehen.
Motorsportberater Dr. Helmut Marko hatte in mehreren Interviews seit dem Tausch bereits kurz angerissen, dass Verstappen mit der Degradierung von Lawson und der Beförderung von Tsunoda nicht glücklich sei. Verstappen selbst sorgte beim Tausch vor einer Woche bloß für eine indirekte, aber trotzdem viel beachtete Reaktion: Er drückte auf Instagram "Gefällt mir."
Nämlich bei einem Post des niederländischen Rennfahrers Giedo van der Garde. Der Ex-F1-Pilot kritisierte darin die Art und Weise, wie Red Bull Lawson unter extremen Druck stellte, und nach nur zwei Rennen absägte, "seinen Willen brach", was deutlich näher an "Mobbing oder einem Panik-Move" sei.
Max Verstappen geht zum Red-Bull-Management: Sie wissen es
Nun ist ein Like eines doch insgesamt langen Posts mit mehreren Argumenten kaum eine verlässliche Aussage zu Verstappens präziser Meinung. Wollte er bloß Zuspruch für Lawson ausdrücken? Oder van der Gardes Kritik am Red-Bull-System unterschreiben? Die Möglichkeit, sich am Donnerstag vor Japan in seinem ersten medialen Auftritt seit der Verkündung zu präzisieren, schlug Verstappen jedoch aus.
"Ich meine, ich habe den Kommentar gelikt, das spricht für sich selbst, das war kein Fehler", sagt Verstappen bloß. "Meine Reaktion habe ich mit dem Team geteilt. Aber meine generelle Reaktion. Nicht nur zum Tausch, zu allem. Wir haben das schon am letzten Rennwochenende und dann in der Fabrik diskutiert." Nachsatz: Seine Meinung ist auch angekommen. "Ja. Sie wissen es."
Sehr wohl unterschreibt er die Ansicht, dass Lawson in eine äußerst schwierige Lage gebracht wurde: "Für Rookies ist es mit diesem Kalender heute immer schwierig. Die meisten Strecken kennen sie nicht, oder es ist sofort ein Sprint-Wochenende. Das sind alles Szenarien, die nicht helfen."
Aber sein Interesse am Fahrerproblem hält sich in Grenzen. Den neuen Teamkollegen Yuki Tsunoda hat er nur kurz bei einem gemeinsamen Show-Event in Japan gesehen. Substanzielle Konversation hatten die beiden keine. Das Gedankenspiel, ob man das desaströse letzte Jahr von Sergio Perez jetzt unter Angesicht der Lawson-Situation neu bewerten müsse, will Verstappen gar nicht erst eingehen: "Letztendlich haben wir uns selbst in diese Lage gebracht."
Verstappen-Frust über schwachen Red Bull steht über Fahrer
Worauf Verstappen wieder und wieder am Donnerstag in Japan anspielt, ist die nicht zufriedenstellende Lage mit dem RB21. "Sobald das Auto wettbewerbsfähiger und generell fahrbarer ist, dann wird auch das zweite Auto ganz von selbst besser werden", prognostiziert er.
Wobei Verstappen übrigens einräumt: Er tut sich schwer, die Eigenheiten des Autos relativ zu anderen Teams einzuschätzen. In der Formel 1 ist es ein bekanntes Phänomen, dass Teams über Jahre hinweg spezielle Charakteristiken in ihren Autos erhalten, selbst über Regeländerungen hinweg. Und Verstappen saß seit 2016 nur mehr in Red Bulls.
"Ich passe mich einfach so gut es geht an", beschreibt es Verstappen. "Aber basierend auf dem, was ich sehe, ist es etwas nervöser, und vielleicht etwas instabiler in bestimmten Kurvenphasen. Ein paar meiner Teamkollegen waren vielleicht anderes gewöhnt. Ein paar Dinge gehen damit ganz klar schneller als das, was sie davor kannten, aber das alles auf einen Nenner zu bringen ist wohl etwas schwieriger."
Diese Details auszutarieren gestaltet sich seit dem letzten Jahr eben besonders schwierig, obwohl das Team seit Monaten den Entwicklungsfokus auf Fahrbarkeit statt maximalem Abtrieb gelegt hat. "Seit der zweiten Saisonhälfte letztes Jahr wissen alle sehr genau, wo wir hinschauen müssen", versichert Verstappen zwar, dass das Team den Ernst der Lage versteht. Trotzdem hapert es bei den Fortschritten.
"Manche Probleme sind einfacher zu lösen als andere, aber alle geben ihr Bestes", meint Verstappen und stützt das Team. Tut er das aber wirklich bei allen jüngsten Entscheidungen der Teamführung - inklusive beim Fahrertausch? Die klare Antwort bleibt aus: "Ich fokussiere mich einfach auf mich selbst. Auf das, was ich zu tun habe. Wofür ich bezahlt werde."
Auch von Tsunoda gibt es recht wenig Konversationsbedarf mit Verstappen. Warum sich der neue Red-Bull-Fahrer noch keine Tipps geholt hat, erklären wir hier:



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