An diesem Wochenende gibt Yuki Tsunoda sein Debüt für Red Bull Racing in der Formel 1. Nach vier Jahren beim kleinen Bullen-Team wird für ihn ein Traum wahr. Noch vor zwei Wochen erschien vor dem China-GP dieser Aufstieg als fernere Wunschvorstellung, doch die Lawson-Misere zwang Red Bull zum sofortigen Handeln.

Vor dem Rennwochenende in Suzuka erklärte der Japaner, wie der Wechsel aus seiner Perspektive vonstattengegangen ist. "Den ersten Anruf erhielt ich von Christian [Horner] direkt nach China, in dem sagte er mir, dass ich darauf vorbereitet sein müsse, dass sich die Dinge etwas ändern", so Tsunoda. Am Anfang jener Woche saß er bereits im Red-Bull-Simulator. "Nur für den Fall, zu diesem Zeitpunkt", so Tsunoda.

Yuki Tsunoda über Verstappen: Ich denke nicht, dass er die Wahrheit sagen würde

Es dauerte aber nur wenige Tage, bis dieser Fall eintrat, denn am letzten Donnerstag gab Red Bull den Wechsel offiziell bekannt. Wann genau Tsunoda davon erfuhr, wollte er nicht verraten. Christian Horner blieb auch nach der Bekanntgabe der zentrale Ansprechpartner für den Red-Bull-Neuzugang. Mit Max Verstappen habe er sich hingegen noch gar nicht unterhalten, um Tipps zu dem Red Bull einzuholen. Er erwartet auch keine Unterstützung von dem amtierenden Formel-1-Weltmeister – ganz im Gegenteil.

"Selbst wenn ich ihn an die Schulter tippen und etwas über das Auto fragen würde, ich denke nicht, dass er die Wahrheit sagen würde", vermutet Tsunoda. Verstappen gilt als Gegner von Red Bulls Entscheidung, Liam Lawson vor die Tür zu setzen. In Suzuka wollte er sich dazu nicht äußern, betonte aber erneut, dass das Hauptproblem das Auto sei und nicht der Fahrer.

Auch ohne direkte Tipps von Verstappen geht Tsunoda davon aus, dass er sich viel von dem Niederländer abschauen kann. "Ich muss es für mich selbst aus den Daten und in den Onboards erkennen, wie er fährt. Ich habe schon mehrere Videos aus den letzten beiden Grands Prix angeschaut", erklärte Tsunoda.

Max Verstappen (Red Bull) und Yuki Tsunoda (Racing Bulls) beim Formel-1-GP in Abu Dhabi (Yas Marina/UAE); Portrait
Yuki Tsunoda im Gespräch mit Max Verstappen, Foto: Imago / Jay Hirano

Red-Bull-Vorgänger: Tsunoda bekommt Tipps von Pierre Gasly und Sergio Perez

"Sollte ich wirklich Probleme haben, dann werde ich ihn immer noch nicht fragen, sondern mit meinen Ingenieuren nach einer Lösung suchen. Bislang waren sie sehr hilfreich und sie haben mir schon eine Vorstellung davon gegeben, welche Charakteristiken bei den Fahrern für so wenig Selbstvertrauen sorgten. Ich denke, die Informationen befinden sich schon in meinem Kopf", führte er weiter aus.

Anstelle von Verstappen bekam Tsunoda Beratung von zwei ehemaligen Formel-1-Teamkollegen des Vierfach-Champions angeboten. Pierre Gasly, mit dem Tsunoda seit ihrer gemeinsamen Zeit im kleinen RB-Team gut befreundet ist, trat mit ihm in Kontakt und forderte Tsunoda zu einem Telefongespräch auf: "Er wollte seine Erfahrungen aus seiner Zeit bei Red Bull teilen. Es waren sehr nützliche Tipps", so der 89-fache Grand-Prix-Starter. Genaueres wollte er aber nicht verraten. "Auch von Checo [Perez] bekam ich [nützliche Tipps]. Sie beide haben mich sehr unterstützt."

Doch nicht nur mit Verstappen hat Tsunoda seit seinem Wechsel zu Red Bull Racing nicht gesprochen, auch mit Dr. Helmut Marko habe er seitdem noch kein Wort gewechselt. "Überraschenderweise hat er mich noch nicht angerufen. Das ist sehr ungewöhnlich", stellte Tsunoda fest.

Tsunoda nur Formel-1-Wasserträger? Priorität liegt auf Verstappen

Seit Tsunoda als Red-Bull-Junior in die Formel 3 kam, war er ein regelmäßiger Gesprächspartner von Marko am Telefon. Dass der Österreicher ihn jetzt nicht angerufen hat, habe aber keine tiefergehende Bedeutung, ist er sich sicher. "Auch in den letzten beiden Rennen hatten wir einen guten Draht zueinander", so Tsunoda. "Vielleicht war er mit anderen Dingen beschäftigt, aber ich kann es kaum erwarten, ihn zu sehen und seine Reaktion zu erfahren."

Das Anforderungsprofil von Red Bull an Tsunoda, ist relativ simpel: "So nah an Verstappen dran sein wie möglich." Die zweite Devise lautet, dass er strategisch seinen Teamkollegen unterstützen soll. "Sie haben klar gesagt, dass die Haupt-Priorität Max ist, was ich auch vollkommen verstehe, denn er ist ein vierfacher Weltmeister und auch in den letzten Rennen hat er in einem schwierigen Auto sehr stark performt", so Tsunoda.

Im Red-Bull-Simulator in Milton Keynes konnte Tsunoda schon etwas Vertrauen in das Auto tanken. Dabei habe auch er in Ansätzen festgestellt, was seine Vorgänger am Red Bull auszusetzen gehabt hatten: "Es hat sich nicht so verrückt schwierig angefühlt. Gleichzeitig habe ich verstanden, was die Fahrer in Bezug auf Instabilität und Fahrer-Vertrauen meinten." Tsunoda hat schon eine Abstimmung ausgemacht, mit der der in Japan beginnen will. Dann wird sich erstmals zeigen, ob er besser mit dem RB21 umgehen kann als sein Vorgänger.

Lawson-Rauswurf! Zerstört Red Bull jetzt Tsunodas F1-Karriere? (26:07 Min.)

Liam Lawson hat auch seine Version der Ereignisse seit seiner Entlassung von Red Bull geteilt. Das sagte der Neuseeländer: