In China sorgte Ferrari nach dem Rennen für die größten Schlagzeilen. Beide Autos wurden disqualifiziert, aus unterschiedlichen technischen Gründen. Das stellte ein Novum in der Formel 1 dar. Punkte gingen durch Untergewicht und einen zu sehr verschlissenen Unterboden unnötig durch die Lappen, doch das ist nicht das größte Problem der Scuderia. Warum die Pace des neuen Autos nicht umgesetzt werden kann.
Charles Leclerc: Ferraris Potential ertrinkt im Verkehr
"Das Tempo war nicht genau so, wie wir es erwartet hatten. Und dann noch mehr Punkte zu verlieren, als wir ohnehin schon hatten. Ja, das schmerzt das Team sehr, aber ich bin zuversichtlich, dass wir daraus lernen werden", wurde Charles Leclerc natürlich auch vor dem Grand Prix in Japan mit der doppelten Disqualifikation konfrontiert. Doch der wichtigste Punkt kam gleich zu Beginn seiner Antwort: Ferrari war im Grand Prix von Shanghai auch zu langsam.
Dafür macht der Monegasse vor allem ein Phänomen verantwortlich: Den Verkehr, beziehungsweise die daraus resultierende 'Dirty Air'. "Ich denke, dass wir ähnlich wie im letzten Jahr ein sehr gutes Auto haben, was die Rennpace angeht, die wir bisher nicht wirklich zeigen konnten. Denn wenn man in der Mitte des Feldes startet, ist der Reifenabbau viel schlimmer, man kann seine wirkliche Pace nicht wirklich zeigen, und das ist am Sonntag in China passiert", gab der Ferrari-Pilot an.
Hamiltons Sprint-Sieg beweist: Ferrari kann mehr
Den Beweis für das Potential seines Dienstwagens habe sein Teamkollege bereits erbracht: "Ich denke, dass Lewis [Hamilton] in China am Freitag einen hervorragenden Job gemacht hat, als die Fahrer im [Sprint-]Qualifying vielleicht nicht alles auf die Reihe bekamen. Er hat es geschafft, alles auf die Reihe zu bekommen und das Auto ein wenig zu übertreffen. Und dann wird der Reifenabbau ein großer Faktor. Wenn man vorne startet, kommt dir alles ein bisschen mehr entgegen."

Lewis Hamilton sicherte sich im Sprint-Qualifying überraschend die Pole-Position. Im Kurzrennen hatte er dann nach gutem Start freie Fahrt - und gewann souverän. "Ich denke also, dass die Pace immer noch so gut ist wie das, was wir am Samstag mit Lewis gezeigt haben. Aber wir können sie nicht nutzen, wenn wir keine bessere Qualifying-Pace haben", identifiziert Leclerc daher die wichtigste Problemzone. Warum genau Ferrari in dieser Disziplin schwächer ist, blieb unklar. "Ich werde da nicht in die spezifischen Details gehen", blockte er ab. Ferrari habe aber "ein paar Ideen", so Leclerc.
Leclerc gib zu: McLaren ist schneller, aber das war Red Bull Anfang 2024 auch
Doch gilt es die Erwartungshaltung auch bei einem verbesserten Qualifying ein bisschen zu mäßigen. Hamiltons Erfolg im Sprint von China war sicherlich ein Mutmacher, doch gegen einen Gegner muss Leclerc generell einen Rückstand des neuen SF-25 einräumen: "Es ist so, dass die Leistung im Vergleich zu McLaren einfach nicht gut genug ist. Es geht also nicht nur darum, wie schwierig es ist, das Maximum an Leistung aus dem Auto [dem Ferrari, Anm. d. Red.] herauszuholen. Es ist so, dass das Auto im Moment nicht genug Performance hat."

Doch auch hier möchte er nicht verzagen. Die Erinnerung an 2024 macht Mut: "Wenn wir auf das letzte Jahr zurückblicken und uns die ersten beiden Rennen ansehen, war die Situation in Bezug auf die Leistung um einiges schlechter als jetzt. Wir hatten erwartet, dass Red Bull die ganze Saison dominieren würde." Bekanntermaßen kam es völlig anders. Der Gegner ist diesmal zwar ein anderer, doch Aufgeben gibt es nicht: "Wir sind uns bewusst, dass die Saison noch sehr, sehr lang ist." Bei noch 22 ausstehenden Grand Prix tatsächlich keine Floskel. Ein erster Anfang einer erneuten Aufholjagd kann in Suzuka gemacht werden.
Wie Ferrari im Vergleich zu den anderen Teams entwickelt hat, könnt ihr in der Analyse von Christian nachlesen:



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